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Rostock Für die Liebe: Brasilianischer Action-Held lernt in Rostock
Mecklenburg Rostock Für die Liebe: Brasilianischer Action-Held lernt in Rostock
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00:00 31.05.2013
Hat viel zu erzählen — bald vielleicht auch schon auf Deutsch: Action-Held Sergio Kato alias Sergio Pereira aus Brasilien. Quelle: OVE ARSCHOLL
Kröpeliner-Tor-Vorstadt

Sein Leben ist filmreif, im doppelten Sinne: Sergio Luiz Pereira hat einen italienischen Vater und eine libanesische Mutter, ist aber in Brasilien aufgewachsen, weil sein Bruder dort als Profifußballer Karriere machte, er selbst drehte später in Hollywood Actionfilme und hatte in Japan eine eigene Fernsehshow. Bis er sich im vergangenen Jahr in eine Rostocker Altenpflegerin verliebte, wegen der er nun in der Hansestadt Deutsch lernt. „Um eine lange Geschichte kurz zu machen“, sagt der 52-Jährige und strahlt.

Natürlich könnte er auch über jeden einzelnen Halbsatz ganze Romane erzählen, allerdings im Moment nur auf Englisch, die deutschen Wörter fehlen ihm noch. Abgesehen von den vielen „Guten Tags“, die er auf der Straße wechselt, wenn er seine sechsmonatige Tochter spazieren fährt. Überhaupt seien die Leute hier so nett und entspannt, das Leben ruhig und angenehm — ganz anders als im stressigen Los Angeles.

Dorthin war Pereira als 26-Jähriger aufgebrochen, um in Hollywood Karriere zu machen. Was er wiederum einem Vorgesetzten beim Militär zu verdanken hatte. „Der fand, dass ich Arnold Schwarzenegger so ähnlich sähe“, erzählt Pereira. Die Fernsehleute bei einem Casting offenbar auch, Pereira bekam einen Werbevertrag als Schwarzenegger-Double. „Das gab dreimal so viel Geld wie ein Monat beim Militär“, sagt er. Ein Grund, die Berufspläne zu ändern.

Nach einigen Werbefilmen in den USA landete Pereira auf Umwegen in Japan, wo er eine eigene Comedy-Show bekam. Wieder als Schwarzenegger, den Rest fasst er so zusammen: „Ich wurde was auf Japanisch gefragt, hab nichts verstanden, irgendwas geantwortet, alle haben gelacht.“Aus dieser Zeit hat er auch seinen Künstlernamen Sergio Kato mitgenommen.

In Hollywood drehte Pereira anschließend einige Actionfilme, unter anderem mit Brooke Shields. Beim Dreh zu „Flying Virus“ 2006 stürzte er mit einem Auto zwölf Meter in die Tiefe, lag drei Tage im Koma. „Hier“, sagt er und zeigt die Narben an Arm und Händen. Seiner Unbeschwertheit tat der Unfall offensichtlich keinen Abbruch. Zumal ihm der lange Sturz noch einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde einbrachte, wie er stolz erzählt.

Da steht auch schon einer seiner vier Brüder drin, Geraldo Pereira — mit Spitznamen Mazzaropi — der als brasilianischer Nationaltorhüter Ende der 70er Jahre sein Tor 1816 Minuten am Stück sauber halten konnte. „Der ist noch berühmter als ich“, sagt Pereira und lacht. Für die Weltmeisterschaft 2014 sei er als Sportdirektor mit verantwortlich für das brasilianische Team.

Auch Sergio Kato zieht es nach seinem Zwischenstopp in Rostock wieder nach Brasilien zurück. Zusammen mit seiner Tochter Chloe Hanna und seiner Verlobten Jacqueline, die er über Facebook kennengelernt hat, wolle er sich dort eine Zukunft aufbauen, verrät er. Für sie büffelt er jetzt beim Verein Migra Deutsch. „Um die Kultur zu verstehen.“ In Brasilien will er eine Sportshow moderieren, vorher dreht er allerdings noch einen Film mit Gwyneth Paltrow in London. Aber das wäre schon die nächste lange Geschichte.

Rekord-Torhüter gehört auch zur Familie
Gerald Pereira de Matos Filho — Spitzname Mazzaropi — ist einer der Brüder von Sergio Pereira. Als Torwart der brasilianischen Fußballnationalteams blieb er 1977 und 1978 insgesamt 1816 Minuten ohne Gegentor — bis heute Rekord.

Der Verein Migra wurde 2007 von Zugewanderten aus dem russisch-, arabisch- und chinesischsprachigen Raum gegründet und bietet Integrationskurse für Migranten und berufliche Beratung an. Mehr: www.migra-mv.de.

Anne Kobarg