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Warnemünde Genting will das Werftbecken

Neue Schiffe sollen in Warnemünde statt Wismar ausgerüstet werden / Baustart im März

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Die MV Werften in Warnemünde und das Werftbecken (rechts): Die Stadt will hier einen neuen Kreuzfahrthafen bauen, doch auch Genting braucht dort Platz.

Quelle: Foto: Andreas Meyer

Warnemünde. Als die malaysische Genting-Gruppe im Juni 2016 die Warnemünder Werft übernahm, wollte sie einen Teil davon sofort loswerden – den Bereich um das sogenannte Werftbecken. Die Hansestadt schlug zu, legte nach einer Eilentscheidung der Bürgerschaft fast fünf Millionen Euro auf den Tisch und sicherte sich so den Platz für ein dringend benötigtes zusätzliches Kreuzfahrt-Terminal. Eineinhalb Jahre später könnte es nun die sprichwörtliche „Rolle rückwärts“ geben – zumindest für einen Teil des Areals: Genting schielt auf einen der neuen Anleger. Die MV

 

OZ-Bild

Eine städtische Kai-Anlage wäre für uns lukrativ.Stefan Sprunk Sprecher MV Werften

Die „Global Class“

5000 Gäste sollen an Bord der Schiffe der „Global Class“ Platz finden. Insgesamt wird es auf den 20 Decks 2400 Kabinen für

Passagiere geben.

340 Meter sollen die Neubauten aus Wismar und Warnemünde lang sein – und 46 Meter breit.

Werften könnten ihn für ihr größtes Projekt gut gebrauchen.

400 Meter für „Global Class“

Erst vor wenigen Tagen hatte Oberbürgermeister Roland Methling (UFR), selbst Branchen-Kenner, mit der Aussage überrascht, dass einer der geplanten neuen Anleger am Werftbecken für Schiffe mit einer Länge von 400 Metern ausgelegt werden soll. So große Kreuzfahrer gibt es bisher noch nicht: Das längste Passagierschiff der Welt, die „Harmony of the Seas“, misst „nur“ 363 Meter und das längste Schiff, das 2018 in Warnemünde anlegt – die „Regal Princess“ – gerade mal 330 Meter. „Richtig, 400 Meter lange Kreuzfahrtschiffe gibt es noch nicht. Aber beim Umbau des Werftbeckens sollten wir auch berücksichtigen, dass der Bau solch großer Schiff bereits geplant ist“, so Methling. Doch der 400-Meter-Plan scheint noch einen ganz anderen Hintergrund zu haben: Die MV Werften wollen im Nordosten die größten Kreuzfahrt-Schiffe der Welt bauen – die 342 Meter langen Schiffe der „Global Class“ für die Genting-eigene Reederei Star Cruises. Ursprünglich war geplant, dass Warnemünde „nur“

Segmente liefert, die Schiffe aber in Wismar zusammengebaut und ausgerüstet werden. Doch das ist auf absehbare Zeit nicht möglich. Und an dieser Stelle kommt das Werftbecken für Genting wieder ins Spiel.

Wismars Hafen ist zu flach

Das Problem in der Nachbar-Hansestadt Wismar: Der Hafen und die Zufahrt zur offenen See sind zu flach für die Kreuzfahrt-Giganten, die Genting bauen will. „Ja, die Endfertigung und die Endausrüstung der ,Global Class‘-Schiffe können unter den derzeitigen Bedingungen nicht in Wismar stattfinden“, sagt Stefan Sprunk, Kommunikationschef der Werften-Gruppe. Die Bundesregierung plant zwar den Ausbau der Fahrrinne – aber das kann noch Jahre dauern: „Zunächst brauchen wir die notwendige Unterhaltungsbaggerung, danach die Fahrrinnen-Vertiefung. Bis die Genehmigungsprozedur durch ist, werden wir die Endausrüstung an einem anderen Ort vornehmen. Das ist natürlich logistisch extrem aufwendig und zudem kostspielig.“

Der Ort der Wahl scheint Warnemünde zu sein: „Aktuell gibt es Gespräche, die Flächennutzung rund um das Werftbecken mit den technologischen Abläufen auf dem Werftgelände in Übereinstimmung zu bringen“, sagt OB Methling vielsagend. Werften-Sprecher Sprunk wird konkreter: „Mit der Stadt gab und gibt es sehr intensive und konstruktive Gespräche. Für unsere Ausrüstungspartner und uns selbst sind kurze Wege zum Schiff entscheidend.“ Und ja: „Eine Lösung wäre eine Endausrüstung der ,Global Class‘-Schiffe an unserer Kaikante in Warnemünde. Wenn eigene Kapazitäten dort nicht ausreichen, wäre eine städtische Kai-Anlage natürlich lukrativ.“ Dem steht aus Sicht der Stadt nichts im Weg: „Die Nutzung öffentlicher Anlieger steht vom Grundsatz her allen Interessenten offen“, so Methling.

Start für den bis zu 80 Millionen Euro teuren Bau des neuen Kreuzfahrt-Hafens soll noch in diesem Jahr sein.

Kritik nur hinter den Kulissen

Nach OZ-Informationen drehen sich die Gespräche zwischen Stadt und Werft derzeit um die Frage, wann welcher Teil des Werftbeckens für Genting nutzbar wäre. Intern ist die Kooperation mit den MV Werften aber nicht unumstritten: Dass die Stadt der Werft erst für Millionen das Werftbecken abkauft, um es Genting dann doch – zumindest zeitweise – zu überlassen, habe zumindest ein Geschmäckle, heißt es aus hochrangigen Kreisen der Stadtverwaltung. Und: Genting habe schon beim Kauf der Werften 2016 gewusst, dass ein Ausbau der Hafenzufahrt in Wismar zwar im Bundesverkehrswegeplan geplant sei, aber es bis zum Vollzug noch Jahre dauern werde. Auch Rostock Port soll „irritiert“ sein: Beim Hafenbetreiber wisse noch niemand, wie sich eine Nutzung des Werftbeckens durch die Genting-Gruppe auf das Kreuzfahrtgeschäft auswirken werde. Offene Kritik will aber niemand äußern: Dafür sei die Aussicht auf viele Hunderte neue Jobs auf der Werft zu wichtig für die Stadt.

Schiffbau startet im März

Nachdem in Wismar bereits die ersten Flusskreuzfahrtschiffe von den MV Werften abgeliefert wurden und in Stralsund der Bau der sogenannten „Endeavor“-Klasse begonnen hat, ist nun auch Warnemünde dran: „Anfang März starten wir mit dem Brennbeginn für Global 1 in Wismar und in Rostock“, sagt Stefan Sprunk. Vor allem für die Mitarbeiter sind das gute Nachrichten: Ein Großteil der Rostocker Belegschaft befindet sich noch in Kurzarbeit. „Diese Kollegen werden mit wieder hochfahrender Produktion planmäßig und sukzessive aktiv.“ 1800 Beschäftigte zählen die drei Standorte derzeit, 3000 werden es bald werden. Sprunk: „Die Rekrutierung von Fachpersonal gelingt sehr gut, über 400 Einstellungen gab es allein 2017. In diesem Jahr werden es besonders in der Fertigung deutlich mehr.“

Zum Baustart soll auch die größte Investition der Werften-Gruppe in Warnemünde in Betrieb gehen: die knapp 75 Millionen Euro teure neue Werfthalle mit einer hochmodernen Laser-Panellinie. „Die Arbeiten an der Halle liegen im Zeitplan, die Laser-Technik wird parallel bereits installiert“, so Sprunk. In Warnemünde werden die neuen Global-Schiffe nach ihrem Bau aber vermutlich nie wieder festmachen: Sie sind für den asiatischen Markt bestimmt.

Andreas Meyer

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