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Rostock Gegner der NPD-Demo werden aktiv
Mecklenburg Rostock Gegner der NPD-Demo werden aktiv
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00:00 22.03.2013
Das neue Asylbewerberheim Güstrow im ehemaligen Wohngebäude der Deutschen Bahn soll im April eröffnet werden. Quelle: Mathias Otto
Güstrow

In der Barlachstadt formiert sich Widerstand gegen die geplante NPD-Demo am morgigen Sonnabend. Dass die Partei demonstrieren darf, hatte der Landkreis bereits am Anfang der Woche entschieden. Nach einem Aufruf der NPD auf Flyern und im Internet gegen das geplante Asylbewerberheim „in Dettmannsdorf und anderswo“ zu demonstrieren, sieht sich die Stadt nun in der Pflicht und reagiert entsprechend. Mit Mahnwachen, Friedensfesten und Infoständen soll an mehreren Orten in der Nähe der geplanten Route friedlich protestiert werden.

Aus der Sicht des Landkreises und der Polizei ist es jedoch nicht möglich, die Aktionen der Kritiker in unmittelbarer Nähe der Demonstration zuzulassen. „Wir legen einen großen Wert auf die Sicherheit. In einer kurzen Vorbereitungszeit ist keine andere Lösung möglich“, sagt Lutz da Cunha, zuständiger Dezernent beim Landkreis.

Der NPD-Aufzug beginnt um zehn Uhr in der Neuen Straße. Zum weiteren Streckenverlauf gehören Rostocker Chaussee, Neukruger Straße und Waldweg. Hier ist die erste Kundgebung geplant. Über die Niklotstraße (zweite Kundgebung) geht es dann zurück über die Rostocker Chaussee, St. Jürgens-Weg, Schwaaner Straße und Neue Straße.

Demonstrationsgegner sind verärgert über die Entscheidung des Landkreises. „Während die NPD am Jüdischen Friedhof vorbeimarschiert, sollen wir weit weg vom Geschehen protestieren“, sagt Karen Laurisch, Sprecherin vom Lokalen Bündnis für Familie Güstrow. Statt im Rosengarten oder in der Innenstadt ihr angemeldetes Friedensfest zu veranstalten, will sie nun zur Ahornpromenade ausweichen.

„Zur Not lege ich Rechtsmittel ein“, so Karen Laurisch.

Auch das Bündnis „Rassisten stoppen — Solidarität mit Flüchtlingen“ wehrt sich vehement gegen das Vorgehen des Landkreises. „Es kann nicht sein, dass zu gefährliche Neonazis als Argument herhalten müssen, legitimen demokratischen und friedlichen Protest ans andere Ende der Stadt zu verbannen. Wir haben ein Recht darauf, unseren Protest in Sichtweite der Neonazis zu äußern. Die Pläne des Landkreises sind undemokratisch“, so Sprecherin Julia Gärtner.

Neben dem Friedensfest wird es fünf weitere Veranstaltungen geben. Das Aktionsbündnis Vorpommern und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes — Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten werden ihre Mahnwachen auf dem Marktplatz halten und die Landtagsabgeordnete Barbara Borchert (Die Linke) wird an ihrem Stand in der Eisenbahnstraße auf Höhe des Jobcenters über Solidarität mit Flüchtlingen informieren. Zwei weitere Mahnwachen wird es in der Bredentiner Straße, Ecke Rostocker Chaussee (Bündnis 90/Die Grünen) und in der Schwaanschen Straße, Ecke Bredentiner Weg (Jusos-SPD) geben.

Der Präventionsrat der Stadt fordert alle Demokraten im Land auf, sich morgen mit friedlichen Aktionen für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit auszusprechen und die Protestaktionen zu besuchen.

„Wir begegnen den zukünftigen Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft in unserer Stadt aufgeschlossen und respektvoll. Menschen, die Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen, haben ein Recht auf eine menschenwürdige Unterbringung“, heißt es in dem Aufruf.

Schnelle Unterbringung ist unabdingbar
Es gibt immer größere Flüchtlingsströme aus Krisenländern.


Die eingewanderten Menschen sollen nach einem bestimmten Schlüssel auf die Bundesländer und von dort auf die Landkreise verteilt werden.

Im Landkreis werden derzeit aber nur 160 Menschen ausnahmslos im komplett belegten Asylbewerberheim in Bad Doberan untergebracht. 200 bis 250 Plätze fehlen. Mit dem Umbau des ehemaligen Bahngebäudes in Güstrow wird die Zahl um rund 120 verringert.

Mathias Otto

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