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Rostock Grillen und Golf im Domizil für Senioren
Mecklenburg Rostock Grillen und Golf im Domizil für Senioren
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04:17 25.05.2013
Prosit: In der Wohnung haben sich Horst und Anna Werchau nun eingelebt. Sie überzeugt das Prinzip „Servicewohnen“. Quelle: Claudia Tupeit
Graal-Müritz

Zur Einweihungsparty gönnt sich Horst Werchau einen kleinen Schnaps. Der Blick schweift aus seiner rund 55 Quadratmeter großen Wohnung ins Grüne, das seinen Balkon in Graal-Müritz umgibt. Dann lächelt er seiner Frau Anna zu. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt der 90-Jährige und seine ein Jahr jüngere Frau nickt mit dem Kopf. Im November ist das Ehepaar in das neue Domizil des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Warnow-Trebeltal in unmittelbarer Strandnähe eingezogen. „Servicewohnen“ heiße das Projekt, erzählt Regionalverbands-Geschäftsführer Stefan Lehmann.

Für die 35 Mieter in 21 Wohnungen soll dieser Begriff vor allem für Mitgestaltung stehen. „Die Bewohner reden beim Nachmittagsprogramm mit und haben entschieden, wie der Gemeinschaftsbereich aussehen soll“, nennt Fridtjof Behrens ein paar Beispiele. Der 34-Jährige ist die gute Seele des Hauses. Zwei Tage pro Woche ist er nur für die älteren Herrschaften da. Das fängt beim Organisieren von Ausflügen an und hört bei der Hilfe für Behördensachen auf. Wer Ruhe will, zieht sich in seine vier Wände zurück. „Alle sollen hier so lange wie möglich selbstständig leben“, sagt Behrens jedoch mit Blick auf die Gemeinschaft.

Genau das Richtige für die Werchaus, die gerade den 60. Hochzeitstag gefeiert haben. „Bis jetzt sind alle Nachbarn hier sehr nett“, sagt Anna Werchau, geboren in Schlesien. Mit ihrem Mann hat sie bis zum vergangenen Jahr in Wolfenbüttel in Niedersachsen gelebt. Ein Umzug, der schwergefallen ist. Nicht nur wegen des hohen Alters. „Wir haben dort ja alles aufgegeben“, sagt die 89-Jährige. Aber nun wohnten sie immerhin im gleichen Ort wie ihr einziger Sohn. „Und wo andere Leute Urlaub machen“, Horst Werchau lächelt.

Neben der Terrasse, auf der es gestern bei der offiziellen ASB-Feier nach Thüringer Rostbratwürsten duftet, probiert sich Lieselotte Krüger an der kleinen Golfanlage aus. Fazit: nicht so ihr Ding.

„Ich mag eher die Ausflüge, die Herr Behrens organisiert. Zum Beispiel nach Dänemark“, sagt die rüstige 82-Jährige. Oder Karten spielen. Der Favorit Krügers, die Jahrzehnte in Rostock gelebt hat:

Rommé. Mitspieler hat sie dafür stets genug: Sämtliche Wohnungen in der Doktor-Leber-Straße sind bereits vergeben.

Steiniger Weg bis zum fertigen Haus
Drei größere Unterbrechungen musste der Thüringer Bauherr Hans-Peter Schirm mit Niederlassung in Graal-Müritz überstehen, bevor im November vergangenen Jahres Senioren das Wohnhaus beziehen konnten. Zwangspausen gab es nicht nur wegen der schlechten Witterung (als Beispiel nennt Schirm den „Jahrhundertregen“ 2011). Aus der Nachbarschaft gab es ein paar Proteste gegen das Projekt. Anwohner wollten lieber die Grünfläche mit den Bäumen behalten. Am

Ende wurden einige gefällt.

Claudia Tupeit