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Grüner Oberbürgermeister für vier Wochen

Hansaviertel Grüner Oberbürgermeister für vier Wochen

Umweltsenator Holger Matthäus führt derzeit die Amtsgeschäfte im Rathaus. Er wünscht sich einen kulturvollen Umgang und würde zur Klausur in ein Schloss bitten.

Hansaviertel. Rostock hat einen grünen Bürgermeister — zumindest auf Zeit. Für fast vier Wochen vertritt Bau- und Umweltsenator Holger Matthäus Roland Methling (UFR) als Chef des Rathauses.

Die bisherigen 1. Stellvertreter des OB, Finanzsenator Georg Scholze (CDU) und Kultursenatorin Liane Melzer (SPD), haben beziehungsweise werden Rostock verlassen, so hat Matthäus das Vergnügen. Und ein solches ist es ihm, wie er sagt. Er kommt weiter mit dem schwarzen Tourenrad zur Arbeit, klingelt bei Bedarf mit einer gelben Smiley-Klingel — „grüne gab es nicht“. Nur Montag und Mittwochvormittag kehrt er im Rathaus ein, um im OB-Büro und beim Sitzungsdienst Angelegenheiten zu klären.

Ansonsten sitzt der 49-Jährige weiter in seinem Senatorenbüro im Haus des Bauens und der Umwelt am Holbeinplatz. Der Blick vom siebten Stock auf Warnow und ehemaliges Werftgelände sei freier als der aus jedem Rathausfenster. „Ich trenne die Ämter nicht“, sagt Matthäus, der seinen Senatsbereich weiterführt und ab 1. September sogar noch die Außenverwaltung für die scheidende Kultursenatorin.

Das OB-Amt bedeute in erster Linie, Vorlagen und Unterschriftenmappen durchzuarbeiten — „und das ist alles gute Vorarbeit aus dem Rathaus“. Zudem müsse er als amtierendes Stadtoberhaupt Termine wahrnehmen — Beachsoccer-Cup in Warnemünde oder Sommerakademie der Universität — und Gäste der Stadt begrüßen, wie jetzt eine Delegation aus Niederösterreich.

Das Thema Feuerwehr sei auch bei ihm „Chefsache“, betont Matthäus. Er habe sich in einem Brief bei den Kameraden für den entstandenen Eindruck eines Generalverdachts entschuldigt. „Das wurde akzeptiert“, sagt er. Er habe sich intensiv in den Streit eingearbeitet und sei daher enttäuscht, dass das gemeinsame Gepräch am Montag von der Feuerwehr abgesagt wurde: „Ich hätte gern meine persönliche Meinung dazu geäußert.“ Nun wolle er so schnell wie möglich zu einer klärenden Beratung einladen, um den Problemkatalog der Feuerwehr abarbeiten zu können.

Mit dem OB-Posten hat Matthäus bis zur Rückkehr Methlings am 9. September auch das Stadtplanungsamt zurück. Der Senator lächelt. „Ich nutze die Situation nicht aus, um Kräftespiele in der Verwaltung zu starten. Ich erwarte von allen, wie auch sonst, eine faire und loyale Zuarbeit.“ Generell wünscht sich der eher ruhige Senator einen friedfertigen, kulturvollen und konsensorientierten Umgang miteinander — in der Verwaltung wie in der Politik.

Würde er wirklich länger der erste Mann in Rostock sein, „dann würde ich mich einmal pro Jahr mit allen Senatoren und Spitzen der Bürgerschaft ein Wochenende lang in einem abgelegenen Schloss im tiefsten Mecklenburg einschließen“, sagt Matthäus. „Wir würden dort, moderiert vom Rektor oder einem anderen kreativen Kopf der Universität, in Klausur über Schwerpunkte der Stadtpolitik diskutieren.“ Mit gemütlichem Ausklang, denn auch das sei für ein gutes Klima wichtig. Und ein solches wünscht sich der OB auf Zeit.

Außerdem würde er die Verwaltungsstrukturen so ordnen, dass sie fachlich besser passen und eine ganzheitliche Stadtentwicklung zum Ziel haben. Auch OBs Auto hätte keine Zukunft: Er würde den Dienstwagen gegen eine Jahreskarte des öffentlichen Nahverkehrs eintauschen, sein Dienst-Pedelec oder einen Elektro-Smart als Dienstfahrzeug nutzen.

Und wenn er schon beim Träumen ist: Er würde alle kommunalen Geschäftsführer und Vorstände, die Wirtschaftsbetriebe der Stadt organisieren und Gewinne einbringen, monatlich zum Austausch bitten. Es mangele an Kommunikation in der Hansestadt, bemerkt Matthäus, der für jeden Meinungsstreit offen sei. „Aber am Ende zählen Mehrheiten.“ Bei den anstehenden Multi-Kulti-Wochen in der Stadt will er sich persönlich einbringen. Rostock müsse sich kulturvoll für Menschen aus aller Welt öffnen. „Von ihnen können wir uns Lebenslust abgucken — und haben vielleicht weniger Lebensfrust.“

 

Doris Kesselring

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