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Rostock Gemeinden kämpfen um Erhalt der Schleuse
Mecklenburg Rostock Gemeinden kämpfen um Erhalt der Schleuse
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00:00 14.03.2013
Papendorfs stellvertretender Bürgermeister Thomas Willert hofft, dass der Anleger bald von Booten genutzt werden kann. Quelle: Jens Barkhorn
Papendorf

Der Straßenverkehr auf der neuen Schleusenbrücke am Mühlendamm sollte längst rollen. Nun sind aber Alternativen zur Schleuse im Gespräch. Eine davon ist ein Damm, der damit die endgültige Schließung der Schleuse zur Folge hätte (die OZ berichtete). Stadt, Land und Wasser- und Schifffahrtsdirektion in Kiel wollen im Mai darüber entscheiden. Die an der Warnow liegenden Gemeinden südlich von Rostock kämpfen für den Erhalt der Schleuse.

„Es geht nicht, dass man den Fluss zumacht“, sagt Thomas Willert, stellvertretender Bürgermeister von Papendorf. Seine Gemeinde und Dummerstorf sowie die Städte Schwaan und Bützow wollen die Warnowregion touristisch erschließen. Bleibt die Schleuse zu, sei ein geplanter Schiffsverkehr bis in die Rostocker City nur eingeschränkt möglich.

„Das Schiff müsste in Warnemünde oder im Stadthafen ablegen und dann flussaufwärts fahren können“, erläutert Willert. Eine Anlegestelle vor der Schleuse, beispielsweise am Flussbad, schließt er aus:

„Da fehlt die Anbindung, im Stadthafen sind auch mehr Menschen.“

Schwaans Bürgermeister Mathias Schauer bedauert, dass mit den betroffenen Städten und Gemeinden noch nicht über eine mögliche Schließung der Schleuse gesprochen wurde. „Das soll aber noch im März zusammen mit Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling erfolgen“, so Schauer.

Zwischen Schwaan und Bützow gibt es bereits einen Bootsverkehr. Im vergangenen Jahr wurde die Strecke erstmals für einzelne Fahrten freigegeben. „Die Touren waren immer ausgebucht“, sagt Schauer. In diesem Jahr soll es weitere Fahrten geben, Tickets für die erste Tour seien bereits vergriffen.

Irgendwann soll es auch Fahrten bis nach Rostock geben. Für Bootseigner Sven Muskulus müssen diese aber nicht unbedingt im Stadthafen enden: „Das wäre unter dem Vermarktungsaspekt sicher toll, das ist für mich aber nicht so zentral.“ Wichtiger sei die Fahrt durch die Natur der Warnow. Eine Anlegestelle am Mühlendamm wäre für Muskulus ebenfalls kein Problem. „Ich habe da eine Kanustation, und auch dafür gibt es genug Laufkundschaft“, so Muskulus.

Für dieses Jahr hat er sogar ein zweites Boot angeschafft. Bis zu 20 Personen finden auf dem elektrisch angetriebenen Wasserfahrzeug Platz. Ein größeres Gefährt möchte Muskulus zunächst nicht auf der Warnow einsetzen: „Wir müssen erst einmal anfangen.“

Die Gemeinde Papendorf hat für die Bootstouren bereits Geld in die Hand genommen. Für etwa 100 000 Euro entstand ein Wasserwanderrastplatz, für weitere 30 000 Euro ein Anlegesteg für Boote am Warnowufer.

Nach derzeitigem Stand ist die Warnow von der Brücke der Eisenbahnlinie Rostock-Stralsund bis zur Mündung eine Wasserstraße des Bundes. Der möchte diesen Status jedoch loswerden. Demnach würde die Befugnis über die Schleuse in die Hände der Stadt fallen. Die Kosten für den Betrieb könne sich Rostock nicht leisten, heißt es aus dem Rathaus. Der Betrag belaufe sich auf zwei Millionen Euro.

Der Papendorfer Thomas Willert fürchtet ein solches Szenario ebenfalls: „Das wäre ein Rückschlag für unser Projekt.“

Zweitlängster Fluss in Mecklenburg-Vorpommern
ist mit 156 Kilometern der zweitlängste Fluss im Land. Sie entspringt 30 Kilometer östlich von Schwerin in Grebbin im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Im Jahre 1882 wurde die Schleuse am Mühlendamm im Zuge einer geplanten Wasserstraße nach Berlin gebaut. Die Warnow wurde bis nach Bützow schiffbar gemacht, der Wasserweg nach Berlin wurde aber nie verwirklicht. Der Schiffsverkehr wurde 1973 eingestellt.

Der Bereich von der Schleusenbrücke bis nach Warnemünde heißt Unterwarnow. Neben zwei kleinen Fährlinien kann sie mit dem Auto durch den Warnowtunnel gequert werden.

Jens Barkhorn