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Forschen für Forellen ohne Häuflein

Stadtmitte Forschen für Forellen ohne Häuflein

Das Land und die Europäische Union fördern ein Pilotprojekt der Uni Rostock. Wichtige Akteure: Muscheln und Algen.

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Forelle im Sprung: Die Uni Rostock erforscht die Haltung der Tiere in der Ostsee.

Quelle: Fotolia

Stadtmitte. Das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Europäische Union stellen der Universität Rostock 1,4 Millionen Euro für ein Forschungsprojekt zur Verfügung. Inhalt: Die Experten sollen Ausscheidungen von Forellen in der Ostsee umweltverträglicher machen — mit Hilfe von Muscheln und Algen. „Über diese Förderung freuen wir uns sehr. Sie stärkt einen wichtigen Forschungsschwerpunkt der Agrar- und Umweltwissenschaften. Für die Ernährung der Weltbevölkerung sind Aquakulturen schon heute von herausragender Bedeutung“, sagte Universitätssprecher Ulrich Vetter.

17 Kilogramm Fisch isst jeder Deutsche pro Jahr im Durchschnitt. 88 Prozent davon werden jedoch importiert. Die steigende Nachfrage führt zu einer Zunahme von jährlich rund zehn Prozent an sogenannten Aquakulturen, den Mastbetrieben der Meere. Vor allem in Asien, aber auch in den benachbarten Ländern wie Dänemark, Schweden oder anderen Ostseeanrainerländern werden die Zuchtfische in Netzgehegen gehalten und dann zum Teil nach Deutschland gebracht. Die Haltung Tausender Fische auf kleinstem Raum bringt jedoch erhebliche Probleme mit sich. Das Wasser wird durch Schadstoffe belastet. Das wiederum wollen die Forscher der Uni Rostock ändern.

Seit 2011 arbeitet ein 40-köpfiges Wissenschaftlerteam an Konzepten für emissionsfreie Aquakulturen. „Mit diesem Projekt wollen die Wissenschaftler nachweisen, dass man Fische in Gehegen halten kann, ohne dass es zu einer Belastung der Ostsee vor allem durch Stickstoff und Phosphor kommt“, betont Umweltminister Till Backhaus (SPD). „Sollte dies gelingen, haben wir faktisch die erste Null-Emissions-Anlage in der Ostsee. Das ist nicht nur im Sinne der Umwelt ein gewaltiger Schritt nach vorn, die wasser- und umweltschutzrechtliche Erlaubnis neuer Netzgehegeanlagen wäre dann auch in Deutschland wieder möglich“, so Backhaus. Das Pilotprojekt „Baltic IMTA: Verfahrensentwicklung einer Integrierten Multi Trophischen Aquakultur für die Küstengewässer Mecklenburg-Vorpommerns“ zielt darauf ab, mit Hilfe von Miesmuscheln und Rotalgen in der letzten bestehenden Netzgehegeanlage vor der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns die durch die Forellenzucht entstehenden Nährstoffe zu fixieren und diese aus dem Wasser zu entfernen. Bei ihrer Forschung setzen die Rostocker Wissenschaftler vor allem auf die Reinigungsfunktionen der Natur. Die Kombination aus Fischen, Muscheln und Algen ist das Grundkonzept der „Integrierten Multi Trophischen Aquakultur“ (IMTA). Vergleichbar mit den Fischzuchtanlagen an Land, deren Wasser für Nutzpflanzen zur Verfügung gestellt wird, ist die weitere Nutzung des Wassers und die sich daraus ergebende verbesserte Reinhaltung ein wichtiger Teil der Forschung. „Weltweit gibt es zwar einige solcher Anlagen, keine davon aber in einem Brackwassermeer“, teilt das Umweltministerium mit. Spezialisten der Universität Rostock aus den Lehrstühlen für Aquakultur, Meerestechnik und Maschinenbau, Meeresbiologie und Aquatische Ökologie arbeiten fach- und institutsübergreifend an dem Projekt.

„Damit ist es das erste Vorhaben im Bereich der Aquakultur, das auf einer derart breiten Basis von Wissenschaftlern verschiedenster Fachbereiche arbeitet und auch Juristen und Wirtschaftsfachleute einschließt“, erläutert Backhaus. Geleitet wird das Forschungsobjekt von Professor Harry Palm vom Lehrstuhl für Aquakultur und Sea-Ranching an der Universität Rostock. „Wir laufen in Deutschland Gefahr, das Problem der Aquakultur in andere Länder zu verschieben“, erklärte er zu Beginn des Projekts.

Der Rostocker Spezialist sieht einen erheblichen Handlungsbedarf. „Es ist berechtigt zu fragen, ob es für ein umweltbewusstes Deutschland zulässig ist, Fisch aus Regionen und Gebieten mit erheblich umweltkritischen Produktionskonzepten zu beziehen“, sagte er. Gerade aber für die Bundesrepublik sehe er gute Möglichkeiten und Chancen für die Entwicklung einer umweltfreundlichen Aquakultur. Die Anlagen könnten nach seiner Idee auch zwischen Offshore-Flächen im Meer vor den Küsten von Mecklenburg-Vorpommern angesiedelt werden.

Umweltproblem Aquakultur
Bei der Aquakultur wird eine kontrollierte Aufzucht von Fischen durch eine Steuerung der Versorgung und Umweltbedingungen betrieben. Umweltverbände sehen Aquakulturen jedoch mit Skepsis, da oftmals zusätzlich Wildfisch gefangen wird, um die Zuchtfische zu füttern. Diese Fischereien seien oft nicht nachhaltig. Ein weiterer Aspekt, der Umweltaktivisten ein Dorn im Auge ist, sind die Umweltschäden, wenn Chemikalien, Nahrungsreste, Fischkot und Antibiotika aus den offenen Netzkäfigen in die Flüsse und Meere gelangen. Um diese Problem einzudämmen, betreibt die Universität Rostock das jetzt geförderte IMTA-Forschungsprojekt.

 

Karsten Wilke

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Rostock
Die Zucht von Fischen in Aquakulturen belastet die Umwelt. Rostocker Forscher sinnen auf Abhilfe.

Land und Europäische Union fördern ein Projekt der Universität Rostock, mit dem Aquakulturen umweltverträglicher gemacht werden sollen.

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