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Rostock Gartenarbeit und Tagebuch: Politik auf Stimmenfang im Netz
Mecklenburg Rostock Gartenarbeit und Tagebuch: Politik auf Stimmenfang im Netz
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04:01 03.09.2013
Wahlkampf der Direktkandidaten auf Facebook: Steffen Wiechmann (Einzelkandidat) posiert beim Plakataufhängen, Peter Stein (CDU) präsentiert den „Gefällt-mir-Daumen“ beim Mühlenfest und Steffen Bockhahn (Linke) zeigt sich bei der Gartenarbeit. Montage: Ove Arscholl
Stadtmitte

Steffen Bockhahn bei der Gartenarbeit, Christian Kleiminger beim Christopher-Street-Day und Peter Stein mit Piraten auf dem Mühlenfest: Einige Direktkandidaten zur Bundestagswahl am 22. September im Wahlkreis 14 nutzen das soziale Netzwerk Facebook für ihren Wahlkampf. Nur wenige geben Persönliches preis.

Harald Terpe (Bündnis 90/Die Grünen) nutzt das Netzwerk vor allem, um auf bestimmte Themen aufmerksam zu machen. Bei ihm ging es in den letzten Veröffentlichungen um die Legalisierung von Cannabis, und er kommentiert die Arbeitsmarktzahlen von Mecklenburg-Vorpommern. „Facebook ist eine Möglichkeit, direkt mit den Bürgern zu kommunizieren“, sagt Terpe. 198 Menschen gefällt seine Seite.

Viel Persönliches verrät der Mediziner nicht. „Natürlich sollen sich die Wähler ein Bild machen können. Allerdings gibt es für mich Grenzen. Es geht immerhin primär um Politik und nicht um Kohlrouladenrezepte“, sagt er. Zudem solle man immer bedenken, dass Facebook es mit dem Datenschutz nicht so genau nehme. „Da muss jeder Einzelne gut überlegen, was er oder sie von sich preisgibt.“

Auch für Steffen Bockhahngibt es eine klare Grenze. „Alles, was mich betrifft, ja, meine Familie, nein“, sagt er. Und so postet der Linke schon mal ein Bild von sich bei der Gartenarbeit und zeigt ein Video beim Versuch, Karten für seinen Lieblings-Handballklub Empor Rostock zu kaufen. Doch meist schreibt er, wo er ist und was er gerade macht — und das täglich. 1555 Leuten haben auf „Gefällt mir“ geklickt. „Facebook ist eine gute Möglichkeit, schnell zu informieren und Positionen auszutauschen. Ich bekomme viel Resonanz“, sagt Bockhahn. Mehrmals täglich guckt er auf seine Seite, kommentiert und lädt Bilder hoch.

Auch Christian Kleiminger (SPD) ist täglich auf Facebook. Als einziger der Direktkandidaten hat er keine Seite, sondern ist als Person angemeldet. „Ich kann Artikel, die mich interessieren, teilen und verbinde sie mit eigenen politischen Nachrichten“, begründet der Sozialdemokrat sein Engagement. Seit 2008 nutzt er das soziale Netzwerk, hat 1607 Freunde. Nur ein Teil seiner Seite ist für die Öffentlichkeit zu sehen. „Es ist so gesehen keine reine Wahlplattform. Ich gebe nicht zu viel preis, schütze meinen Bekanntenkreis, aber bringe meine politische Botschaft ins Netz“, sagt Kleiminger. Und Letztere formuliert er klar auf Facebook.

Im roten Auto präsentiert sich Peter Stein (CDU) im sozialen Netzwerk. Der Christdemokrat kommentiert das Wahl-Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück und postet täglich, was er am Tag vorhat, wo er anzutreffen ist. „Ich kann über Facebook zu denen Kontakt halten, die mit mir Kontakt halten möchten, und über Dinge kommunizieren, die mir wichtig sind“, sagt er. 129 Menschen gefällt seine Seite. Bisher habe er keine negativen Erfahrungen mit dem Netzwerk gemacht.

Hagen Reinhold (FDP) findet der Nutzer nur als Privatperson oder als Bundestagsmitglied auf Facebook. „Der Wahlkampf läuft über die Seite FDP-MV“, sagt Thomas Heldberg, Sprecher des FDP-Landesverbands. „Eine eigene Seite wird zu viel. Herr Reinhold ist viel unterwegs und hätte keine Zeit, sie zu betreuen.“

Einzelkandidat Steffen Wiechmann findet der Wähler nicht auf Anhieb. Auf der Seite „Wählt Wiechmann“ betreibt der gebürtige Rostocker seinen Wahlkampf. Gefällt-mir-Klicks: 196. Nicht alle demokratischen Direktkandidaten nutzen die soziale Plattform für sich: Klaus-Dieter Gabbert (Freie Wähler) und Michael Slobidnyk (Piraten) findet man auch mit viel Mühe nicht.

Persönlich: Das verraten die Kandidaten bei Facebook
Harald Terpe (Grüne) ist am 17. Juli 1954 geboren, in Greifswald aufgewachsen und lebt seit 1976 in Rostock. Der Arzt ist verheiratet und hat sechs Kinder.


Steffen Bockhahnhat einen Neffen, der sechs Monate halt ist. Sein Lieblings-Handballklub ist der HC Empore.


Christian Kleiminger (SPD) hat von 1985 bis 1987 eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht. Seit 1997 arbeitet er in seiner eigenen Anwaltskanzlei. Von 2005 bis 2009 war er Mitglied im Deutschen Bundestag.


Peter Stein (CDU) ist am 8. Januar 1968 geboren. Seine Hobbys sind Volleyball und Modelleisenbahnen. Er interessiert sich für Sport, Politik und Architektur. Eine seiner Lieblingsbands ist Sunrise Avenue. Im Fernsehen schaut er am liebsten Sport und Tatort.

Steffen Wiechmann (Einzelkandidat), 1976 geboren, ist in Lütten Klein aufgewachsen und gelernter Bau- und Möbeltischler.

Anja Levien

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