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Gute Reise, Thomas Leuchert: Ein Landkreis nimmt Abschied

Fast 500 Gäste bei Trauerfeier im Doberan: Tränen und bewegende Worte für verstorbenen Landrat Gute Reise, Thomas Leuchert: Ein Landkreis nimmt Abschied

Mit einer bewegenden Trauerfeier in Bad Doberan haben Familie, Freunde, Gefährten, Landesregierung und Bürgermeister dem verstorbenen Landrat die letzte Ehre erweisen.

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Im gro�en Saal fanden l�ngst nicht alle Trauernden Platz: Viele mussten im Foyer oder auch drau�en vor dem Landratsamt stehen.

Bad Doberan. Neben dem Sarg aus hellem Eichenholz steht ein Bild. Thomas Leuchert ist darauf zu sehen. Er lehnt entspannt auf einem Boot. Hinter ihm Weite, Wellen, die offene See. In seinem Gesicht ein zufriedenes Lächeln. Das Bild zeigt Leuchert so, wie er vielen Menschen in Erinnerung bleiben wird: stark, ehrlich und bodenständig. Es zeigt aber auch, was dem langjährigen Landrat des Landkreises Rostock nicht mehr vergönnt war: Mit seiner Frau Karen wollte er die Welt umsegeln. Doch eine schwere Krankheit beendete den Traum. Gestern mussten Familie, Freunde und Weggefährten Abschied vom beliebten SPD-Politiker nehmen.

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Viele Zuh�rer waren von den Reden tief bewegt und traurig.

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Mit einer großen Trauerfeier im Festsaal der Doberaner Kreisverwaltung erwies der Landkreis seinem Verwaltungschef die letzte Ehre. Die Gästeliste selbst war der beste Beleg, wie hochgeschätzt Leuchert weit über die Grenzen „seines“ Kreises hinaus war: Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) nahm gleich neben der Familie Platz. Die stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD, Sozialministerin Manuela Schwesig, Agrarminister Till Backhaus (SPD) und Innenminister Lorenz Caffier (CDU) reihten sich ebenfalls in den Trauerzug ein. Bürgermeister, Vertreter von Vereinen und Unternehmen, der Bundeswehr und der Polizei sowie Leucherts Landratskollegen — darunter Ralf Drescher (CDU, VorpommernRügen) und Barbara Syrbe (Linke, Vorpommern-Greifswald) — waren zum letzten Geleit gekommen. 200 Gäste fanden im Saal Platz. Ebenso viele mussten im Vorraum oder draußen, in der Kälte vor dem Landratsamt, der Andacht folgen.

Nein, es sei nicht immer leicht gewesen, mit Thomas Leuchert zu verhandeln, sagte Sellering in seiner Trauerrede. „Er war eher der knorrige Typ, aber voller Mitgefühl und Verständnis“, so der Ministerpräsident. Leucherts Verlust wiege schwer . Vor allem für die Familie — seine Frau, die acht Kinder und neun Enkel — und nicht zuletzt für den Landkreis: „Er hat die Region 20 Jahre auf gutem Kurs gehalten.“

Die Dixieland-Band des Landespolizeiorchesters spielte beswingte Jazz-Klänge. Vorne: der Sarg. Bedeckt mit Blumen, umrahmt von einer Ehrengarde der Feuerwehr mit blankpolierten Helmen. Manfred Gerth, langjähriger Freund und Weggefährte des verstorbenen Landrats, rang immer wieder mit den Tränen, als er über den privaten Thomas Leuchert sprach: „Du warst für Deine Kinder ein Leben lang ein Anker“, so Gerth. „Der frühe Tod passte nicht zu Deinem Leben, zu Deinen Plänen.“ Gerth war es, der Leuchert 2011 als Landrat im neuen Großkreis einführte. „Und jetzt muss ich Dich begleiten, wie Du aus diesem Amt scheidest.“

Der traurige, aber zugleich herzergreifendste Moment: Gemeinsam sagen Leucherts Kinder ihrem Vater Lebewohl. „Papa, Du hast starke, zuversichtliche Menschen aus uns gemacht. Es gab von Dir immer knappe, klare Ansagen“, sagte Leucherts älteste Tochter Anna. Mut und Tatkraft habe Leuchert erwartet, der Weg des geringsten Widerstandes sei keine Option: „Für das Zögern hatten wir ein Wort:

,schraudeln‘.“ Weiter: „Dein starker Arm wird uns fehlen. Wir sind stolz auf Dich, den besten Papa der Welt.“

Aus den Lautsprechern spielt Rod Stewarts Klassiker „I am sailing“, Leucherts Lieblingslied. Durch die Fenster scheint die Sonne. Schneeflocken wirbeln durch die Luft, während ein Landkreis seinem Landrat „Gute Reise“ wünscht.

• Online:

Video von der Trauerfeier auf www.ostsee-zeitung.de

Andreas Meyer

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