Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Einsatzkommando stürmt Rostocker Wohnung
Mecklenburg Rostock Einsatzkommando stürmt Rostocker Wohnung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 13.07.2013
SEK-Einsatz in der Warnowallee: Vermummte Polizisten kommen aus dem Haus, Frauen mit Kind sehen zu. Quelle: Stefan Tretropp
Lütten Klein

Großeinsatz der Polizei in der Nacht zu Freitag: Kurz vor 23 Uhr stoppen zwei Transporter vor einem der Hochhäuser in der Warnowallee. Schwer bewaffnete vermummte Polizisten hasten die Stufen hoch. Ziel des Spezialeinsatzkommandos (SEK) MV ist die Wohnung eines 30-Jährigen. Der soll illegal Schusswaffen besitzen und vor Dritten behauptet haben, damit Raubüberfälle verübt zu haben. Der Hinweis kommt aus der Bevölkerung.

Die Polizei reagiert prompt, plant den Einsatz in der Dienststelle in Lichtenhagen minutiös. „Wenn Waffen im Spiel sind oder vermutet werden, kommt das SEK zum Einsatz“, erklärt Polizeichef Michael Ebert. Der Zugriff erfolgt.

Der Mann, den die Beamten in der Wohnung antreffen, wird überwältigt. 3,12 Promille hat er im Blut, wie später festgestellt wird. Er wehrt sich nicht. Weil er sich nicht ausweisen kann, wird er festgenommen. „Zur Identitätsüberprüfung“, sagt Yvonne Hanske von der Polizeiinspektion. Mit Handschellen auf dem Rücken, freiem Oberkörper, in kurzen Hosen und Turnschuhen wird er durchs Treppenhaus auf die Straße zum Polizeiwagen geführt. Vier Mann an seiner Seite. Ein Schock für junge Eltern, die mit ihrem Nachwuchs Zeugen des Vorfalls werden.

Schutzbeamte durchsuchen parallel die Zimmer des Verdächtigen. „Waffen wurden nicht gefunden“, sagt Hanske. Doch die fehlenden Papiere bringen dem 30-Jährigen eine Nacht im Polizeigewahrsam ein.

Stunden später wird er in die Freiheit entlassen. Die Vorwürfe bestätigen sich nicht.

Dass der Einsatz notwendig und verhältnismäßig war, daran zweifelt Rechtsanwalt Peter-Michael Diestel nicht. Fraglich allerdings sei, ob ein Verdächtiger, bei dem es nur um die Feststellung der Identität gehe, halbnackt hätte abgeführt werden dürfen. „Ein Verstoß gegen die Menschenwürde“, befindet Diestel.

Stefan Tretropp/Katrin Starke

Anzeige