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Rostock Einsturzgefahr: DMR-Halle abgerissen
Mecklenburg Rostock Einsturzgefahr: DMR-Halle abgerissen
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00:02 01.12.2017
Bagger graben derzeit noch die Fundamente der alten Lokrichthalle aus, auf die 1951-56 die Halle 1 des DMR gesetzt wurde. Quelle: Foto: Axel Büssem
Südstadt

Am Ende wurde sie wohl nur noch durch die Dachpappe zusammengehalten: Die ehemalige Produktionshalle 1 der Dieselmotorenwerke Rostock (DMR) in der Südstadt ist abgerissen worden. Laut letztem Besitzer, Windradbauer Nordex, war die Gefahr zu groß, dass sich dort spielende Kinder hätten verletzen können. So ist ein weiteres Zeugnis Rostocker Industriegeschichte verschwunden.

Nordex hatte das Gelände, das an sein eigenes Firmenareal grenzt, vor knapp drei Jahren gekauft und damit auch die Halle. „Wir wollten uns damals die Fläche sichern, um dort einmal ein Logistiklager bauen zu können“, sagt Nordex-Sprecher Ralf Peters. Das hätte die Zahl der Transporte durch die Stadt und damit auch die Belastung für die Anwohner reduziert. „Wegen der unklaren Auftragslage wurde das Projekt aber zurückgestellt.“

Stattdessen gammelte die Halle jahrelang vor sich hin. Sie war wegen ihres maroden Zustands zwar abgesperrt, aber Kinder nutzten das Gelände als illegalen Abenteuerspielplatz. „Immer wieder wurde die Polizei gerufen“, sagt Peters. Der Abriss sei daher als Vorsichtsmaßnahme nötig gewesen.

Die Denkmalpflege stand dem Abriss nicht im Weg, obwohl Halle 1 im Jahr 2008 unter Denkmalschutz gestellt worden war. „Den Denkmalbehörden war damals schon bewusst, dass der Erhalt dieser riesigen Halle nicht einfach ist“, räumt Stadtkonservator Peter Writschan ein. Bevor Nordex die Fläche samt Gebäude übernahm war sie als Lager genutzt worden. Die Idee, sie zu einer Freizeiteinrichtung umzubauen, musste im Februar 2010 aufgegeben werden, als ein größerer Dachbereich unter der Schneelast zusammenbrach.

„ Die folgende intensive Untersuchung des hölzernen Dachtragwerkes, das Anfang der 50er Jahre gebaut worden war, zeigte, dass die Konstruktion aufgrund des damaligen Holzmangels sehr knapp bemessen war“, erklärt Writschan. „Im Laufe der Jahrzehnte wurden 20 Lagen Dachpappe aufgeklebt, die die Lastreserve der Konstruktion aufgezehrt hatten.“

Schneefall hätte der Halle 1 im Neuzustand wohl nichts anhaben können, sagt der Denkmalpfleger. „Die Halle war beheizt und das ungedämmte Dach konnte schnell abtauen.“ Die nach dem Teileinsturz erhaltenen Elemente des Dachtragwerkes wiesen starke Schäden und große Verformungen auf, so dass auch sie einsturzgefährdet waren. „Damit hätte die gesamte Dachkonstruktion, ein wesentliches Element des Denkmals, vollständig erneuert werden müssen.“ Da die historische Substanz aber ohnehin schon deutlich geschrumpft war und der Aufwand unverhältnismäßig gewesen wäre, stimmten die Denkmalbehörden nach intensiver Prüfung und Abwägung bereits 2014 dem Abbruch der Halle zu. Für Writschan ist der Abbruch dennoch bedauerlich: „Die Halle war ein Zeitzeugnis für die Ära der Demontage durch die Sowjetunion in ihrer Besatzungszone und auch für den anschließenden Wiederaufbau in der DDR.“ An der Stelle hatte früher die Lokrichthalle des Reichsbahnausbesserungswerks gestanden. Diese wurde 1947 von den Sowjets weitgehend demontiert. Auf ihren Fundamenten wurde dann 1951 bis 1956 die neue Halle 1 errichtet.

Wie es nun mit der Fläche weitergeht, ist laut Nordex-Sprecher Peters offen: „Wenn wir das ursprünglich dort vorgesehene Lager auch in den nächsten Jahren nicht brauchen, ist angesichts der steigenden Immobilienpreise auch ein Verkauf denkbar.“

Und Geld kann Nordex derzeit offenbar gut gebrauchen: Im September hatte das Unternehmen wegen des geringen Auftragsbestands ein drastisches Kostensenkungsprogramm über 45 Millionen Euro angekündigt.

Noch dieses Jahr sollen bis zu 500 Jobs gestrichen werden, darunter auch zahlreiche der 1300 in Rostock. Wie viele es am Ende werden, stehe noch nicht fest, sagt Peters. Im September hatte es geheißen, es würden in der Hansestadt Arbeitsplätze „im oberen zweistelligen Bereich, aber unter 100“, gestrichen.

Bewegte Industriegeschichte

Im 1947 gegründeten Dieselmotorenwerk Rostock (DMR) wurden vor allem Antriebe für den DDR-Schiffbau gefertigt. Daneben wurden auch Konsumgüter wie Kaffeemaschinen oder Autositze produziert. Nach der Wende übernahm der Bremer Vulkan den Betrieb. Nach dessen Pleite 1996 gingen Teile des Unternehmens 1999 an Caterpillar, zudem bildete sich eine DMR-Produktionsgesellschaft, die jedoch 2013 in Insolvenz ging. Daraufhin übernahm Nordex einen Teil der Fläche und damit auch die ehemalige Produktionshalle 1.

Axel Büssem

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