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Rostock Falle Fahrstuhl: Die Bahn lässt Reisende hängen
Mecklenburg Rostock Falle Fahrstuhl: Die Bahn lässt Reisende hängen
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04:07 03.09.2013
Annamarie Baumann (79) traut sich nicht mehr, den Aufzug am Südeingang des Rostocker Hauptbahnhofes zu benutzen. Fotos (5): Karsten Wilke
Südstadt

Seit Monaten wird der Fahrstuhl am Südeingang des Rostocker Hauptbahnhofes immer wieder zur Falle für Reisende. Minutenlang bleiben diese in dem gläsernen Aufzug stecken.

Die Deutsche Bahn (DB) kennt das Problem, unternimmt jedoch nichts.

Es ist wohl der Alptraum eines jeden, der in einen Lift steigt. Nach dem Anfahren gibt es einen Ruck, und dann bewegt sich der Aufzug nicht mehr. So erging es vor wenigen Tagen auch Annamarie Baumann. Die 79-jährige gehbehinderte Frau kam von einem Arzttermin. „Der Aufzug ist einfach stecken geblieben. Ich hatte Angst“, erzählt die Rentnerin. Auch ihre Mitbewohnerin in einem Seniorenwohnprojekt gegenüber dem Bahnhof kennt das Problem. „Bei anderen eingeschlossenen Fahrgästen fährt der Aufzug auch noch stetig auf und ab“, berichtet Gerda Bauer (85). „Wir trauen uns einfach nicht mehr, ihn zu benutzen. Das Problem ist, dass viele wegen ihrer Gehbehinderungen nicht die Treppe rauf- und runterkommen. Personal ist auch keines da, das helfen würde. Auch nicht wenn der Fahrstuhl mal ganz außer Betrieb ist“, sagt Bauer wütend. „Ich habe neulich mal meinen Mut zusammengenommen und wollte wieder fahren. Aber als ich am Fahrstuhl ankam, war just eine andere Frau bereits steckengeblieben“, berichtet Baumann. Ihre Beschwerden bei der Bahn hätten bisher nicht zu einer Lösung des Problems geführt.

Im Verkehrsunternehmen ist das Fahrstuhlproblem bekannt. Bereits Ende Dezember 2012 berichtete die OSTSEE-ZEITUNG von herzkranken Reisenden, die 40 Minuten im Lift stecken geblieben waren. Damals versprach Bahnsprecher Gisbert Gahler eine Lösung. „Im ersten Halbjahr 2013 wird der Aufzug in jedem Fall ausgewechselt“, sagte er. Seitdem ist nichts passiert. Stattdessen werden Bahnkunden sich erneut gedulden müssen. „Ziel ist, den Aufzug im März nächstes Jahr zu ersetzen“, erklärt Gahler auf erneute Nachfrage durch die OZ. Eine Begründung gibt es nicht. Der Aufzug sei zehn Jahre alt und überbeansprucht. Selbstverständlich versuche das DB-Personal zu helfen, so Gahler: „Servicepersonal ist am Hauptbahnhof von 6 bis 22.30 Uhr am Ort. Dieses steht den Fahrgästen bei Fragen und Problemen zur Verfügung. Sollte eine größere Störung am Aufzug vorliegen, wird umgehend ein Techniker alarmiert.“ Zudem würden Fahrgäste über eine Sprechverbindung betreut, so Gahler. Was nach 22.30 Uhr passiert, dazu äußert er sich nicht.

Falle Fahrstuhl: Geregelt sei, dass binnen 30 Minuten Hilfe anrückt. Techniker seien im Stadtgebiet aber nur in den Kernarbeitszeiten am Ort. Wenn ein gesundheitlicher Notfall eintrete und abzusehen sei, dass kein Techniker zeitnah eintreffen könne, alarmiere die Bahn die Feuerwehr.

Zu eventuell verpassten Zuganschlüssen oder anderweitigen Terminen schlägt Gahler folgendes Vorgehen vor: „Die Fahrgäste werden über die nächstmögliche Reisemöglichkeit informiert. Zuggebundene Fahrkarten werden umgeschrieben. Wer die Abfahrt seines Kreuzfahrtschiffes verpasst, könne sich an den Kundendialog beziehungsweise an das Team Fahrgastrechte wenden“, erklärt er.

Beim Fahrgastverband „Pro Bahn“ stößt der kaputte Aufzug auf kein Verständnis. „Das ist ein Missstand, der so schnell wie möglich zu beheben ist. Rostock ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und da geht so etwas natürlich nicht“, sagt der Landesvorsitzende Marcel Drews. Über die Ursachen lasse sich nur mutmaßen.

Karsten Wilke

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