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„Greifi“ ist giftig: Weichmacher in Rostocker Maskottchen

Rostock „Greifi“ ist giftig: Weichmacher in Rostocker Maskottchen

Werte im Jubiläums-Plüschtier 260-fach über tolerierter Höchstgrenze

Rostock. Jetzt ist es amtlich: Das Rostocker Jubiläums-Kuscheltier „Greifi“ ist hochgiftig. Das hat die chemische Analyse eines Speziallabors in Nordrhein-Westfalen ergeben. Das Plüschtier, das seit Anfang des Jahres an alle Neugeborenen in der Hansestadt verteilt wurde, ist massiv mit einem gesundheitsgefährdenden Weichmacher – Diethylhexylphthalat – belastet. Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) wurde der Stoff im Auge des Spielzeugs nachgewiesen – in einer Konzentration 260-fach über dem tolerierten Höchstwert. Die „Greifis“ müssen nun entsorgt werden.

Bereits seit zwei Wochen dürfen die Kuscheltiere auf Anweisung des Lagus nicht mehr verteilt werden. Recherchen der OZ hatten ergeben, dass das Spielzeug nicht über die zwingend vorgeschriebene CE-Kennzeichnung der Europäischen Union verfügt. Das Landesamt ließ daraufhin die Verteilaktion zum 800. Stadtgeburtstag in Rostock stoppen und zwei „Greifis“ im Labor untersuchen. „Physikalisch waren die Tiere nicht zu bemängeln. Aber die chemische Analyse hat ergeben, dass Weichmacher enthalten sind“, sagt Dr. Heiko Will, Leiter des Lagus in Rostock. Mit den Stoffen werde Plastik elastisch gemacht: „Weichmacher finden zum Beispiel bei der Herstellung von Kabeln Verwendung. In Spielzeug und Baby-Produkten sind sie seit 2008 strengstens verboten“, betont Will. Die Stoffe stehen in Verdacht, die Gene zu schädigen. Bis zu einem Gehalt von 0,1 Prozent würden die Stoffe toleriert. In dem betreffenden Teil des „Greifi“ lag der Anteil bei 26 Prozent. „Das Spielzeug darf nicht in Umlauf gebracht werden, gesundheitliche Folgen sind nicht abzuschätzen.“

Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) reagierte prompt: „Die 96 Eltern, die bereits einen ,Greifi’ geschenkt bekommen haben, wurden informiert und gebeten, das Spielzeug nicht zu verwenden.“ Von den möglichen Gefahren spricht er erneut mit keinem Wort. Im Gegenteil: Methling spielt das Ganze herunter. Tests eines Hamburger Labors im Auftrag der Stadt hätten ein anderes Ergebnis als die des Lagus ergeben. Die Stadt wolle nun Wege finden, einen unbedenklichen „Greifi“ herzustellen. Insgesamt wurden bisher 5000 Stofftiere im Wert von rund 23000 Euro bei einem Hersteller in China geordert.

Andere Städte in MV haben nicht solche Probleme mit ihrem Maskottchen: „Unsere Krähe hat natürlich das CE-Siegel und darf ohne Sorgen verteilt werden“, sagt Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler (parteilos) über das städtische Stofftier. Auch der Greifswalder „Grypsi“ sei unbedenklich, versichert Petra Hilbert vom städtischen Marketing-Büro: „Er wird in der Greifen-Werkstatt hergestellt – von Menschen mit Behinderungen. Wir ordern nicht in China.“ Auch der Rostocker Zoo versichert: Alle rund 18000 Kuscheltiere, die hier im Jahr verkauft werden, seien geprüft.

Andreas Meyer

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