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Rostock Frau verliert 70 000 Euro
Mecklenburg Rostock Frau verliert 70 000 Euro
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00:05 05.05.2017
Stundenlang hielten die Verbrecher eine 75-jährige Rostockerin nachts am Telefon fest (nachgestellte Szene). Quelle: Foto: Thomas Mandt

Schock für eine 75 Jahre alte Rostockerin: Weil sie unbekannten Anrufern glaubte, die sich als Polizisten ausgaben, ist sie in der Nacht zu Donnerstag um mehr als 70000 Euro betrogen worden. Nach einem mehrstündigen Telefonat hat die Rentnerin ihre Wertsachen einem Unbekannten übergeben, teilt die Polizei mit. Es ist die wahrscheinlich höchste Summe, die jemals auf diese Weise in der Hansestadt erbeutet worden ist. Auch in anderen Fällen versuchten die Täter in dieser Woche, Rostockern Geld abzunehmen. Ein Trend, der sich verschärft.

Solche hohen Summen sind nicht mehr ungewöhnlich. Die Täter versuchen, das Maximum rauszuholen. Michael Schuldt Landeskriminalamt

Zahl der Fälle explodiert

Landesweit ist die Zahl der versuchten „Enkeltrickstraftaten“ im vergangenen Jahr explodiert: 432 Fälle registrierte die Polizei – 64 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Zwar sank gleichzeitig die Zahl der vollendeten Straftaten von 48 auf 36. Doch wenn die Trickbetrüger „Erfolg“ haben, erbeuten sie immer mehr Geld: zuletzt durchschnittlich rund 10000 Euro pro Fall. „Die Täter versuchen, das Maximum dessen rauszuholen, was möglich ist“, sagt Michael Schuldt, Sprecher des Landeskriminalamtes.

Anruf kurz vor Mitternacht

Bei der 75-jährigen Rostockerin klingelte gegen 23.45 Uhr das Telefon, schildert die Polizei den Fall. Die Seniorin schlief bereits. Als sie den Hörer abnimmt, stellt sich ein „Herr Fischer“ von der Rostocker Polizei vor. Er spricht mit vermutlich bayrischem Dialekt und gibt vor, hinter einer ausländischen Diebesbande her zu sein. Zwei Täter habe er bereits gefasst.

Bei einer Durchsuchung sei eine Liste mit Namen alleinstehender älterer Damen aufgetaucht – und die Rostockerin stehe hier ganz oben. Es sei daher notwendig, dass die Telefonverbindung gehalten werde und die Frau sich alle 15 bis 20 Minuten melde. Im Laufe der Gespräche befragt der Anrufer die Rentnerin zu ihren Wertsachen. Dabei lässt der Betrüger durchblicken, dass er Kontakt zur zuständigen Sparkassenmitarbeiterin habe, deren Namen er auch nennt.

Ein weiterer angeblicher Polizist ruft die Rostockerin dann gegen 3 Uhr an. Er fordert sie auf, sämtliche Wertsachen aus Sicherheitsgründen einzupacken und einem dritten Beamten an der Haustür zur vorläufigen Verwahrung zu übergeben. Dieser Anweisung folgt die Seniorin. Ein etwa 20 Jahre alter Mann nimmt die Sachen im Wert von mehr als 70000 Euro entgegen. Er hat dunkle Haare und ein auffällig glattes, blasses Gesicht.

Danach teilen die angeblichen Polizisten der Frau am Telefon mit, dass sie in der nächsten Stunde abgeholt und zur Dienststelle gebracht werde. Als gegen Morgen noch immer keiner erscheint, informiert die Rentnerin die Polizei.

Appell der Polizei

Die Beamten betonen, stets kritisch zu sein, sobald es Anfragen zu Bargeld, Schmuck oder Wertgegenständen gibt. Besonders Anrufern und Fremden gegenüber sei ein gesundes Misstrauen angebracht. Und gibt sich jemand als Polizist aus, könne dies stets bei den Dienststellen überprüft werden. „Wenn mir etwas verdächtig vorkommt, kann ich auch den Polizeinotruf 110 wählen“, sagt LKA- Sprecher Schuldt. Ein echter Polizist werde das mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen. „Ein Trickbetrüger wird dagegen flüchten.“ Auch können aufmerksame Bürger, wie Nachbarn, Angehörige, Bankmitarbeiter oder Taxifahrer, helfen, Betrugshandlungen zu verhindern. In Einzelfällen habe dies sogar schon zur Festnahme von Tätern geführt.

André Wornowski

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