Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Geldnot sorgt für überfüllte Hörsäle
Mecklenburg Rostock Geldnot sorgt für überfüllte Hörsäle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 12.04.2013
Mathias Brodkorb (l.) ernennt Wolfgang Schareck zum Rektor der Uni Rostock. Quelle: HRO Mustermann
Schwerin

Überfüllte Seminare und Hörsäle, weil Personal für weitere Veranstaltungen fehlt — das bekommen die Studierenden der Universität Rostock schon jetzt zu spüren. Und die Situation könnte sich weiter verschlechtern. Das befürchtet das Konzil als höchstes universitäres Gremium. Der Grund: Die Finanzierung durch das Land reicht nicht aus, um höhere Ausgaben für die Mitarbeiter oder die Energie auszugleichen. Es droht ein Defizit von 17 Millionen Euro.

Entsprechend dem vereinbarten Hochschulkorridor bekommt die Universität Rostock in den nächsten beiden Jahren 99 Millionen Euro vom Land, nötig wären nach Angaben der Uni 116 Millionen Euro. Der Fehlbetrag ist als „dramatisch zu bezeichnen“, schreibt das Konzil an Landtagsabgeordnete und Landesregierung. Deshalb wendet sich das Gremium mit dem Problem an die Politik, bevor der Haushalt 2014/15 steht, erklärt Konzil-Präsident Professor Andreas Wree.

Die Gründe für die Millionenlöcher in ihren Etats hätten die Hochschulen im Land nicht selbst zu verantworten, betont Wree. Steigerungen bei Personal- und bei den Betriebskosten würden die jährliche minimale Erhöhung der Finanzierung durch das Land nicht mehr ausgleichen. Auch die gesetzlich vorgeschriebenen Rücklagen für Beamtenpensionen belasteten den Etat der Universität, nennt Wree ein weiteres Beispiel für die gewachsenen Geldnöte. Um den Lehr- und Forschungsbetrieb zu sichern, wären mindestens zusätzliche 10,6 Millionen Euro nötig, heißt es in dem Brief des Konzils, der der OZ vorliegt.

In anderen öffentlichen Haushalten seien Mehrkosten für das Personal durch höhere Gehälter eingeplant, bei den Hochschulen aber nicht, kritisiert der grüne Landtagsabgeordnete Johannes Saalfeld.

„Unfair“ nennt er das und fordert eine generelle Diskussion über die Finanzierung der Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern.

Allein die Tarifsteigerung beträgt in den kommenden beiden Jahren 5,6 Prozentpunkte, rechnet Andreas Wree vor. Immer öfter blieben schon jetzt frei werdende Posten unbesetzt, um Geld zu sparen. Rund 60 Stellen seien das derzeit. Die Folgen beklagt auch Sybille Bachmann als Vorsitzende des Personalrats der Universität. „So kann das nicht weitergehen.“ Die Nicht-Besetzung von freien Stellen würde zu einer Überlastung der anderen Mitarbeiter führen, sagt sie. Lehrveranstaltungen würden oft nur mit schlecht bezahlten Kräften in „prekären Beschäftigungsverhältnissen“ oder auch gar nicht mehr stattfinden.

Sybille Bachmann sieht eine Gefahr nicht nur für die Lehre, sondern auch für die Forschung, da fehlendes staatliches Geld durch Drittmittel ausgeglichen werden müsste. „Die Finanzierung der Universitäten reicht nicht aus“, stellt sie nüchtern fest.

Das merken auch die aktuell etwa 15 000 Studierenden. Es sollte mehr Professoren an der Uni geben, wünscht sich Robert Ackermann (26). „Gerade weil die Zahl der Studenten immer mehr zunimmt. “ An eine bessere personelle Ausstattung mag Konzil-Präsident Wree nicht denken. Wenn der Topf nicht voller wird, die einzelnen Mitarbeiter aber mehr verdienen, könnten eben weniger beschäftigt werden, fürchtet er — mit negativen Auswirkungen für Lehre und Forschung.

Rektor Wolfgang Schareck, der gestern die Ernennungsurkunde für seine zweite Amtszeit bekam, ist jedenfalls klar, dass die fehlenden finanziellen Möglichkeiten in den kommenden Jahren die größten Herausforderungen für die Universität Rostock mit sich bringen.

Bildungsminister ernennt Schareck zum Rektor
Nach der Wahl im November ist es nun ganz offiziell: Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) hat Professor Wolfgang Schareck für eine weitere Amtszeit zum Rektor der Universität Rostock ernannt. In Schwerin erhielt Schareck gestern die Urkunde. Die Amtszeit dauert fünf Jahre. „Ich wünsche Prof. Schareck weiterhin viel Erfolg bei der Erfüllung seiner Aufgaben“, so der Minister. In den vergangenen Jahren habe der Mediziner bewiesen, dass er die Universität erfolgreich führen kann.

Thomas Niebuhr

Anzeige