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Rostock Für 350 neue Wohnungen: Giftfläche wird saniert
Mecklenburg Rostock Für 350 neue Wohnungen: Giftfläche wird saniert
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00:00 14.07.2018
Blick auf das ehemalige Gelände des Chemie-Handels Venoc. Hier soll ein Wohngebiet entstehen. Quelle: Fotos: André Wornowski/ove Arscholl
Brinckmansdorf

Es ist eine der größten und kompliziertesten Altlasten der Hansestadt: das Gelände des ehemaligen Chemie-Handels Venoc an der Neubrandenburger Straße in Brinckmansdorf. Die Stadt würde hier gern das Wohngebiet „Warnowniederung“ entstehen lassen; die Pläne dazu gibt es schon seit Jahren. Nun kommt wieder Bewegung in die Bemühungen. Wie das Umweltministerium in Schwerin auf OZ-Anfrage mitteilt, wird der schadstoffbelastete Erddamm auf dem Gelände bis Ende 2019 zurückgebaut. Gleichzeitig sollen noch im laufenden Jahr weitere Sanierungsschritte festgelegt werden, die nötig sind, um Wohnen an dem Standort zu ermöglichen.

Weil Bauland fehlt, werden nun selbst schwierige Altlasten angepackt

7,6 Hektar ist das geplante „Wohngebiet Warnowniederung“ circa groß. Das Areal wird im Norden durch die Bahntrasse zwischen Rostock und Stralsund, im Osten durch die Neubrandenburger Straße, im Süden durch die Bebauung der ehemaligen Kiesgrube Kassebohm sowie im Westen durch das Grünland der Warnowniederung begrenzt. Rund

350 Wohneinheiten

sollen hier entstehen.

Grundsätzlich seien in Rostock inzwischen alle Altlasten so weit in Ordnung gebracht, dass von ihnen keine akute Gefahr mehr ausgehe, teilt das Umweltministerium weiter mit. Beispiele sind das Gaswerk in der Bleicherstraße, das Tanklager Bramow und die Simeonsbetriebe (Chemische Reinigung) im Rahnstädter Weg. Handlungsbedarf gab es auch auf dem Gelände des ehemaligen VEB Bitumenverarbeitung (Dachpappenfabrik) an der Petribrücke – die wesentlichen Sanierungsarbeiten ist hier Anfang 2018 abgeschlossen worden. Kosten: 5,2 Millionen Euro.

Und dennoch: Weil Wohnraum, Gewerbeflächen und Bauland in der Hansestadt knapp werden, rücken einige der verseuchten Areale erneut in den Fokus und sollen saniert werden. Neben der ehemaligen Chemie-Handels-Fläche in Brinckmansdorf ist zum Beispiel das Werftbecken Warnemünde betroffen. Hier soll ein neues Kreuzfahrterminal entstehen. „An dem Standort befanden sich gleich mehrere relevante Altnutzungen, zum Beispiel eine Bahnschwellenimprägnierung“, heißt es im Ministerium. Durch das neue Bauvorhaben könnte es nun zu Gefährdungen für die Unterwarnow kommen. „Dies gilt es zu verhindern.“ Eine Sanierung ist für 2020 vorgesehen. Die Kosten sollen im einstelligen Millionenbereich liegen.

Wie schwierig es ist, Giftflächen gerade fürs Wohnen wieder nutzbar zu machen, zeigt sich auf dem früheren Venoc-Gelände an der Neubrandenburger Straße. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unterlag das Areal einer wechselnden gewerblichen und industriellen Nutzung. Bis 1992 wurden hier Chemikalien gelagert und umgeschlagen. Dabei kam es auf mehreren Teilflächen zu erheblichen Verunreinigungen des Bodens und des Grundwassers mit Lösungsmitteln.„Dass die Sanierung dadurch umfangreicher und komplizierter werden würde, lag auf der Hand“, sagt Karl Scheube (SPD), Ortsbeiratschef in Brinckmansdorf. Aus seiner Sicht ist das Gebiet aber ein guter Standort zum Wohnen. „Es ist zentrumsnah.“

Probleme bereitet den Planern hier auch der Lärm von Straße, Schiene und Gewerbe. Wie aus einer aktuellen Machbarkeitsstudie hervorgeht, wäre dennoch eine Bebauung mit 350 Wohneinheiten möglich.

Voraussetzung sei eine „konsequente funktionelle Zonierung in Kombination mit aktivem und passivem Schallschutz“, teilt das Rathaus mit. Auch soll die Studie den Veranstaltungsort Alte Zuckerfabrik stärken. „Es sieht sehr nach einer beiderseitigen Lösung aus, dass sowohl eine Wohnbebauung möglich ist, als auch die Alte Zuckerfabrik erhalten bleiben kann“, sagt Betreiber Martin Hänler. Laut Stadtverwaltung soll der Bebauungsplan für das Gebiet im zweiten Halbjahr 2019 zur Auslegung gebracht werden.

André Wornowski

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