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Rostock Eine Seefahrt, die ist lustig – und stürmisch
Mecklenburg Rostock Eine Seefahrt, die ist lustig – und stürmisch
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00:00 13.08.2018
Stadthafen

Diese Ausfahrt der „Santa Barbara Anna“ zur Hanse Sail werden die Passagiere nicht so schnell vergessen. Meterhohe Wellen, starke Böen, Regen. „Wer das übersteht, ist wirklich seefest“, ruft Hagen Hüttig aus Satow gegen den Wind.

Die Leserfahrt der OZ wurde für rund 60 Passagiere zum Erlebnis. Durch starke Böen und meterhohe Wellen zeigte die „Santa Barbara Anna“, was sie kann.

Doch ganz von vorn: Am Sonnabend hat die OSTSEE-ZEITUNG zur großen Fahrt eingeladen. Tickets konnten sich OZ-Leser bei einem Gewinnspiel sichern. 14 Uhr geht es los. Schon vorher hat sich eine Schlange vor dem Schiff gebildet, das während der Hanse Sail unterhalb des Neptun-Centers liegt. Detlef Lange rät Freunden noch zur Vorsicht. „Selbst ich als ehemaliger Seemann finde das schwierig.

Auf der Warnow geht es noch, doch auf der Ostsee ist wirklich viel los. Vor Seekrankheit ist man nie gefeit.“ Und der Rostocker soll recht behalten. Rund 60 Passagiere gehen schließlich an Bord – bei schönstem Sonnenschein.

Die Taue werden gelöst. Das Schiffshorn ertönt, Anwohner gucken neugierig aus dem Fenster und winken. Einer läutet auf seinem Balkon eine große Glocke, um den Lesern eine gute Fahrt zu wünschen. Es brummt. Der Motor läuft, die Fahrt beginnt. Kaum hat der Toppsegelschoner losgemacht, beginnt der Regen. Noch können sich die Passagiere vor dem Nass schützen und stellen sich unter.

Auch Gerd und Helene Krüger aus Groß Schwansee haben sich ein trockenes Plätzchen gesucht. Für sie ist die Fahrt eine Premiere. „Wir sind schon mit einem Schiff gefahren, aber noch nie auf einem Segelschiff. Wir waren überhaupt noch nie auf der Hanse Sail“, sagt Helene Krüger. Ein bisschen aufgeregt sind sie schon. „Wir hoffen, dass es uns nicht schlecht geht.“

Nur wenige Meter weiter stehen Linhard Seib und sein Sohn Enrico Seib. Sie wollen hier verspätet den Herrentag nachholen. „Mit einem bisschen Wellengang macht es doch erst richtig Spaß“, sagt der Ribnitzer. Doch sein 36-jähriger Sohn aus Rostock ist unsicher. „Ich bin nicht so seefest. Das ist ja schon fast peinlich, das als Küstenkind zuzugeben“, sagt er und lächelt verlegen. Doch er möchte unbedingt die Stadt von einer anderen Seite sehen – von der Seeseite. Gemächlich schippert der Dreimaster auf der Warnow entlang, und die Stadt zieht vorbei. „Wir sind ein bisschen nass geworden, aber das Bier schmeckt schon“, sagt Enrico Seib nach kurzer Zeit. Auf Höhe Schmarl kommt dann sogar noch kurz die Sonne hervor. Schon sind die Fahrgäste wieder am Bug des Schiffs, um von der Reling Bilder vom Traditionsschiff „Dresden“ zu knipsen. Längst nicht der einzige Blickfang, denn auf dem Fluss ist zur Sail viel Verkehr. Große und kleine Kutter, Segler und sogar Paddelboote strömen der „Santa Barbara Anna“ entgegen, die Kurs auf ein dunkles Wolkengebiet hält.

Wieder fängt es an zu regnen – diesmal kräftiger. Die Passagiere drängen sich zu den noch trockenen Bänken. Da ist auch schon Warnemünde in Sicht. Auf Höhe der Molenköpfe ändert sich die Situation sofort. Die Ostsee ist unruhig. Wieder zieht ein kurzes und heftiges Regenfeld vorbei, erneut scheint kurz die Sonne. „Mensch, wechselt das Wetter schnell. Haben wir April oder was?“, fragt sich die Ribnitzerin Edeltraut Heusinger von Waldegge.

Die Nase des Schiffs geht auf und ab. „Schneller!“, „Höher!“, rufen zwei Leser. Es wird laut gelacht, während das Schiff die Wellen erklimmt. Doch die Jubelrufe werden schnell ruhiger. Stattdessen schreit man wie auf einer Achterbahn. „Ohne Wetter würde es doch keinen Spaß machen“, sagt Wolfgang Nagel aus Fienstorf. Plötzlich ist der Motor aus. Im Bauch des Schiffs hört man das Glucksen und Schwappen der See. Oben ruft Skipper Gerd Simonn dem Decksmann Jochen Reinert Anweisungen zu. Zwei Segel werden gehisst. Doch lange können sie sie nicht oben halten. Peitschend schlägt ein Segel aus und wird nach kurzer Zeit wieder eingeholt. Das Wetter spielt nicht mit. Starke Windböen bis Windstärke 7 sind zum Segeln nicht geeignet. Der Motor wird wieder angelassen.

Der Segler liegt sicher in den Wellen. Doch plötzlich und riesig zieht eine Dänemark-Fähre an dem Schiff vorbei. Die Welle lässt es zusätzlich hüpfen. Die Besatzung spricht von zwei bis zweieinhalb Meter hohen Wellen. Alles ist nass. Es tropft, schwappt, rauscht und schäumt. Das ist nicht für jeden etwas. Manchem Fahrgast schlägt das Auf und Ab auf den Magen. Mindestens vier können nicht an sich halten. Enrico Seib hat sich richtig eingeschätzt und hängt über der Reling. „Als Seemann bin ich wohl nicht geeignet“, sagt er auf der Rückfahrt in die ruhigere Warnow.

Die lässt dann auch nicht mehr lange auf sich warten. Skipper Simonn ordnet die Rückfahrt an. „Die heftigen Böen haben uns überrascht, da haben wir die Fahrt abgebrochen.“ So wurde aus der vierstündigen eine dreieinhalbstündige Fahrt – und ein volles Erlebnis.

Geschafft. Die „Santa Barbara Anna“ hat den sicheren Hafen erreicht – wieder bei Sonnenschein. Aus den Landratten sind „salzverkrustete Seebären“ geworden. Die geleisteten Seemeilen werden ihnen auch mit einer Urkunde bescheinigt. „Das Patent haben Sie sich alle redlich verdient“, sagt der Chefredakteur der OSTSEE-ZEITUNG, Andreas Ebel. Auch Helene Krüger ist geschafft, aber glücklich nach ihrer ersten Fahrt: „Da war wirklich von allem etwas dabei. Sonne, Sturm, Regen. Wir sind seefest. Aber das wird in Erinnerung bleiben.“

Sail-Chef feiert Jubiläum

Er ist das Gesicht des Segelfestes: Holger Bellgardt, Leiter des Hanse Sail-Büros, feierte in diesem Jahr Jubiläum. „Ich bin seit 20 Jahren bei der Sail“, sagt der 57-Jährige. 1998 hatte ihn Roland Methling – damals Sail-Chef und noch nicht Oberbürgermeister – zum Segelfest geholt. „Ich habe in Dresden Verkehrswesen studiert und danach als Transport-Technologe im Hafen gearbeitet. Doch den Großteil meines Arbeitslebens habe ich jetzt bei der Sail verbracht.“ Bereut habe er das nie, sagt Bellgardt: „Die Arbeit ist eine Lust, nur ganz selten eine Last.“ Das Schönste an seinem Beruf: „Wir arbeiten das ganze Jahr auf einen Zeitpunkt hinaus. Und wenn es so weit ist, sehen wir das Ergebnis – die Schiffe, die begeisterten Besucher, das Flair.“ Auch die Zusammenarbeit mit Städten, Schiffen und Partnern aus vielen Ländern sei für ihn einer der vielen Pluspunkte. „Dieser Austausch ist auch für mich persönlich eine Bereicherung.“

Bellgardt sagt, er schaue gerne auf die zwei Jahrzehnte zurück: „Ich habe hier ein ganz tolles Team.“ am

Entspanntes Fest auch für die Polizei

Vor zwei Jahren mussten die Einsatzkräfte noch mit Maschinenpistole auf Streife gehen. Doch das ist vorbei: Auch die mehr als 300 Polizisten erlebten eine Sail, die so friedlich wie lange nicht mehr war. „Alle Gäste sind entspannt. Das ist auch für uns total schön“, so Paula Zühlke. Die junge Beamtin aus Vorpommern hatte erst Ende Juli ihre Ausbildung beendet, ist jetzt in der neuen Einsatzhundertschaft in Anklam eingesetzt und musste gleich beim größten Fest des Landes ran. „Das ist meine erste Sail – und so wie in diesem Jahr kann es gerne weitergehen.“ am

Johanna Hegermann

Dieser Verbandsliga- Start macht Lust auf mehr. Am Freitag war ich beim Eröffnungsspiel zwischen dem MSV Pampow und dem TSV Bützow. In einer flotten Partie setzte sich der MSV verdient mit 2:0 durch.

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