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Rostock Erinnerungen an den schönen, einfachen Ost-Computer
Mecklenburg Rostock Erinnerungen an den schönen, einfachen Ost-Computer
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00:00 02.09.2013
Auch nach vielen Jahren noch ein eingeschworenes Team: die ehemaligen Robotron-Mitarbeiter aus Rostock. Fotos (4): Tanja Bodendorf
Bentwisch

Eine gemütliche Herrenrunde: Etwa 50 Männer gehobenen Alters sind im Sportforum des FSV Bentwisch versammelt und stoßen miteinander an. Nebenan in der großen Halle turnen junge Sportler bei den Kreisjugendmeisterschaften. Ein komischer Kontrast. „Wissen Sie, früher sind mehr Leute hergekommen“, sagt der 72-jährige Eberhard Buske. „Aber viele von uns haben heutzutage so ihre Wehwehchen und bleiben lieber zu Hause.“ Was die Senioren eint, ist die Liebe zum inzwischen ausgestorbenen DDR-Computer.

Bis kurz nach der Wende war Buske Werkstattleiter bei Robotron in Rostock. Neben einer Niederlassung in Neubrandenburg war hier der technische Kundendienst für den Norden stationiert. Insgesamt 300 Mitarbeiter waren in beiden Bezirken beschäftigt. Anfang der 90er Jahre musste das Unternehmen dichtmachen: zu hohe Kosten und eine technisch vergleichsweise rückständige Produktion. Seit 1993 trommelt Buske in jedem Jahr die alten Kollegen zusammen. „Die Resonanz ist immer noch beachtlich“, sagt er. „Wir sind eine große Robotron-Familie.“

Zu dieser zählt auch Karl-Heinz Weber (74). „Im Alter wird man ja doch nostalgisch und schaut zurück“, sagt er. „Das verklärt zwar manches, aber insgesamt kann ich sagen, das war eine schöne, einfache Zeit.“ Wer nicht geklaut habe, musste keine Angst um seinen Job haben: „Diesen unglaublichen Druck, unter dem viele junge Leute heute stehen, den gab es damals nicht.“ Man habe sich aber auch mit weniger zufrieden gegeben, meint Weber: „Mängel gab es natürlich.“ 1964 war er bei einer Vorgängerfirma von Robotron gestartet und dem Unternehmen bis 1990 treu geblieben. Gemeinsam mit rund 30 Prozent seiner alten Kollegen gründete er danach ein eigenes Unternehmen mit dem Namen „Büro- und Informationstechnik“, wo er bis 2003 Geschäftsführer war. „Dafür haben wir unsere Techniker zu Geschäftsleuten umgeschult“, erinnert er sich. „Das haben damals viele so gemacht.“ Weber sieht dies als Zeichen für eine gute Ausbildung bei Robotron. „Unsere Firma gibt es heute aber auch nicht mehr.“

Unter den ehemaligen Robotron-Kollegen befindet sich ein bekannter Name: Rolf Eggert (68), ehemaliger Wirtschaftsminister in Schwerin. Zehn Jahre arbeitete er bei Robotron. „Ich war Gruppenleiter für den technischen Kundendienst“, sagt er. „Danach hat es mich an die Uni und später in die Politik verschlagen.“ An die Zeit bei Robotron erinnert Eggert sich immer noch gern: „Das hat wirklich Spaß gemacht.“

Heute lassen sich in Rostock kaum noch Spuren von Robotron finden. „Ende April war ich mal wieder im Krischanweg, unserem alten Firmen-Sitz“, sagt Karl-Heinz Weber. „Wo früher unsere Büros standen, hat man ein neues Wohngebiet errichtet.“ Von Robotron sei nichts mehr zu sehen. Fast nichts: „Ein Überbleisel habe ich entdecken können: drei japanische Kirschbäume.“

DDR-Kombinat
Robotron war der größte Hersteller von Datenverarbeitungsmaschinen in der DDR. 1989 zählte das Kombinat rund 68 000 Beschäftigte.


1969 gegründet, wurden im gesamten Land mehrere Robotron-Teilbetriebe und -Servicebüros aufgebaut.

Tanja Bodendorf

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