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Rostock Frauen, unternehmt was!
Mecklenburg Rostock Frauen, unternehmt was!
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00:07 16.05.2018
Im Ressourcen-Center berät Yvette Dinse Frauen, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen wollen. Quelle: Foto: Antje Bernstein
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In den Chefetagen etablierter Konzerne sind Frauen die Ausnahme. Wie aber sieht es dort aus, wo zeitgemäßes Denken über Erfolg und Niederlage entscheidet – bei den Existenzgründern? Über Männerwirtschaft, Wertewandel und die Bedeutung der richtigen Wortwahl sprach die OZ mit Yvette Dinse, Präsidentin des Vereins Frauen in die Wirtschaft.

Starthilfe für Gründerinnen

☎ 0381/ 4029893;

info@fiw-ev.de

www.fiw-ev.de

Frau Dinse, ist die Gründerszene ähnlich männerdominiert wie Großfirmen?

Yvette Dinse: Zum Glück hat sich da etwas bewegt. Vor 15 Jahren lag der Frauenanteil bei den Gründungen bei um die 20 Prozent, heute sind es immerhin 33. Trotzdem: Der Schritt in die Selbstständigkeit bedeutet für Frauen nach wie vor etwas anderes als für Männer.

Inwiefern?

Viele Frauen haben die Familie im Blick, überlegen genau, ob und wie sie eine Firma aufbauen und trotzdem für ihre Kinder da sein können. Zunehmend spielt bei der Entscheidung für oder gegen die Selbstständigkeit auch die Fürsorge für die eigenen Eltern eine Rolle.

Familie geht vor Karriere – das klingt nach konservativer Rollenverteilung.

Es ist eine Frage der individuellen Werte. In vielen Familien ist es tatsächlich immer noch Aufgabe der Frau, sich um die Kinder zu kümmern. Bei jungen Gründerinnen und Gründern ist das aber nicht mehr so ausgeprägt. Junge Männer möchten heute beispielsweise nicht mehr 60 Stunden pro Woche arbeiten, sondern lieber bewusst Zeit mit der Familie erleben.

Woran liegt es, dass die Frauenquote in der Gründerszene – wenn auch langsam – steigt?

Viele Unternehmerinnen sind inzwischen ihren Weg gegangen und damit Vorbilder für andere. Außerdem haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Die Möglichkeiten, Unterstützung zu bekommen, sind für Frauen vielfältiger geworden. Dazu zählen Seminare und Coachings, aber auch neue Wege, um an das nötige Startkapital zu kommen, zum Beispiel Crowdfounding. Die steigende Frauenquote hat aber auch damit zu tun, dass die Zahl der Gründungen insgesamt seit Anfang der 1990er Jahre gesunken ist. Heute finden viel mehr Menschen als damals ein Angestelltenverhältnis.

Um erfolgreich zu sein, brauchen Gründer gute Kontakte.

Das stimmt. Männer handeln ihre Geschäfte schon lange auch bei Stammtischen aus. Frauen hatten in der Hinsicht hingegen Nachholbedarf. Inzwischen gibt es Netzwerke für Unternehmerinnen wie für Unternehmer, aber auch „gemischte“ Netzwerke. Wichtig ist, dass die Angebote auf die Zielgruppe zugeschnitten sind.

Das heißt?

Es fängt bei der Wortwahl an. Es kommt darauf an, eine Sprache zu finden, in der sich alle Frauen wiederfinden. Es gibt Frauen, die fühlen sich nicht angesprochen, wenn es heißt: „Seminar für Existenzgründer“. Dabei ist es kein Problem, „Existenzgründungsseminar“ zu sagen. Wenn man online zum Beispiel das Suchwort „die Vorstandsvorsitzende einer AG“ sucht, bekommt man „Vorstandsvorsitzender-Wikipedia“. Es geht sofort in die männliche Schiene. Klar, kann man sagen, das ist doch eine Kleinigkeit, aber manche Frau fühlt sich außen vor gelassen.

Die deutsche Sprache ist vom generischen Maskulinum geprägt. Geschlechtergerechte Sprache hingegen ist umstritten.

Die gleichwertige Ansprache von Mann und Frau muss Normalität werden. Da geht es nicht darum, mit Kunstbegriffen alles unnötig kompliziert zu machen. Wir müssen aber dahinkommen, dass es normal ist, wenn ein Text auch mal in der weiblichen Ansprache verfasst ist. So etwas sollte immer aus beiden Perspektiven betrachtet werden, die der Frauen und die der Männer.

Geschlechterspezifische Unterschiede gibt es auch bei der Branchenwahl. Frauen machen sich eher mit kreativen Berufen oder im Gesundheitswesen selbstständig.

Das stimmt. Die Malermeisterin die einen Betrieb führt, ist leider noch die Ausnahme.

Was muss passieren, damit sich das ändert?

Die Sichtbarkeit ist wichtig. Chefinnen im Handwerk, die von der Gesellschaft als erfolgreiche Geschäftsfrauen wahrgenommen werden, sind die beste Werbung.

Was raten Sie Frauen, die sich selbstständig machen möchten?

Sie sollten vorher ihre Ziele definieren. Offene Fragen klären, z.B. Was möchte ich machen? Gibt es für die Idee einen Markt? Wie viel Zeit möchte ich für den Job aufbringen? Reicht das, um davon leben zu können? Wichtig ist auch ein Gründungskonzept. Und dann einfach trauen und keine Angst vorm Scheitern haben. Nichts ist in Stein gemeißelt. Man kann von der Selbständigkeit auch wieder in ein Angestelltenverhältnis wechseln und muss das nicht als Versagen empfinden. Schließlich ist die Selbstständigkeit auch eine Möglichkeit, sich beruflich weiterzuentwickeln.

Interview: Antje Bernstein

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