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Rostock Rostocker Volkstheater muss Latchinian hohe Abfindung zahlen
Mecklenburg Rostock Rostocker Volkstheater muss Latchinian hohe Abfindung zahlen
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16:34 03.12.2018
Der am Volkstheater Rostock entlassene Intendant Sewan Latchinian (Archivfoto) Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Rostock/Karlsruhe

Dieses Urteil verspricht für die Hansestadt Rostock teuer zu werden. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hatte vergangene Woche entschieden, keine Revision gegen das Landgerichtsurteil zur Kündigung des Volkstheater-Intendanten Sewan Latchinian zuzulassen. Diese Kündigung hatte die Volkstheater Rostock GmbH nach monatelangen Querelen und heftigem, meist in der Öffentlichkeit ausgetragenen Streit im Juni 2016 ausgesprochen. Latchinian war unter anderem ein Verstoß gegen die Verschwiegenheitspflicht und öffentliche Kritik an der geplanten Umstrukturierung des Theaters vorgeworfen worden.

Das Landgericht Rostock hatte im Dezember 2016 die Kündigung als unwirksam angesehen. Öffentliche Äußerungen seien vom Grundrecht auf Meinungs- und Kunstfreiheit gedeckt, der Verstoß gegen die Verschwiegenheitspflicht rechtfertige die Kündigung nicht. Wie zuvor das Oberlandesgericht sah der BGH nun in dem Fall keine grundsätzliche Bedeutung für die bundesweite Rechtssprechung und ließ die Revision nicht zu. Das heißt nicht, dass Latchinian wieder seine Stelle im Theater antreten kann – es geht um eine Abfindung. Der BGH setzte den Streitwert auf 288 000 Euro, was gleichzeitig der Abfindungshöhe entsprechen könnte.

Stadt hätte Abfindung deutlich günstiger haben können

In einer persönlichen Stellungnahme sagte Sybille Bachmann vom Rostocker Bund und gleichzeitig Theater-Aufsichtsratsvorsitzende, dass der gesamte Vorgang bedauerlich sei. „Diese Entscheidung war zu erwarten.“ Es sei von der Stadt Rostock als Gesellschafterin unklug gewesen, im Februar 2016 den Vorschlag vom Rostocker Bund, eine Abfindung in Höhe von 150 000 Euro zu zahlen, nicht anzunehmen. „Das fällt der Stadt nun auf die Füße.“

Latchinian hatte in seiner gesamten Amtszeit, die 2014 begann, gegen die von der Landesregierung damals angestrebte Theaterreform und der damit einhergehenden Spartenstreichung in Rostock gekämpft. Im März 2015 verglich er die Theaterpolitik Mecklenburg-Vorpommerns mit den Zerstörungen der Terrormiliz IS, was letztlich zur ersten Kündigung führte. Die wurde zurückgezogen, doch die folgenden Monate waren weiter von teils heftigen Streitereien geprägt. Bis dann im Juni 2016 die zweite Kündigung erfolgte, die vom Landgericht kassiert wurde.

Ex-Intendant äußert sich

Bachmann fiel es schwer, die richterlichen Entscheidungen zu akzeptieren. „Es ist nicht nachvollziehbar, wenn sich ein Geschäftsführer zu Lasten eines Unternehmens verhält, bis hin zu dessen Gefährdung, und dies keine Konsequenzen haben soll.“ Latchinian selbst zeigte sich versöhnlich: „Mit dem Urteil wird nun auch juristisch die Richtigkeit meiner Haltung bestätigt, dass das Vier-Sparten-Theater Rostock erhaltenswert und erhaltbar ist.“

Nach seinen Angaben hatte er seit er Rostock verlassen hatte, mehrere Lehraufträge an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Demnächst beginne eine Inszenierung an den Hamburger Kammerspielen. „Zudem habe ich meinen Roman, den ich dachte, erst in der Rente schreiben zu können, fast fertig.“ Ein 500-seitiges Werk, eine Jahrhundert-Analyse, „die Rostocker Kämpfe zwischen Barbarei und Kultur kommen dort auch vor.“ Das Buch werde er im Frühjahr beenden.

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Joachim Mangler / dpa