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Rostock Gas-Terminal: Alles zum Großprojekt
Mecklenburg Rostock Gas-Terminal: Alles zum Großprojekt
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00:00 30.08.2018
Seehafen

Rostock soll der wichtigste deutsche Import-Hafen für Flüssiggas aus Russland werden. Mehr als 700000 Kubikmeter – ausreichend, um rund 1,4 Millionen Lastwagen mit LNG-Antrieb je ein Mal komplett vollzutanken – sollen künftig pro Jahr nach Rostock verschifft und vom Seehafen aus weitertransportiert werden. Im Ortsbeirat Gehlsdorf hat der Hafenbetreiber Rostock Port vor rund 100 Zuhörern die Pläne nun erstmals vorgestellt. Die OZ beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Großprojekt.

Der russische Energieriese Novatek will mit seinem belgischen Partner Fluxys einen neuen Gas-Hafen in Rostock bauen – es wäre der erste seiner Art in ganz Deutschland

1. Was genau ist LNG?

LNG steht für „Liquefied Natural Gas“ – für Flüssigerdgas. Das Gas wird auf 163 Grad unter Null abgekühlt, hat dann nur noch ein Sechshundertstel seines Volumens. Das Gas, das in Rostock angelandet werden soll, stammt aus Feldern in Sibirien und wird in der Nähe von Wyborg verflüssigt.

2. Was genau soll im Seehafen

entstehen?

Auf einer Fläche von rund drei Hektar – zwischen der Mälzerei Malteurop und der Straße „Zum Tanklager“ – soll ein Lager- und Verteilzentrum für das Flüssiggas entstehen. Herzstück wird ein bis zu 40 Meter hoher Speicher. Der Tank hat aus Sicherheitsgründen zwei Wände. Zudem wird es eine Not-Fackel geben (um das Gas bei Problemen sicher verbrennen zu können) und eine Verladestation für vier Lastwagen.

3. Wer steht hinter dem Projekt?

Investoren sind der russische Energieriese Novatek (sechs Milliarden Euro Jahresumsatz) und das belgische Unternehmen Fluxys. Fluxys betreibt bereits LNG-Terminals in Belgien, ist an weiteren Anlagen dieser Art in Frankreich beteiligt. Nach Angaben von Winfried Krüger-Sprengel, Projektverantwortlicher bei Novatek, wollen die Unternehmen zusammen einen „hohen zweistelligen Millionen-Betrag“ in Rostock investieren.

4. Warum Rostock?

In Deutschland gibt es bislang kein Terminal für den Umschlag von LNG. In Brunsbüttel planen Mitbewerber von Novatek den Bau einer solchen Anlage, allerdings erst nach 2022. Rostock könnte bereits 2021 in Betrieb gehen. Die Hansestadt hat die perfekte Lage für die russischen Gas-Importe: Mit dem Schiff von Wyborg dauert der Transport nur ein, zwei Tage. In Brunsbüttel hingegen soll das Terminal deutlich größer werden, um die 450 Millionen Euro kosten und vor allem LNG aus Katar, Trinidad oder Australien beziehen.

5. Wer braucht LNG?

LNG gilt als Treibstoff der Zukunft, als Alternative zu Diesel und Benzin. Nach Angaben von Branchenverbänden wird bei der Verbrennung von LNG (in Motoren zum Beispiel) rund ein Viertel weniger CO2 freigesetzt, Feinstaub und Stickoxid-Emissionen gibt es fast gar nicht. „Die Nachfrage nach LNG steigt deshalb rasant“, sagt Jens Scharner, Geschäftsführer von Rostock Port. Reedereien, aber auch Speditionen, setzen verstärkt auf das flüssige Gas. Interesse an LNG hätten unter anderem Fährreedereien, die Rostock anlaufen, und auch Kreuzfahrt-Riesen wie Aida und Costa.

6. Wie wird das Gas transportiert?

Nach Rostock soll das Gas mit bis zu 170 Meter langen, Novatek-eigenen Spezialtankern gebracht werden, sagt Maik Bäumer, der Planer des LNG-Terminals. Zwei Schiffe pro Monat sollen in der ersten Phase den Seehafen ansteuern. Von Rostock aus wird das Gas dann mit Lastwagen weitertransportiert – auch nach Österreich und Polen. Ein Lastwagen kann 40 Kubikmeter LNG transportieren, pro Schiff kommen 30000 Kubikmeter in Rostock an.

7. Wie will der Hafen den zusätzlichen Verkehr bewältigen?

Seit Jahren plant der Hafen eine zusätzliche Abfahrt von der A 19. Über die neue Straße soll der Verkehr zum Gas- und zum Getreideterminal direkt auf die Autobahn geführt werden. „Wir warten auf die Entscheidung des Bundes“, so Hafen-Chef Scharner. Perspektivisch soll das LNG auch mit Kesselwagen auf der Schiene abtransportiert werden. „Wir haben dafür bereits eine Abfüllanlage, die nicht ausgelastet ist.“

8. Ist das Terminal gefährlich?

Nein, sagen die Planer. Selbst bei einem Leck in dem Tank besteht nur im Umkreis von 100 bis 200 Metern eine Gefahr. „Aber LNG bleibt am Boden, bis es verdampft“, so Planer Bäumer. Für die laute Technik – unter anderem eine „Verflüssigungsanlage“ – würden gerade Lärmgutachten erarbeitet.

9. Was hat Rostock davon?

„Ein neues LNG-Terminal bringt zusätzlichen Umschlag und neue Arbeitsplätze. Eine kostengünstige und zuverlässige LNG-Versorgung über ein eigenes Terminal würde die Attraktivität unseres Seehafens bei den Reedereien weiter stärken“, sagt Rostocks Vize- Oberbürgermeister Chris Müller- von Wrycz Rekowski (SPD).

Andreas Meyer

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