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Rostock Mehr Sachlichkeit im Umgang mit Wölfen gefordert
Mecklenburg Rostock Mehr Sachlichkeit im Umgang mit Wölfen gefordert
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14:00 19.10.2018
Bösewicht oder Bereicherung? Am Wolf scheiden sich die Geister. Quelle: epd
Blankenhagen

Der Angriff auf eine Schafherde bei Blankenhagen mit 15 toten Tieren (die OZ berichtete) heizt erneut die Debatte über den Umgang mit Wölfen an. Die Frage „Schützen oder schießen?“ polarisiert und wird in sozialen Netzwerken heftig diskutiert. Nicht selten läuft der Streit zwischen Fürsprechern und Gegnern des Raubtiers aus dem Ruder. „Polemik bringt uns nicht weiter. Sie steht einer vernünftigen Lösung entgegen. Wir brauchen eine sachliche Diskussion“, fordert Detlev Follack, Vizevorsitzender des Kreisjagdverbandes Rostock.

Dazu gehöre Aufrichtigkeit, ergänzt Jörg Harmuth. Der Leiter des Stadtforstamtes Rostock kritisiert, dass das Landesagrarministerium die Schafrisse bei Blankenberg, die sich bereits am 3. August ereignet hatten, erst jetzt publik macht. „Unter Jägern und Landwirten war das längst rum.“ Diese Vorgehensweise wecke in der Gesellschaft nicht gerade Vertrauen in die Politik. „Die Akzeptanz des Wolfs erhöht man so auch nicht. Man muss ehrlich zu den Leuten sein.“ Der Wolf sei ein explosives Thema. „Eines, für das wir noch keine praktikable Lösung haben“, sagt Harmuth. Das Agrarministerium hatte die späte Veröffentlichung mit Personalproblemen begründet.

Bundes-FDP fordert Abschuss

Die Schafsrisse von Blankenhagen werden auch in Berlin zum Politikum: Die FDP im Bundestag bekräftigt angesichts des aktuellen Falls ihre Forderung nach einem Jagdrecht. „Der Wolf ist schon lange kein exotischer Besucher mehr“, sagt der Bundestagsabgeordnete Hagen Reinhold. Angriffe auf Nutztiere häuften sich, der Wolf müsse als jagdbare Tierart in das Bundesjagdgesetz aufgenommen werden. Die FDP habe dazu im Januar einen Antrag in den Bundestag eingebracht, der aktuell im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit behandelt werde.

Ein Dutzend Attacken

12 Übergriffe auf Nutztiere, die durch einen Wolf verursacht wurden oder bei denen ein Wolf als Verursacher nicht ausgeschlossen werden konnte, hat es dem Landesagrarministerium zufolge seit Jahresbeginn in MV gegeben. Dabei seien 56 Tiere getötet und 23 verletzt worden. Am 3. August waren auf einer Weide bei Blankenhagen 15 Schafe von einem Wolf gerissen worden. Zehn weitere Tiere seien verletzt worden, einige so stark, dass sie verendeten oder getötet werden mussten.

Einzelgänger auf der Durchreise?

Das Agrarministerium in Schwerin geht bislang davon aus, dass ein durchziehendes Einzeltier für die toten Schafe bei Blankenhagen verantwortlich ist, will aber prüfen, ob sich ein Wolf oder mehrere Wölfe dauerhaft im Billenhäger Forst aufhalten. Daran, dass sich Isegrim in der Region ansiedeln wird, hat Jörg Harmuth keine Zweifel. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich der Wolf in der Rostocker Heide ausbreiten wird.“ An sich sei das kein Grund zur Panik und der Wolf zu Recht streng geschützt. „Er gehört in unsere Landschaft, aber eben nicht überall hin.“ In Siedlungsnähe hätten die Tiere nichts verloren. Als Förster habe er mit der Rückkehr des Wolfes kein Problem. „In einem funktionierenden Ökosystem ist er ein guter Regulator.“

Wichtiger Beitrag für das Ökosystem

Denn Wölfe jagen vorzugsweise, was für sie mit möglichst wenig Aufwand zu erlegen ist. Deshalb erbeuten sie neben jungen Tieren auch krankes, verletztes und altes Wild. Das könne zur Gesundheit der Bestände beitragen und Jäger müssten selbst weniger eingreifen, sagt Jörg Harmuth. Allerdings schnappe der Wolf nicht nur im Wald, sondern auch auf der Weide zu, gibt Detlev Follack zu bedenken. „Er ist ein Opportunist. Warum sollte er ein Wildschwein jagen, wenn er viel leichter ein Schaf reißen kann?“

Viele Viehhalter bangen um ihre Tiere. Die Kreisjägerschaft bleibt vorerst gelassen. Sorgen, der Wolf könnte ihren Jagdertrag schmälern, hätten sie nicht, sagt Follack. „Die Bestände sind groß genug.“ Dennoch plädiert er für Obergrenzen. „Wir müssen ein vernünftiges Maß finden. Auf lange Sicht werden wir nicht umhin kommen, den Wolf zu bejagen.“ Sei eine gewisse Populationsdichte überschritten, müsse der Wolf vergrämt oder zum Abschuss freigegeben werden. Wo das Limit liege, sei jedoch unklar, bemängelt Harmuth. „Wer definiert, wann ein Wolf ein Problemwolf ist und wie mit ihm dann umgegangen wird?“ Er spricht sich für Schweden als Vorbild aus. Dort kann auch ein geschütztes Tier getötet werden, sobald es eine Gefahr für Mensch und Nutztiere darstellt.

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Kommentar: Die Angst vor dem Wolf wächst – und die Sorge um ihn

Antje Bernstein

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