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Rostock Feuerwehr stellt Löschkübel vor die Tür
Mecklenburg Rostock Feuerwehr stellt Löschkübel vor die Tür
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00:00 06.05.2017
Julia Rudolph, Tom Schwanbeck und Tom Volkmann von der FFW Lambrechtshagen verteilen Loschkübel in den Dörfern. Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Ein kleines rotes Eimerchen mit der Aufschrift „Haushalts-Löschkübel“ finden die Einwohner von Allershagen, Lambrechtshagen und Sievershagen heute morgen vor ihren Haustüren. In jedem der 1000 Fünf-Liter-Eimer steckt ein Informationsblatt zur Aktion. Das „Verhalten im Brandfall“ wird mit einer Portion Humor beschrieben: 1. Brand melden. 2. Zehn Minuten abwarten, in der Hoffnung dass die Feuerwehr kommt. 3. Keine Feuerwehr vor Ort, dann Löschkübel befüllen. 4. Bei großem Feuer mit Nachbarn Kübelkette bilden.

Mit Humor werben Lambrechtshäger Kameraden um neue Aktive / Einsatzbereitschaft gefährdet

Mit einem gewissen Witz soll dieses „Geschenk“ auf die Nöte der Freiwilligen Feuerwehr in der Gemeinde aufmerksam machen und auf die Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit hinweisen. „Wir suchen dringend aktive Mitglieder“, sagt Wehrführer Sebastian Rusik, „sonst kann unsere Feuerwehr bald nicht mehr helfen.“

24 Aktive, darunter drei Frauen, zählt die Lambrechtshäger Wehr derzeit. Genau so viele sind nötig, um in Zugstärke mit Tanklösch-, Löschgruppenfahrzeug und Einsatzleitwagen auszurücken. „Aber viele unserer Kameraden sind auswärts tätig, wohnen zum Teil nicht mehr in der Gemeinde und sind daher nicht immer am Start, wenn der Pieper ruft“, verdeutlicht Rusik. Die doppelte Anzahl von Kameraden wäre der Idealfall. „Wenn wir drei bis fünf neue Mitglieder finden, freuen wir uns, zehn wäre ein Megaerfolg“, sagt der Oberbrandmeister.

165 Freiwillige Feuerwehren gibt es im Landkreis mit 4100 aktiven Mitgliedern. „Das Einsatzspektrum wandelt sich“, sagt Mayk Tessin, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Rostock. Neben der Löschung von Bränden aller Art würden die Wehren immer öfter zu technischen Hilfeleistungen gerufen. „Zu Verkehrsunfällen, bei Wetterphänomenen, Hochwasser oder zur Bergung auf der Straße liegender Bäume“, erläutert Tessin. Über die Jugendfeuerwehren würden sich viele Freiwillige Feuerwehren ihren Nachwuchs heranziehen. „Aber das reicht nicht“, betont Tessin, „wir können jeden gebrauchen, der sich dem Feuerwehrdienst verschreiben möchte.“ Die Aktion der Lambrechtshäger unterstützt der Verbandsvorstand. „Vielleicht kommt da mancher ins Grübeln und versteht, wenn man sich nicht selbst hilft, kommt irgendwann keiner mehr“, sagt Tessin.

Der Brandschutz in Deutschland wird hauptsächlich durch freiwillige Kräfte gesichert. Von über 2000 Städten haben gerademal 100 Berufsfeuerwehren. „Das heißt 96 Prozent aller Feuerwehrleute bundesweit sind Freiwillige, oder anders: rund 70 Prozent der Bevölkerung werden im Brandschutz von Ehrenamtlern betreut“, klärt Wehrführer Rusik auf.

Dennoch: Alle Werbeaktionen seiner Stützpunktfeuerwehr in Lambrechtshagen verliefen bisher ins Leere. „Wir haben Flyer gedruckt und verteilt, monatelang mit einem Banner an der Straße um neue Mitglieder geworben, doch das Interesse blieb aus“, berichtet Rusik. Mit dieser ungewöhnlichen Eimer-Aktion wollen die Helfer nun die Dorfbewohner wachrütteln und zu einem informativen Übungsabend einladen.

Am Freitag, dem 19. Mai, um 19 Uhr können interessierte Einwohner im Gerätehaus hinter die Kulissen schauen und mehr über die Arbeit der Freiwilligen erfahren. „Wir wollen den Leuten die Angst nehmen, dass sie in diesem Ehrenamt zuviel Zeit ans Bein binden müssen“, sagt Rusik. 14-tägig treffen sich die Kameraden zu Ausbildung und Training. „Dazu kommen im Schnitt 15 Einsätze pro Jahr – vom Mülltonnenbrand bis zur Menschenrettung beim Unfall“, erklärt der 37-Jährige, der seit 1996 in der Feuerwehr aktiv ist. Technisch ist die Gemeindewehr auf dem neuesten Stand.

„Wir unterstützen die Kameraden natürlich in der technischen Ausrüstung“, betont Bürgermeister Holger Kutschke. Er lobt die Kinder- und Jugendarbeit der Freiwilligen Feuerwehr. 75 Prozent der aktiven Mitglieder sind aus der Jugendfeuerwehr gekommen. Wie Julia Rudolph, seit 16 Jahren dabei. Die Mediengestalterin arbeitet in Rostock und hat den Einsatz-Pieper immer am Mann. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn man helfen kann“, beschreibt die 27-Jährige ihre Motivation. Sie hofft, dass mit der „coolen“ Löschkübel-Aktion auch bei anderen Männern und Frauen dieses Gefühl ausgelöst werden kann.

So schnappt sie sich einen Eimerstapel und verteilt die Geschenke.

Doris Kesselring

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