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Rostock Gefährliche Gräben: Evershagen droht Hochwasser
Mecklenburg Rostock Gefährliche Gräben: Evershagen droht Hochwasser
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00:01 25.10.2017
So etwas wie 2011 möchten wir nicht wieder erleben. Edith Ehrke (80) Rentnerin
Evershagen

Hinter dem Wohngebiet Evershagen Dorf fließt ein kleiner Bach. Der Schmarler Bach. Einfach zu erreichen ist dieses Gewässer nicht. Wühlt man sich hingegen durch Gestrüpp und Geäst, zeigt sich ein unscheinbares Gewässer, von dem mehrere kleinere Zuflüsse in das Wohngebiet rund um den Brigitte-ReimannRing münden. Doch so klein und beschaulich der Eindruck sein mag, das Gewässer und seine Zuflüsse haben es in sich. Schon einmal sind sie über ihre Ufer getreten, haben das gesamte Viertel geflutet. Nun will die Stadt endlich etwas tun, um die Gefahr zu bannen.

260 000 Euro sollen investiert werden, um Gefahrenpotenzial zu mindern

Rückblick: Am 22. Juli 2011 hat es in Evershagen in sechs Stunden so viel geregnet wie sonst in einem ganzen Monat. Die Gewässer konnten dem Starkregen nicht standhalten, die Anwohner waren die Leidtragenden. Zwar wurden Durchläufe erweitert, um den Abfluss zu verbessern, doch neue Analysen und Szenarien zeigen: Für Starkregen ist das Gebiet bis heute nicht gewappnet. „Hydrologische Simulationen bestätigten, dass es bei Starkregen noch zu Wasseraustritten an Schächten kommt – trotz der bereits erfolgten Maßnahmen“, bestätigt Thomas Wenske vom Amt für Umweltschutz. Im Klartext:

Auch heute würde das Gebiet in Evershagen Dorf bei Starkregen überflutet werden, Keller und Flure würden erneut volllaufen.

Die Hansestadt und der Wasser- und Bodenverband müssen deshalb nachbessern: Denn immerhin sei der Schmarler Bach das „Hauptentwässerungssystem“ für die gesamte Gegend im Rostocker Westen. Ein Seitenarm des Grabens, der bisher mitten durch das Wohngebiet führt, wird umgeleitet. Das Wasser soll künftig nicht in den Hauptlauf, sondern – gefahrlos für die Häuser – in das Waldgebiet fließen.

Weit weg von den Häusern. „Das klingt ganz einfach, ist aber für die Wasserbauer eine Herausforderung. Wir müssen die Fließrichtung des Gewässers quasi umdrehen“, erklärt Wenske. Das Regenwasser über die Kanalisation abzuführen, sei nicht möglich, heißt es in einer Vorlage für die Rostocker Bürgerschaft. „Der WarnowWasser- und Abwasserverband verfügt derzeit nicht über geeignete Leitungssysteme zur geordneten Abwasserentsorgung in diesem Bereich“, schreibt Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) in dem Papier.

Die mit rund 260 000 Euro angesetzten Kosten fallen hingegen deutlich höher aus als vorerst angenommen. Zum einen verweist das Amt für Umweltschutz auf gestiegene Preise im Bauwesen, andererseits ist davon auszugehen dass es durch die Baumaßnahme rund um die Theodor-Körner-Straße zu Straßensperrungen und Umleitungen kommen kann, was das Vorhaben ebenfalls teurer macht.. Mittlerweile wurde das Bauvorhaben ausgeschrieben: „Das bedeutet, dass aller Voraussicht nach noch dieses Jahr mit der Sanierung begonnen werden kann“, sagt Wenske.

Bei den Bewohnern ist der Regen vom Juli 2011 noch in guter Erinnerung: Edith Ehrkes Haus liegt direkt am Ende des Reimann-Ringes an der Mündung zwischen Schmarler Bach und seinem Zufluss: „Damals ist das Wasser hinter unserem Haus über die schmalen Ufer gelaufen“, sagt Ehrke. Überall im Wohngebiet hätte das Wasser sehr hoch gestanden. Die meisten Häuser sind vollgelaufen, das Haus von Edith Ehrke wurde verschont. Sie war begeistert von der Kameradschaft, die sich in dem Wohngebiet ausgebreitet hat: „Jeder hat jedem geholfen“, sagt die 80-Jährige während sie in ihrem Garten gedankenversunken den Bach entlangschaut.

Die nun bewilligten Maßnahmen versprechen endlich – sechs Jahre nach der „Jahrhundertflut“ – besseren Schutz für Häuser und Bevölkerung in und um Evershagen Dorf. Die Bewohner des Wohngebietes müssen dann nicht mehr bangen, wenn es mal wieder mehr regnet. „Das wäre beruhigend“, sagt Edith Ehrke.

Moritz Naumann

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