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Rostock Ein Schwimmbad im Roten Pavillon
Mecklenburg Rostock Ein Schwimmbad im Roten Pavillon
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00:09 09.05.2018
Pia Mohring (v.l.), Christin Peterlik, Thomas Oertel und Denis Mittag gestalteten die neue Installation „Wasser“ im Roten Pavillon. Quelle: Foto: Sabine Hügelland
Bad Doberan

Ein paar Wochen lang besitzt die Münsterstadt ein kleines Schwimmbad – im Roten Pavillon mitten auf dem Kamp. Allerdings haben die Wismarer Architekturstudenten Denis Mittag, Pia Mohring, Christin Peterlik sowie Innenarchitekt-Student Thomas Oertel den Begriff des Schwimmbades neu definiert. Die Ausstellung „Wasser“, von der Ehrenamtsstiftung MV gefördert, findet im Rahmen des Wasserfestes „Aquanostra 2018“ statt, das vom 8. bis 17. Juni in Bad Doberan und Heiligendamm gefeiert wird.

Vier Wismarer Studenten gestalten Ausstellung zu „Aquanostra“ in Bad Doberan

Doch wie entstand die Idee zum Schwimmbad? „Auslöser waren die grünen Fliesen im Pavillon, die daran erinnern“, erklärt Professorin Gunda Förster. Sie entwickelte die Installation gemeinsam mit den Studenten an der Fakultät Gestaltung der Hochschule Wismar. Im Pavillon sieht jedoch alles nur so aus, als ob es der Wahrheit entspricht. Es wurde nach Materialien gesucht, die dem eigentlichen Zweck nicht dienlich sind und ihm gänzlich entgegenstehen: Das Handtuch ist eine Plastikplane. Das Sprungbrett aus Styropor, die Badekappe nur gehäkelt, der Bikini und die Badehose sind aus durchsichtigem Plastik, die Badelatschen bestehen aus einem Material, welches zum Abwaschen genutzt wird und das sich schnell mit Wasser vollsaugt.

„Alles Dinge aus dem Haushalt, die wir zweckentfremdet haben“, erklärt Denis Mittag. „Wir hatten Spaß bei der Arbeit – obwohl nur eineinhalb Monate Zeit war“, sagt Pia Mohring. Die Installation sei speziell für diesem Raum entwickelt worden, ergänzt Christin Peterlik.

Was die Studenten umsetzten, besitzt jede Menge Ironie – wie auch der Rettungsring aus Beton beweist. „Es geht um die Reflexion des Raumes und die Auseinandersetzungen mit den Gegebenheiten“, betont Gunda Förster. „Das Bäderthema steckt ja schon im Stadtnamen Bad Doberan.“ Das kleine Stück originaler Wandbemalung, welches im Pavillon zu sehen ist, „könnte auch aus einem römischen Badehaus stammen“, meint die Professorin. „Auch dieser Hall, die Akustik erinnert an eine Schwimmhalle.“

Das Besondere für die Studenten war, dass sie keine Objekte, Bilder und dergleichen ausstellen wie sonst in einer Galerie üblich. „Ihr Projekt öffentlich zu präsentieren und die Arbeit mit dem Raum an sich gehört zum berufsbildenden Teil des Studiums“, erklärt Förster. „Es war ein dynamischer Prozess, gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten“, sagt Thomas Oertel. „Wir haben auch das Meeresthema der Verschmutzung aufgegriffen und Materialien wiederverwendet, statt sie wegzuwerfen.“

Die Studenten – drei sind im Begriff ihren Master zu machen, einer seinen Bachelor – beziehen sich auf den von Marcel Duchamp im Jahre 1913 geprägten Begriff des „Readymade“, mit dem der Maler und Objektkünstler den damals gängigen Kunstbegriff radikal infrage stellte. In Bad Doberan zeigen sie eine Reihe von Versatzstücken aus dem Bäderkontext.

Zum feierlichen Auftakt von „Aquanostra“ wird es am 8. Juni übrigens die Klangperformance „Droops“ geben: Der Künstler Huey Walker bringt ab 18 Uhr am Roten Pavillon Gitarren mit Wassertropfen zum Klingen. In der Parkanlage entsteht atmosphärische Musik, in die der Musiker als „Wasserträger und Tropfenverwalter“ eingreift.

Für die Performance „Towel Field“ auf dem Kamp sind wieder die Studierenden der Fakultät Gestaltung der Hochschule Wismar im Rahmen der Ausstellung „Wasser&Licht/Water&Light“ zuständig.

Öffnungszeiten Roter Pavillon:

mittwochs, donnerstags und sonnabends von 14 bis 17 Uhr, freitags von 15 bis 18 Uhr; Sonderöffnungszeiten zu Pfingsten: Sonnabend bis Montag, 14 bis 18 Uhr

Roter Pavillon

Am 17. Mai 1808 begann der Baumeister Carl Theodor Severin (1763 – 1836) mit dem Bau des Kleinen Pavillons (heute: Roter Pavillon). Die hölzernen Verkaufsbuden auf dem Kamp waren schadhaft geworden, so dass Herzog Friedrich Franz den Bau eines festen Gebäudes in Auftrag gegeben hatte. Vorbild sollte ein Gebäude sein, welches er in Dänemark gesehen hatte. Fertig zur Badesaison, diente der

Pavillon als Ausschank und Musikstätte. Der achteckige Bau stellt eine Verbindung zwischen Klassizismus und Chinoiserie dar.

Sabine Hügelland

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