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Rostock „Die alten Leute sind toll“
Mecklenburg Rostock „Die alten Leute sind toll“
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15:16 25.10.2018
Sarah Libourki arbeitet gern im Pflegeheim – und Bewohner, wie Emmi Giard freuen sich, dass sie da ist. Quelle: Katja Bülow
Toitenwinkel

„Wer ist da? Ach Sarah, das ist schön!“ Die alte Dame, die eben noch teilnahmslos in ihrem Bett gelegen hat, lächelt. Sarah Libourki ist gerade mit dem Getränkewagen im Toitenwinkler Pflegeheim unterwegs. Sie füllt Tomatensaft in einen Becher, setzt einen Deckel mit Strohhalm darauf und streicht der Frau liebevoll über das weiße Haar, bevor sie ihr das Getränk reicht. Seit April arbeitet die 25-jährige Marokkanerin bei der Rostocker Heimstiftung, wo sie ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert.

Ursprünglich ist sie vor knapp anderthalb Jahren als Aupair nach Deutschland gekommen. Doch dann stellte sie fest, dass ihr der Umgang mit Kindern doch nicht lag. Freunde erzählten ihr vom Freiwilligen Sozialen Jahr beim Deutschen Roten Kreuz und sie entschied sich dafür, auf diesem Wege in der Altenpflege Erfahrungen zu sammeln. Eine gute Wahl, davon ist sie heute überzeugt, auch wenn die ersten Wochen für sie nicht leicht waren. „Die Bewohner hier müssen jeden Morgen gewaschen und regelmäßig umgelagert werden, das war für mich am Anfang sehr anstrengend.“ Sarah Libourki, die ihre dunklen Haare zu einem dicken Zopf zusammengebunden hat, ist nicht groß und eher zierlich gebaut. Doch sie winkt fröhlich ab: „Man lernt im Laufe der Zeit Techniken, mit denen das trotzdem zu schaffen ist.“

In Marokko pflegen die Familien ihre Angehörigen meist selbst

Vorne, in einem kleinen Aufenthaltsraum, sitzen ein paar ältere Leute in ihren Rollstühlen vor einem Fernseher. Auch sie bekommen Saft und gute Worte, auch sie freuen sich, als die FSJlerin auftaucht. Sarah Libourki hat Spaß daran, bei der Arbeit mit den Senioren zu reden und zu scherzen. „Die alten Leute sind toll. Sie erzählen mir von ihren Familien, davon, was sie früher gemacht haben. Und natürlich fragen sie auch nach meiner Heimat.“ Die Marokkanerin stammt aus Casablanca, der größten Stadt ihres Landes, die direkt an der Atlantikküste gelegen ist. Altenpflegeheime gibt es dort so gut wie gar nicht, so sagt sie. „Bei uns pflegt die Familie ihre Älteren selber.“ Wobei sie auch gut nachvollziehen könne, warum das in Deutschland anders ist. „Die Bewohner haben mir erzählt, dass sie meist nur ein oder zwei Kinder haben. Wir sind zuhause fünf, da ist es natürlich viel leichter, sich gemeinsam zu kümmern.“

Die DRK-Gesellschaft Soziale Freiwilligendienste MV hat in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 150 Einsatzstellen für junge Erwachsene, die ihre Vollzeitschulpflicht erfüllt und das 27. Lebensjahr noch nicht beendet haben. Jährlich haben dort etwa 230 Teilnehmer die Möglichkeit, sich zu engagieren und Praxiserfahrung zu sammeln. Neben 440 Euro Taschengeld werden alle Sozialversicherungsbeiträge gezahlt und es gibt den gesetzlich verankerten Urlaubsanspruch.

Stefan Beutel, Geschäftsführer der Gesellschaft, erklärt: „Für viele ist das ein guter Weg, um sich zu orientieren und herauszufinden, welcher Beruf der Richtige wäre.“ Abgesehen vom Deutschen Roten Kreuz gibt es eine Reihe weiterer Träger, darunter die Diakonie, das Rostocker Stadtforstamt, das Nationalparkzentrum Königsstuhl und auch die Darss-Festspiele. Unter dem Titel „weltwärts“ gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, in Entwicklungsprojekten im Ausland mitzumischen. Stefan Beutel: „Offiziell beginnt das FSJ zwar Anfang September, aber es sind im ganzen Land noch viele Stellen frei, so dass auch ein späterer Einstieg möglich ist.“

Wenn Sarah Libourki Feierabend hat, trifft sie sich mit Freunden, geht ab und an joggen – doch sie gesteht: „Meistens ruhe ich mich einfach aus.“ Selbst zum Kochen kommt sie kaum noch: „Für die Marokkanische Küche braucht man viel Zeit, die habe ich im Moment einfach nicht.“ Abgesehen von der Arbeit im Pflegeheim gibt es innerhalb des Freiwilligen Sozialen Jahres 25 sogenannte Bildungspflichttage, Seminare, die das Deutsche Rote Kreuz organisiert. Darin geht es um Themen wie Erste Hilfe, Demokratie, Medienkompetenz oder gesunde Ernährung. Auch ein Bewerbungstraining gehört dazu. Wobei letzteres für Sarah Libourki zumindest vorerst nicht nötig ist: Sie will im kommenden Sommer eine Ausbildung zur Altenpflegerin beginnen und hat dafür von der Rostocker Heimstiftung schon jetzt eine feste Zusage.

Katja Bülow

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