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Rostock Ende einer großen Angst: Leo liebt Hunde — nach Therapie
Mecklenburg Rostock Ende einer großen Angst: Leo liebt Hunde — nach Therapie
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00:00 07.03.2013
Ohne Angst durchs Wohngebiet: Leonard führt Tiffy aus. Mutter Nadine hat sich des größeren Hundes angenommen. Quelle: Michael Schißler
Neu Broderstorf

“ Aber nicht nur, dass er die Hundesprache spricht — „die sagen wau“. Hunde sind mittlerweile auf dem Weg dazu, seine Freunde zu werden. Dank einer Therapeutin.

Das erleichtert vor allem das Leben seiner Mutter Nadine Havenstein-Engel (37). Ungefähr zweieinhalb Jahre war Leonard alt, als die Familie aus einem Stuttgarter nahezu hundefreien Stadtteil nach Neu Broderstorf zog. Mit Hunden hatte der Kleine gar keinen Kontakt gehabt. „Ich war ja mit Leo fast nur im Kinderwagen unterwegs“, erzählt sie. Bis es einmal zur schicksalhaften Begegnung zwischen Hund und Kind kam. „Da standen sich plötzlich ein Schnauzer-Mix und er Auge in Auge gegenüber“, erinnert sich Nadine Havenstein-Engel — und Leo saß die Angst vor Hunden dauerhaft im Nacken. „Das war schon eine Belastung“, sagt die Mutter, die auf die Schnelle in der Nachbarschaft zehn Hunde in dem Neubaugebiet aufzählen kann. Das ist kein Wunder. „Wir haben im Amt Carbäk 1150 Hunde, davon sind 320 allein in der Gemeinde Broderstorf beheimatet“, bestätigte gestern Amtsleiterin Simone Narajek (37), „aber es ist ja auch eine große Gemeinde.“

Für Nadine Havenstein-Engel allerdings bedeutete die Hundedichte eine Einschränkung ihres Bewegungsraums: „Wenn viele Nachbarn Hunde haben, kann man nirgendwo hingehen, schließlich kann man einen Vierjährigen nicht allein lassen.“ Und eins wollte die Neu Broderstorferin auch nicht: Konflikte mit den Nachbarn. „Ich bin selbst mit Hunden aufgewachsen, ich mag sie, also mussten wir etwas mit Leonard unternehmen.“ Rat kam von Leos Kindertagesstätte Kinderland in Broderstorf. Sie verwies Mutter und Sohn an Alessa Knoop-Lübke in Reppelin. Die 41-Jährige versucht, Konflikte zwischen Menschen und Tieren mit Körpersprache zu lösen und jedem in dieser Beziehung den entsprechenden Platz zuzuweisen.

„Die Aufgabe, Leo die Angst vor Hunden zu nehmen, war eine Herausforderung für mich“, sagt die Reppelinerin: „Denn sie war ziemlich extrem.“ Auch Mutter Nadine bestätigt: „Da kam richtig die Angststarre, wenn er Hunde sah.“

„Ich konnte mit ihm in Bilderbücher schauen und über alle Tiere sprechen“, sagt Alessa Knoop-Lübke, „über Hühner, Hasen, Katzen — nur über Hunde nicht.“ Entsprechend aufwendig war das Programm, dem kleinen Mann die Angst zu nehmen. „Zuerst bin ich mit meinem Hund gar nicht auf den Hof gekommen, ich stand fast auf dem Bürgersteig.“ Schließlich aber braucht man einen Hund, um einem Kind die Angst davor zu nehmen. „Deswegen entwickelten wir einen Sicherheitskatalog“, sagt Knoop-Lübke, ihren Hund „Daria“ habe sie zunächst in ein Laufgitter gesteckt. „Dann habe ich ihn angeschaut und gestreichelt“, erzählt Leos Mama. Es klappte, der Junge ging auf den Hund zu. „Bewahrt hat er sich eine Vorsicht, aber Angst hat er keine mehr“, sagt die Mutter. Jetzt greift Leonard gar zum Leihhund, mit der Mutter führt er einen kleinen Hund namens „Tiffy“ aus, Mama nimmt die größere „Kimba“ an die Leine, beide Hunde gehören dem Nachbarn.

Die Freude ist nicht nur im Hause Havenstein-Engel groß. Auch Hartmut Klawitter vom Ordnungsamt des Amts Carbäk freut sich: „Das ist einmal ein schönes Beispiel, wie man das Konfliktpoten- zial zwischen Tier und Mensch entschärfen kann“, sagt der 61-Jährige erfreut, der über Hundeärger aller Art in Neubaugebieten viel berichten kann. Leonard dürfte ihn als Gassi-Geher wenig sorgen: „Auf dem Spielplatz dürfen Hunde nicht in den Sand, nur dahin, wo die Menschen sind.“

Körpersprache löst Konflikte
Konflikte zwischen Hunden und Menschen gibt es immer wieder, sie belasten das Zusammenleben von Hundeliebhabern und -hassern. Kinder, Jogger, Radfahrer, Erwachsene und Senioren — sie alle haben gute und schlechte Erfahrungen mit Hunden gemacht. Die weniger guten erwachsen aus Unsicherheiten und aus Angst. Alessa Knoop-Lübke von „Mensch & Tier gemeinsam“ bietet für den kommenden Sonnabend, 9. März, einen Info-Tag dazu an. Von 10 bis 16 Uhr können sich Menschen, die sich vor Hunden fürchten, darüber aufklären lassen, wie man mit den Grundkenntnissen der Körpersprache Gefahren aus dem Weg geht oder gar Begegnungen sicher gestalten kann. Der Info-Tag findet im Sanitzer Ortsteil Reppelin, Sanitzer Straße 19, statt. Weitere Auskünfte dazu gibt es unter ☎ 0173/61 72 774.

Michael Schißler

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