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Rostock Forscher entwickeln Bio-Herzschrittmacher
Mecklenburg Rostock Forscher entwickeln Bio-Herzschrittmacher
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07:09 25.03.2014
Stammzellenforschung in Rostock: Laborantin Madeleine Bartsch (24) führt mononuklearen Knochenmarkzellen Nährstoffe zu. Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Rostocker Spitzenforscher arbeiten an einer bahnbrechenden Methode: dem Bio-Herzschrittmacher. Das verriet Robert David, Professor für Regenerative Medizin, gestern beim Besuch des Bundestagsabgeordneten Eckhardt Rehberg (CDU) im Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie (RTC) in der Schillingallee. Körperzellen sollen so programmiert werden, dass sie elektrische Impulse geben und technische Herzschrittmacher ersetzen. „Wir gehen davon aus, dass es funktioniert“, sagt David. In spätestens fünf Jahren könnte es so weit sein.

Allerdings muss die Umsetzung erst an Tieren getestet werden. Im RTC erforschen rund 60 Mitarbeiter neue Behandlungsmethoden mit Stammzellen für Herzkrankheiten. Oberstes Ziel: Auf dem Weg der regenerativen Medizin eine langfristige Heilung des geschädigten Herzens möglich zu machen. Dafür erhält das RTC der Universität Rostock mehrere Millionen Forschungsgelder von Bund, Land und EU. Für Politiker Rehberg, Vertreter im Haushaltsausschuss des Bundestags, ist das Geld gut angelegt. „Ich habe ein sehr gutes Gefühl“, sagte er gestern bei seinem Besuch.

Mit super moderner Technik analysieren die Wissenschaftler das Potenzial der Stammzellen. Dazu gehört ein 1,5 Millionen Euro teures Mikros-

kop, das es auf der Welt nur in Japan noch einmal gibt. Selbst kleinste Nano-Partikel könnten damit untersucht werden — und zwar mit zehn Videokameras gleichzeitig. „Danach lecken sich andere die Finger“, sagt Doktorandin Anna Schade. Durch die Videoaufnahmen spare sie extrem viel Zeit. „Während ich nachts schlafe, arbeitet das Mikroskop, und am nächsten Morgen ist alles fertig. Das ist eine charmante und elegante Sache“, sagt die 27-Jährige lachend. In einer Zehn-Sekunden-Sequenz zeigt sie das Ergebnis einer zehnstündigen Aufnahme: „Es ist, als würden die Zellen ihre Händchen ausstrecken und wieder zueinanderfinden. So schließt sich die Wunde dann“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Generell sind die RTC-Forscher Meister der Effizienz. Auch durch die Nähe zwischen Forschung und Klinik würden Prozesse beschleunigt. „Wir können testen, ob etwas in der Praxis angewandt werden kann.

Und andersherum gelangen Fragestellungen aus dem Alltag sofort in die Forschung“, sagt Professor Gustav Steinhoff, Direktor der Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie an der Universitätsmedizin.

Dabei helfe auch die „sehr große Motivation“ der Patienten. Sie treiben die Forschung mit voran.

Bevor die Forschung am menschlichen Körper getestet wird, sind jedoch umfangreiche Tierversuche nötig. „Wir müssen zum Beispiel Entzündungen ausschließen können“, sagt Marion Ludwig. Sie ist eine von vielen jungen wissenschaftlichen RTC-Mitarbeitern, die Politiker Rehberg noch eine Hausaufgabe mitgaben. Er solle sich dafür einsetzen, dass Nachwuchsforscher eine bessere Perspektive erhalten. Sie würden stets nur befristete Verträge bekommen.

60 Mitarbeiter betreiben Spitzenforschung
6 Jahre lang gibt es das Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzellentherapie (RTC) inzwischen. Rund 60 Mitarbeiter erforschen hier neue Behandlungsmethoden der regenrativen Medizin für Herzkrankheiten.
1,6 Millionen Euro steckt der Bund von 2012 bis 2015 in die Stammzellenforschung am RTC. Auch das Land und die EU geben Gelder. In Deutschland gibt es nur in Frankfurt am Main ein Zentrum mit ähnlicher Ausrichtung.



André Wornowski

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