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Rostock Eine Woche nach Dacheinsturz: Hinweise auf zu wenige Stützen
Mecklenburg Rostock Eine Woche nach Dacheinsturz: Hinweise auf zu wenige Stützen
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00:00 29.08.2018
So soll der neue Ferienwohnungskomplex aussehen: 124 Wohnungen in vier Gebäuden. GRAFIK: MUHSAL GMBH
Wustrow

Die Ursache des Dacheinsturzes an der ehemaligen Seefahrtsschule Wustrow vor einer Woche sind vermutlich nicht exakt befolgte Abrisssicherungsmaßnahmen. Das haben die Ermittlungen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) ergeben, wie ein Sprecher des Amtes am Dienstag sagte. Es bestehe der Verdacht, dass der Betondachstuhl nicht mit der vorgeschriebenen Anzahl an Stützen gesichert gewesen war. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Baugefährdung.

Einsatzkräfte am 21. August vor dem Gebäude der ehemaligen Seefahrtschule. Ein Teil des Dachstuhls war eingestürzt. Quelle: Foto: Anja Levien

Was war geschehen? Nach Beginn der Abrissarbeiten war am 21. August kurz nach Feierabend ein 20 Meter langes Dachstück mit großem Knall abgestürzt – kurz nachdem die Bauarbeiter die Baustelle verlassen hatten. Trotzdem gab es eine größere Suchaktion nach möglicherweise Verschütteten. Mehrere Feuerwehren waren am Dienstag vergangener Woche nach dem Alarm ausgerückt, um nach möglichen Verschütteten im denkmalgeschützten Hauptgebäude zu suchen. Erst später hatte sich herausgestellt, dass niemand mehr auf der Baustelle gewesen war. Das Rostocker Lagus verhängte in der Folge einen Baustopp für den gefährdeten Bereich des Haupthauses. „Zum Glück stand da keiner mehr drunter“, sagte Lagus-Direktor Heiko Will.

Die 1846 eröffnete Seefahrtsschule gilt als Wahrzeichen des Ostseebades. Sie wurde nach 1990 geschlossen, die Ausbildung der Seeoffiziere findet seitdem in Warnemünde und Wismar statt. Das Gebäude stand jahrelang leer und wird derzeit für 20 Millionen Euro von dem Warener Investor Fred Muhsal, der in Rostock auch den Horschen Hof saniert hat, zu Ferienappartements umgebaut. Der Komplex, in dem über Jahrzehnte Kapitäne und Seefahrtsoffiziere ausgebildet wurden, gilt als Wahrzeichen von Wustrow und sollte im Frühjahr 2020 mit neuer Funktion in Betrieb genommen werden.

Muhsal will in Wustrow 124 Wohnungen in vier Häusern schaffen. Dazu sollte das Ziegeldach des Haupthauses mit seltenem Betondachstuhl aus DDR-Zeiten – der erste, der in der DDR in dieser Art und Weise errichtet wurde – abgerissen und erneuert werden.

Das Landesamt hat den Baustopp gestern teilweise aufgehoben, damit der Einsturzschutt geräumt werden kann. Danach sollen Experten die Geschossdecken auf Stabilität kontrollieren. Nach Angaben der Kreisverwaltung Vorpommern-Rügen hatte der Investor die Erlaubnis, den Dachstuhl zu sanieren. Nach Angaben des Investors waren 40 Meter des Dachstuhls schon abgebaut, als der Einsturz passierte. Warum das Dach einstürzte, sei aber noch nicht vollständig klar. „Gott sei dank ist der Einsturz nach Arbeitsschluss passiert“, sagte auch Kreissprecher Olaf Manzke.

Sollte die Dachkonstruktion nun geändert werden müssen, wäre eine neue Genehmigung nötig. „Wir haben eine Expertin dorthin geschickt“, erklärte Lagus-Direktor Will. Zugleich wurde verfügt, dass sich niemand mehr unter dem Dach des Haupthauses aufhält. Vor dem weiteren Abriss des Dachstuhls des denkmalgeschützten Gebäudes werden Statiker nun auch die Tragfähigkeit der Gebäudeteile untersuchen, auf die die Betonstreben und Dachsteine gefallen sind. Laut Kreissprecher Olaf Manzke hat sich in die Untersuchungen auch der Arbeitsschutz eingeschaltet.

Laut Projektentwickler Gösta Falkenberg hat der Einsturz erst einmal keinen Einfluss auf den weiteren Baufortschritt. So werde man die Arbeiten bis zur Klärung des Vorfalls an den Neubauten des Komplexes weiterführen. Nach Freigabe der Unglücksstelle durch die Statiker, davon geht der Projektentwickler aus, werden nun erst einmal umfangreiche Aufräumarbeiten erfolgen. Auch nach deren Anschluss sollen weitere Untersuchungen zum Arbeitsschutz erfolgen, um Vorkehrungen treffen zu können, dass sich künftig ein ähnlicher Unfall nicht ereignen kann, versicherte Falkenberg.

Gebäude mit Geschichte

Die Großherzogliche Mecklenburgische Navigationsschule wurde im Jahr 1846 eröffnet. 1911 erfolgte ein Ausbau des Gebäudes. Der Turm für die Ausbildung zur astronomischen Navigation entstand 1917.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Seefahrtschule am 6. Mai 1949 wiedereröffnet und anschließend erweitert. Der Ostflügel mit einem Internat wurde 1953 gebaut. Von 1959 bis 1964 entstanden ein Lehrgebäude, eine Bibliothek und ein Planetarium. 1992 wurde die Schule geschlossen.

Timo Richter und Winfried Wagner

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