Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Experte für Bier und Bücher Henry Gidom erweitert in der Fritz-Reuter- Straße seine Brauerei Hoppen un Molt
Mecklenburg Rostock Experte für Bier und Bücher Henry Gidom erweitert in der Fritz-Reuter- Straße seine Brauerei Hoppen un Molt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:42 04.02.2017
Henry Gidom baut seine Craftbeer-Brauerei in der Fritz-Reuter-Straße auf. Dieser Sudkessel wird von einem größeren ersetzt. Er will mit kleineren Mengen starten und dann dieProduktionsmenge langsamen erhöhen.
Warnemünde

Wer im Geschäft „Genusswelt“ nach einem Warnemünder Bier fragt, wird von Daniela Rakowski prompt bedient. Sie reicht dem Kunden eine Flasche „Hoppen un Molt“.

Wer im Geschäft „Genusswelt“ nach einem Warnemünder Bier fragt, wird von Daniela Rakowski prompt bedient. Sie reicht dem Kunden eine Flasche „Hoppen un Molt“.

„Mittlerweile gibt es für dieses Bier schon eine Stammkundschaft“, sagt die Verkäuferin, „das sind Einheimische, und bei den Touristen ist es als Mitbringsel beliebt.“ Ihr selbst schmeckt das Warnemünder Bier auch.

Damit bestätigt Daniela Rakowski, dass Henry Gidom auf dem richtigen Weg ist. „Hoppen und Molt“ kommt aus seiner Handwerksbrauerei – und die soll nun erweitert werden. Räume hat Gidom in der Fritz-Reuter-Straße angemietet – und dort wartet der Mann, der neuen Geschmack ins Bier bringen will und schon gebracht hat, auf seinen neuen, größeren Braukessel.

„Das alles wird ein Halbtagsjob sein“, sagt Gidom, der bei einem Rostocker Verlag gerade seine Arbeitszeit als Lektor halbiert hat, um aus seinem früheren Hobby eine Existenz aufzubauen – gemeinsam mit seiner Frau Sylvia Joeck.

Als Brauer ist Gidom aus der Unterwelt hervorgegangen. „Brauereigeschichte ist ein Teil der Unterwelt“, sagt der 39-Jährige, der Verlagskaufmann gelernt und Politikwissenschaften und Geschichte studiert hat. Über eine Mitarbeit bei dem Verein Berliner Unterwelten, der sich mit Bunkern befasst, geriet er an die Braukeller und verfasste eine Dokumentation über alle Berliner Brauorte. Dabei stellte Gidom fest: „Berlin war mit Abstand der größte Brauort Europas im 19. Jahrhundert.“

Das aber ist lange her, Biergeschmack wurde standardisiert, die Zahl der Brauereien hat sich reduziert. Dem will Gidom, wie schon andere Craftbrauer, nun etwas entgegensetzen. Geübt hat er für seine neue Aufgabe schon einige Zeit. „Zuerst habe ich in der Küche gebraut“, erzählt er und die Dämpfe über Alu-Schläuche aus dem Fenster geleitet.“ Als ersten Kunden gewann Henry Gidom die Gaststätte Klönstuv, dessen Inhaber dem Craftbeer-Produzenten zusicherte, sein Warnemünder Bier zu verkaufen, wenn er denn ein gutes habe. Das hatte der Mann, der ebenso über sein Bier wie über Bücher sprechen kann.

Allerdings war es dann mit dem wilden Brauer-Dasein vorbei. „Jeder Deutsche darf nur 200 Liter Bier im Jahr brauen“, sagt Gidom, der sich dann mit Verwaltungsfragen befassen musste:

„Gewerbeanmeldung, Finanzamt, Zoll.“ Zeitweilig hatte Gidom seine Betriebsstätte in das Technologiezentrum in Warnemünde verlegt, aber der Platz reichte alsbald nicht mehr, zumal er für sich feststellte: „Ich kann es.“ Und das in Handwerksmengen: Im Jahr 2015 braute Gidom 900 Liter, 2100 Liter waren es im Jahr darauf. Nun will der Kleinbrauer vom 100-Liter-Kesel auf einen 500-Liter-Kessel umsteigen, „und die Produktion hochfahren. Ich fange so mit 200 Liter an.“ Die Investitionssumme schätzt er „irgendwo zwischen 40000 und 50000 Euro“.

Anschaffen will Gidom nämlich noch neue Tanks, Pumpen und Schläuche. Zwei Paletten mit Flaschen stehen im Vorraum der kleinen Brauerei und „für 500 Euro habe ich Hopfen eingekauft“. Nun freut sich Gidom auf die Arbeit in seiner Brauerei nach bayerischem Vorbild – mit Hausverkauf.

„Davon bin ich ganz begeistert“, sagte Dietmar Vogel, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins. „Ein solches Bier mit einem besonderen Geschmack hat Chancen und kann Werbung für uns sein.“

Dietmar Vogel hätte nichts dagegen den Craft-Brauer aus Warnemünde in seinem Verein zu begrüßen.

Neues Zeitalter

Mit „Hoppen un Molt“ beginnt ein neues Zeitalter in Warnemünde. Henry Gidom ist der erste Bürger im Seebad, der hier professionell sein Bier braut. Das hat gestern Professor Horst D. Schulz vom Museumsverein Warnemünde festgestellt. Schulz konnte anhand seiner Unterlagen auch feststellen, dass die Warnemünder „in erster Linie Rostocker Lagerbier, Weiß- und Braunbier tranken“. Aber es wurde nicht nur eine Ortschaft weiter Bier eingekauft. Den Warnemündern stand auch der Sinn nach Bieren aus München und aus Erlangen – Regionen mit großer Brautradition. Selbst die bevorzugten Biermarken kann Horst D. Schulz heute noch feststellen. „Das waren Hansa-Bräu“, sagte er, „und die beiden Marken Augustiner und Tucher, außerdem Berliner Bier.“ Die neue Brauerei zieht auch die Aufmerksamkeit des Museumsvereins auf sich: „Ich freue mich darauf, das Bier aus Warnemünde bald einmal zu probieren“, sagt Professor Schulz.

Michael Schißler

Mehr zum Thema

Regisseur Andreas Dresen (53) und Schauspieler Justus von Dohnányi (56) über den Kinofilm „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“

31.01.2017

Einer der profiliertesten deutschen Medienmanager führt seit einigen Monaten den Verband der Zeitungsverleger. Springer-Chef Mathias Döpfner mahnt die Medien, mehr auf ihre Glaubwürdigkeit zu achten - auch im Kampf gegen „Fake News“.

01.02.2017

75 Prozent der Umfrage-Teilnehmer sprechen sich für Ernst Moritz Arndt als Patron der Uni aus

03.02.2017

Gesamtschule bietet technische und naturwissenschaftliche Projekte an / Im Land gibt es sieben Mint-Schulen

02.03.2018

Dänische Familie Petersen hat Gewerbepark im Tannenweg ausgebaut / Charme der Immobilien wird erhalten / Auch drittes Speicherhaus soll Bürokomplex werden

29.01.2018

In der Kleingartenanlage „Mooskuhle“ bewirtschaften Mädchen und Jungen der Jenaplanschule wöchentlich einen Schulgarten / Hilfe von den „alten“ Nachbarn

02.03.2018