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„Greifi“-Skandal: Rostock fordert Geld zurück

Rostock „Greifi“-Skandal: Rostock fordert Geld zurück

Die Hansestadt nimmt den Künstler für die giftigen Kuscheltiere in Regress. Projektbüro wusste um „Defizite“ des Spielzeugs.

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Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling und das Kuscheltier „Greifi“.

Quelle: Andreas Meyer

Rostock. Der Skandal um das mit Weichmachern belastete Jubiläumskuscheltier „Greifi“ – er könnte für den Künstler Eneos alias Ené Slawow teuer werden: Nach OZ-Informationen gibt das Organisationsbüro des Stadtjubiläums ihm die komplette Schuld an dem Desaster um das Stofftier und fordert das bereits gezahlte Geld zurück. Insgesamt geht es um rund 23 000 Euro für 5000 bestellte „Greifis“. Unterdessen kommt raus: Das Jubiläumsbüro wusste offenbar schon seit Wochen, dass es die Stofftiere gar nicht verteilen durfte – tat es aber dennoch.

Landesamt weist Gift im Spielzeug nach

Hintergrund: Die Plüschtiere sollten das Geburtstagsgeschenk der Hansestadt an ihre jüngsten Erdenbürger sein: Jedes neu geborene Baby im Jahr 2018 sollte einen „Greifi“ erhalten. Doch bereits nach elf Tagen stoppte das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) die Aktion – weil dem Stofftier das gesetzlich vorgeschriebene CE-Siegel fehlt. Am vergangenen Freitag wurde dann aus der peinlichen Panne sogar ein handfester Skandal: Ein Fachlabor in Nordrhein-Westfalen hatte zwei „Greifis“ untersucht und in einem Teil des Auges giftige Weichmacher nachgewiesen – 260-fach über dem tolerierten Höchstwert. Die Stofftiere dürften nun auf dem Sondermüll landen.

Rechnungsprüfungsausschuss verlangt Antworten

Nun verlangt der Rechnungsprüfungsausschuss Antworten von Oberbürgermeister Roland Methling (UFR): Das Kontrollgremium will wissen, wer im Rathaus die Panne zu verantworten hat – und was sie die Stadt kostet. Gleich eine ganze Reihe von Fragen hat das Gremium um den Vorsitzenden Jan-Hendrik Brincker (CDU) dem Rathaus-Chef übermittelt. Unter anderem, wer genau den Auftrag für „Greifi“ ausgelöst. Nach OZ-Informationen war das die Leiterin des Jubiläumsbüros, Franziska Nagorny. Rostocks Stadtsprecher Ulrich Kunze nennt keine Namen, sagt lediglich: „Die Vergaberichtlinie gibt vor, dass ab einem Auftragswert von über 50 000 Euro der Vergabeausschuss hinzugezogen wird. Eneos wurde durch das Projektbüro Doppeljubiläum beauftragt“. Zuvor seien drei Angebote von Herstellern eingeholt worden.

Jubiläumsbüro wusste um Siegel-Defizit

Die Stadt räumt aber ein, dass sie zumindest um die rechtlichen Probleme mit „Greifi“ schon vor dem Einschreiten des Lagus gewusst habe: Die Mitarbeiter des Jubiläumsbüros hätten die Stofftiere nach der Lieferung der ersten 400 von insgesamt 5000 Exemplaren geprüft. „Sie haben den Auftragnehmer [Eneos Design, Anm. d. Red.] auf das fehlende CE-Zeichen hingewiesen“, sagt Stadtsprecher Kunze. Doch: Gestoppt wurde die Verteilaktion trotzdem nicht – zumindest nicht vom Rathaus.

Im Klartext: Die Stadt ließ die Kuscheltiere im vollen Wissen um das fehlende Siegel verteilen, obwohl bekannt war, dass dies gegen das Gesetz ist. Und: Die Stadt räumt ein, das sie allein für den Vertrieb verantwortlich war. Der Künstler habe versichert, dass alle weiteren 4600 Exemplare über das Siegel verfügen werden. Die restlichen Stofftiere sollen bereits produziert sein und in China auf den Versand warten. Die Stadt habe das aber gestoppt.

Unpräzise Vorgaben aus dem Rathaus

Auf OZ-Anfrage sagt Stadtsprecher Kunze, das Organisationsbüro habe dem Künstler lediglich Vorgaben hinsichtlich des Aussehens von „Greifi“ gemacht: Ja, es habe eine Produktbeschreibung gegeben. Aber: „Die bezog sich auf die Gestaltung des ,Greifis‘. Der Zweck – die Vergabe an Neugeborene – wurde ebenfalls benannt. Die Größe wurde als Richtwert benannt, die Farbe festgelegt. Gewicht, Material und Beschaffenheit oblagen dem Auftragnehmer.“

Genau deshalb soll Eneos nun für die Panne zahlen: „Ein materieller Schaden für die Hansestadt kann bislang nicht konstatiert werden, da seitens der Hanse- und Universitätsstadt Rostock per Reklamation eine Rückforderung geltend gemacht wird“, sagt Kunze. Er spricht aber von einem „Imageschaden“, der Rostock durch den Kuscheltier-Skandal entstanden sei. Die Stadt wolle nun fünf neue Hersteller anschreiben und um Angebote für „saubere“ Stofftiere bitten. Knapp 100 giftige „Greifis“ wurden bereits an Babys verteilt. Die Eltern seien schriftlich informiert worden, heißt es aus dem Rathaus.

Andreas Meyer

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