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Rostock Füchse machen Beute in Hühner-Ställen
Mecklenburg Rostock Füchse machen Beute in Hühner-Ställen
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07:23 19.05.2017
Füchse sollen in Groß Stove ihr Unwesen treiben. Anstatt Hasen zu fangen, machen sie Jagd auf Hühner. Quelle: Fotos: Dpa / Doris Kesselring

Wilderei in Groß Stove: Mehr als 100 Hühner wurden in den vergangenen Monaten getötet. Die Dorfbewohner sind sich einig: Hinter den Taten muss der Fuchs stecken. „Ich habe noch nie gehört, dass Füchse so radikal sind. Das macht keinen Spaß mehr“, sagt Landwirt Harry Weijs, der Geschäftsführer eines Milchviehbetriebs. Auch der Anwohner Christian Schombach ist aufgebracht: „Das ist einfach nur schrecklich.“

Mehr als 100 Hühner wurden in den vergangenen Monaten in Groß Stove bei Rostock getötet. Die Dorfbewohner vermuten hinter der Wilderei eine Fuchs-Familie und erhoffen sich nun Hilfe durch einen Jäger. Doch momentan kann ihnen keiner helfen. Denn bis August haben die Wildtiere Schonzeit.

Vor eineinhalb Monaten wurden seine 28 Hühner getötet, bei seinem Onkel waren es zehn Hühner. Bei einem Nachbarn 15, bei dem anderen 35. Auch Harry Weijs hat rund 35 Hühner an den Fuchs verloren.

„Die hat er schon im November geholt und im April hat er in einer Nacht zehn Stück getötet.“ Nicht alle Hühner wurden verschleppt, viele wurden mit abgebissenem Kopf zurückgelassen.

Bei Kosten von rund zehn Euro für ein Huhn würde da ein erheblicher Schaden zusammenkommen. „Wenn er ein oder zwei Hühner mitgenommen hätte, hätte ich nichts gesagt, aber er hat alle getötet“, erzählt der 30-jährige Christian Schombach wütend. Auch emotional sei dies ein Schock gewesen. „Ich hatte ein besonderes Huhn, das sehr zahm war und auf die Schulter flog“, erinnert er sich. In den vier Jahren, seit dem er Hühner halte, sei so etwas noch nicht passiert. „Der zuständige Jäger kümmert sich einfach nicht“, ärgert sich Schombach.

Doch momentan kann keiner etwas gegen diese Wilderei ausrichten. „Ab April haben die Füchse Welpen, dann gibt es drei Monate Schonfrist“, erklärt Kreisjägermeister Heinz Stegemann. Darüber hinaus sei es ohnehin nicht möglich, innerhalb des Dorfes zu jagen. „Auf befriedetem Gelände dürfen wir nicht mit der Waffe umgehen“, betont er. Hier müssten die Eigentümer selbst aktiv werden. „Es wäre möglich, dass sie Totschlag-Fallen oder Lebendfallen aufstellen.“ Doch bis August sei dies ebenfalls aufgrund der Schonzeit verboten.

Der Nachwuchs ist nach Ansicht des Kreisjägermeisters auch eine der Ursachen für den aktiven Jagdtrieb der Füchse. „Sie haben jetzt einen erhöhten Bedarf an Nahrung. Dann gehen die Fähe und der Rüde gemeinsam auf Beutesuche.“ Dabei suchen sie nicht nur Hühner, sondern auch Junghasen, Fallwild oder Mäuse. „Für Füchse ist es aber deutlich einfacher, ein Huhn zu fangen, als dreißig Mäuse“, betont Stegemann. Dass in Groß Stove nun die Zahl der erlegten Hühner so hoch ist, sei jedoch unüblich. „Es ist nicht bekannt, dass ein Fuchs in der Größenordnung jagt“, betont er. Es könne sein, dass Marderhunde, Iltisse oder Waschbären mithelfen. „Das ist aus der Ferne aber nicht festzustellen.“

Diese Theorie halten die Einwohner jedoch für unwahrscheinlich. „Wir haben sie doch schon öfter gesehen. Ein Muttertier und drei Jungtiere“, sagt Christian Schombach. Im Kuhstall von Harry Weijs hatte der Fuchs zuletzt sogar noch seinen Bau. „Ich habe schwere Steine darauf gelegt, damit er ihn nicht mehr nutzen kann.“ Angst vor den Kühen schien er keine zu haben. „Er hat auch die Nachgeburten der Mutterkühe gefressen“, sagt Maren Regner, die auf dem Hof angestellt ist. Vor einigen Jahren habe der Fuchs sogar die jungen Kälber angegriffen. „Vorher hatte ich nicht einmal gewusst, dass das möglich ist“, erzählt sie. „Wir mussten ihnen Antibiotika geben. Erst seitdem im Stall Tag und Nacht das Radio läuft, haben sie ihre Ruhe vor dem Fuchs“, erklärt Landwirt Harry Weijs.

Für den Kreisjägermeister gibt es momentan nur eine Möglichkeit, die Hühner vor Meister Reineke zu schützen. „Die Eigentümer müssen gute Zäune bauen, die mit Draht im Boden verankert und hoch genug gebaut sind, damit der Fuchs nicht darüber klettern kann“, sagt Stegemann.

Christian Schombach will noch nicht aufgeben. Er bekommt in dieser Woche neue Hühner. „Sie kommen in einen Stall aus massivem Stein, da kommt nicht einmal ein Bär hinein“, sagt er lächelnd. Er will zunächst mit zehn Hühnern wieder klein anfangen. „Wenn er jetzt doch noch reinkommt, dann gebe ich auf. Dann hole ich mir ein Pony.“

Johanna Hegermann

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