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Rostock Hängt ein Kunstschiff am Haken
Mecklenburg Rostock Hängt ein Kunstschiff am Haken
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00:23 16.05.2018

Das „Ship of Tolerance“ ist bereit für seine große Fahrt. Die ist streng genommen zwar eher kurz, aber auch dieser Weg will erst einmal störungsfrei zurückgelegt sein. Sonnabend wird das maritime Kunstprojekt im Stadthafen offiziell vorgestellt, gestern erfolgte im Fischereihafen die entscheidende Vorarbeit: Das „Schiff der Toleranz“, ein Kunstprojekt des russischstämmigen Künstlerpaars Ilya und Emilia Kabakov, wurde zu Wasser gelassen. Ein Kran hob den siebeneinhalb Tonnen schweren Bootsrumpf auf eine Plattform. Selbst schwimmen kann das Kunst-Schiff nicht.

Kurze Reise durch die Luft: Ein Autokran hob das „Ship of Tolerance“ auf den Schwimmponton. Quelle: Fotos: Ove Arscholl
Die Anspannung ist erst Sonntag vorbei, erst muss das Schiff in den Stadthafen.Guntram Porath, Organisator

Emilia Kabakov begutachtete vor der Wasserprobe mit kritischem Blick die von Kindern und Jugendlichen gemalten Segel. Ihr Fazit: Es seien die besten Bilder-Segel, die für die insgesamt zehn Schiffe, die bis heute weltweit gebaut wurden, gemalt wurden. Und auch die handwerkliche Ausführung des Schiffs gefiel ihr.

Eine kleine Gruppe Mitwirkender, Unterstützer, Reporter und Hafenarbeiter sah zu, als der große Autokran die 20 Meter lange Holzkonstruktion langsam anhob und vorsichtig auf die Schwimmplattform setzte. Nachdem die Beteiligten fast 45 Minuten auf den verspäteteten Kran warten mussten, war die Aktion nach fünf Minuten wieder vorbei.

„Sieht toll aus und ist handwerklich von guter Qualität“, lobt Jens-Uwe Hopf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, die das Kunstprojekt unterstützt. Fünf Kammer-Betriebe haben mitgebaut, viele weitere Unternehmen unterstützten das Vorhaben mit Material, Dienstleistungen und anderem. Auch die Tischlerei des Kammer-Vize-Präsidenten Jens Meinert beteiligte sich. „Am Anfang war ich skeptisch, ob es rechtzeitig fertig wird“, räumt Meinert ein. Aber dann sei alles sehr schnell gegangen. Gerade einmal zwei Wochen im April dauerte es, bis das Werk vollendet war. Das Ergebnis könne sich sehen lassen, findet Meinert. Für die Bauleitung war ein von den Künstlern beauftragtes Handwerkerteam aus Manchester zuständig, die bereits die anderen Toleranz-Schiffe gebaut haben, unter anderem in Rom, Venedig, New York, Moskau, Havana und Miami. Als Vorlage dienten ihnen Fotos statt detaillierter Bauzeichnungen. „Alle, die mitgemacht haben, hatten viel Spaß“, erzählt Guntram Porath, der das Projekt im Auftrag der Kunsthalle leitete. Das Museum hielt den Kontakt mit den Künstlern und hat das Schiff sozusagen nach Rostock geholt. Wenige Minuten bevor das Schiff angehoben wird, steht Porath noch mit skeptischer Mine auf dem Ponton und prüft, ob alles in Ordnung ist. Als der Holzrumpf dann wenig später sicher auf der Plattform ruht, schaut Porath sichtlich zufrieden. „Die Anspannung ist erst am Sonntag vorbei“, sagt er. Erst muss das Schiff noch in den Stadthafen und dann steht noch die Eröffnungsfeier an. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) ist die Schirmherrin. Bis Oktober wird es regelmäßig Programm an Bord geben, das „Ship of Tolerance“ bietet dafür eine klassenraumgroße Innenkabine. Nachts wird das Segel, das aus 104 Einzelbildern zum Thema „Toleranz“ besteht, angeleuchtet.Gut 50 weitere Bilder sind an den Aufbauten an Deck angebracht. 2600 Beteiligte, Schüler, Kita-Kinder und Familien aus dem Großraum Rostock, malten in den vergangenen Monaten insgesamt mehr als 800 Bilder. Auch Flüchtlinge machten mit, was sicher gut zum kulturverbindenden Ansinnen der Künstler passt. Wer sein Werk am Segel vermisst, muss nicht traurig sein. Die Motive werden getauscht, sagt Guntram Porath. Ein Lieblingsbild habe er nicht, meint er. Eines mag er aber doch etwas mehr: Es zeigt eine Gruppe Schafe nebeneinander und übereinander auf einer Wiese. Die meisten sind grau-weiß, einige bunt. „Sehen Sie“, sagt Porath, „es ist kein schwarzes Schaf dabei“. Niemand wird stigmatisiert, das ist Toleranz.

Projekt für mehr Toleranz

10 „Ships of Tolerance“ sind seit 2005 in aller Welt gebaut worden. Das Kunstprojekt soll Menschen verschiedener Identität und Kultur miteinander verbinden. Das Projekt in Rostock ist das erste „Schiff der Toleranz“ in Deutschland.

Sonnabend wird das Schiff im Rahmen des MV-Tags mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Oberbürgermeister Roland Methling offiziell eingeweiht. Es soll anschließend bis Oktober an seinem Liegeplatz bleiben. Kunsthallenchef Jörg-Uwe Neumann kritisiert, dass das Schiff nicht auf der offiziellen Karte des MV-Tags eingezeichnet ist.

Eine Ausstellung mit Kunst von Ilya und Emilia Kabakov eröffnet am Donnerstag um 18 Uhr in der Kunsthalle.

Gerald Kleine Wördemann

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