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Rostock Eine Schule zum Wohlfühlen
Mecklenburg Rostock Eine Schule zum Wohlfühlen
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03:46 07.02.2018
Hermann Siems (14), Jonathan Heier (13), Luise Krämer (14) und Carla Eckard (13, v. l.) aus der Klasse 7/8d stellen zum Thema „Erwachsen werden“ ihre selbst gebastelten Bücher vor. Daran haben sie drei Wochen im Werkstattprojekt gearbeitet. Quelle: Fotos: Lea-Marie Kenzler
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Südstadt

In drei Flügeln ordnen sich die Lernecken, Gruppen- und Unterrichtsräume um das Zentrum des Schulgebäudes an. Dieser spezielle Grundriss durchbricht nicht nur traditionelle schulische Strukturen, er spiegelt auch eine regionale Eigenheit – die Form eines Windrades – wider. Ihren Namen bekam die Werkstattschule durch ihr pädagogisches Konzept: jahrgangs- und fächerübergreifender Werkstattunterricht, der sich zu einem Erfolgsmodell entwickelt hat. Die zehnte Runde des OZ-Schulratgebers führte in ein Wohngebiet der Rostocker Südstadt.

Werkstattschule vereint pädagogische Ansätze / Fächerübergreifendes Arbeiten in „Werkstätten“

Ausstattung: Teppichböden

Die Klassenzimmer des modernen Schulgebäudes sind mit Teppichböden ausgestattet, damit auch auf dem Fußboden gearbeitet werden kann. Das verglaste Lehrerzimmer im Zentrum der Schule ist frei zugänglich. Ein moderner Theaterraum, Bibliothek und eine Küche gibt es ebenfalls. Der dreiflügelige Neubau der Schule folgt neuen Formen der Rauminterpretation.

Zahlen & Fakten

Träger der Schule ist die Europäische Stiftung für innovative Bildung.

219 Euro beträgt das Schulgeld in der Sekundarstufe. Ermäßigungen sind möglich.

Jede Stammgruppe hat zwei Lehrer.

Freizeitangebot: Musik und Zeitung

Die Mittagsfreizeit wird von älteren Schülern für jüngere organisiert. In Kooperation mit der Welt-Musik-Schule „Carl Orff“ finden zahlreiche musikalische Angebote statt. Auch eine Hausaufgabenbetreuung gibt es. Die Schülerzeitung „Scorpion“ ist unter den Nachwuchsreportern beliebt. Kooperationen bestehen mit dem Max-Samuel-Haus, dem Ökohaus und dem Geschichtsverein.

Förderangebot: Lernen im Projekt

Die Projektarbeit findet regelmäßig im Anschluss an die Werkstätten statt. Dabei werden Themen wie „Europa“, „Bauen, Wohnen, Leben“ oder „Identity“ bearbeitet. Projektorientierter Unterricht findet im Konzept der Freiarbeit statt. Handwerktage, Kochprojekte und Kooperationen mit dem „circus Fantasia“ finden ebenfalls statt. Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag sind zusätzlich.

Verpflegung: Mensa und Café

Abwechslung im Speiseplan bietet das Schülercafé. Mit veganen Gummibärchen, Cookies und selbst frittierten Bio-Pommes ist es eine beliebte Anlaufstelle in der Schule. Die Mittagsverpflegung holt der Hausmeister von der Südstadt-Mensa ab. Es gibt zwei Menüs mit vegetarischen Optionen und ein Salatbuffet. Die Vorbereitung der Speiseräume wird von Schülern erledigt.

Lehrer: Teamarbeit

Die didaktische Arbeit ist gerade bei der Vorbereitung der Werkstattthemen aufwendig, weshalb das Kollegium permanent im Team agiert. Gegenseitige Hilfe und kollektives Feedback sind wesentliche Faktoren der pädagogischen Arbeit. Das Team wird aus Sonderpädagogen, Erziehern, Heilerziehern und Lehrern gebildet. Die Schulleitung wird gewählt.

Die Werkstattschule ist eine integrierte Gesamtschule in freier Trägerschaft mit gymnasialer Oberstufe, Grundschule und Kindergarten. Die Abschlussmöglichkeiten sind Berufsreife, Mittlere Reife und Abitur. Das Konzept verfolgt neben staatlichen Unterrichtsvorgaben verschiedene schulische Reformansätze. „Integrative Unterrichtsformen, Altersmischungen und Modelle für Individualisierung machen unseren ganzheitlichen Ansatz aus“, erklärt die pädagogische Leiterin Angela Eggers. Das wird schon in den 24 altersgemischten Stammgruppen deutlich, die sich immer aus zwei Klassenstufen zusammensetzen. Nach jedem Schuljahr wechsle dieses Verhältnis. Die jüngeren Schüler werden in der neuen Stammgruppe zu den älteren, sie verändern ihre Rolle und können neue Beziehungen suchen.

Zu den 540 Schülern der Werkstattschule gehören auch Kinder mit besonderen Bedürfnissen und höherem Förderbedarf. Ein 60-köpfiges Team aus Sonderpädagogen, Heilerziehern, einer Sozialpädagogin und Lehrern schafft die Bedingungen für gemeinsames Arbeiten. Die Pädagogen bereiten auch die „Werkstätten“ vor. Damit ist ein vierwöchiges Arbeitsformat gemeint, in dem der Rhythmus von Stammgruppen- und Kursunterricht unterbrochen wird. Die gemeinsame Arbeit an einem Thema steht für diesen Zeitraum im Vordergrund und wird fächerübergreifend durchgeführt. „Man bekommt ein viel besseres Gesamtbild des Werkstattthemas“, sagt Leo Hameister. Der 15-jährige Schüler arbeitet an der Schülerzeitung „Scorpion“, die kürzlich den zweiten Platz unter den besten Schülerzeitungen des Landes gewonnen hat. „Das freie Arbeiten gefällt mir hier sehr“, betont der Schüler. In den Werkstätten gehört Freiarbeit nämlich zum Unterricht. Die Materialien dazu werden von den Lehrern gemeinsam erarbeitet. Begleitende Aktionen wie Exkurse, Ausstellungen und Gastvorträge vertiefen ausgewählte Spezialgebiete.

Alle Klassenzimmer werden von den Schülern selbstständig gestaltet. „Sie reinigen die Räume auch eigenständig. Das schafft größere Identifikation mit der Schule und eine angenehme Atmosphäre“, erklärt der pädagogische Leiter Steffen Doberschütz. Im Zeichen des Wohlfühlens steht auch das Schuhwerk der Kinder: In den Unterrichtsräumen werden Hausschuhe getragen. Das gebe gerade den Kleineren ein heimisches Gefühl. Viele Arbeiten werden auch auf dem weichen Fußboden vorgenommen. Dass die Schüler der Werkstattschule häufig frei und selbstständig arbeiten, zeigt sich auch im Umgang mit der schuleigenen Bibliothek. Während bestimmter Arbeitszeiten darf sich dort Material gesucht und an den Bücherregalen frei bedient werden.

Kontakt: Pawlowstraße 16, Telefon 0381/4902920, E-Mail: info@werkstattschule-in-rostock.de

Infos: www.werkstattschule-in-rostock.de

Lea-Marie Kenzler

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