Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Gedenkstein für jüdischen Friedhof
Mecklenburg Rostock Gedenkstein für jüdischen Friedhof
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:06 10.01.2015
Hella Ehlers und Rüdiger Zöllig vom Förderverein stehen vor dem neuen Gedenkstein. Quelle: Mathias Otto

Eine handvoll Grabsteine und ein schmaler Zaun, versteckt zwischen Bäumen in einem Wohngebiet: Der jüdische Friedhof in Schwaan ist so unscheinbar, dass ihn viele Bürger noch nicht einmal kennen. Auf dem Grundstück in der Lindenbruchstraße gibt es keine Informationen über die Grabstätte. Das will der Kulturförderverein der Stadt ändern und setzt sich für mehr Aufklärungsarbeit ein. Schon seit etlichen Jahren fordert er einen Gedenkstein samt Hinweistafel. „Dieser Ort ist ein wesentlicher Bestandteil der Schwaaner Stadtgeschichte. Wir wollen erreichen, dass Leute mehr darüber erfahren“, erklärt Vorstandsmitglied Hella Ehlers. Jetzt hatte der Verein endlich Erfolg. Der Finanzausschuss segnete das knapp 1000 Euro teure Vorhaben ab.

„Was lange währt, wird endlich gut“, sagt der Vorsitzende Rüdiger Zöllig. „Wer diese Stätte besucht, soll auch informiert werden.“ Der Stein, gesponsert von Landwirt Heinrich Pannwitt, befindet sich bereits dort. Eine Metallplatte soll noch in diesem Jahr folgen. „Der Besucher soll aufgeklärt werden, von wann bis wann der Friedhof von der jüdischen Gemeinde in Schwaan genutzt wurde und wie sich das Gebiet im Laufe der Zeit verändert hat“, erklärt Hella Ehlers. Zusammen mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden hat der Verein einen Text entworfen, der auf dem Stein angebracht werden soll.

Zusätzlich soll die Tafel einen sogenannten QR-Code mit weiterführenden Informationen erhalten. Diese werden auf ein Handy weitergeleitet. „Zusammen mit Schulklassen wollen wir die jüdische Geschichte in Schwaan aufarbeiten. Die Ergebnisse sollen Bestandteil der Zusatzinformationen sein“, so Hella Ehlers.

Aktuell existieren nicht viele Informationen über den Friedhof. „Der große Brand im 18. Jahrhundert hat viele Dokumente darüber vernichtet“, sagt Rüdiger Zöllig. Momentan stehen sieben Grabplatten auf dem Friedhof. „Es gibt zwar keine Belege darüber, aber es sollten mal mehr als 40 Gräber gewesen sein“, weiß Hella Ehlers. 1915 wurde die Grabanlage an die Stadt übergeben, da sich die jüdische Gemeinschaft aufgrund der geringen Mitgliederzahl aufgelöst hatte. Sie ist immer noch für die Pflege zuständig.



Mathias Otto

Anzeige