Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Halbinsel Wustrow wieder zugänglich
Mecklenburg Rostock Halbinsel Wustrow wieder zugänglich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:29 12.06.2018
Gartenstadt ganz nah: Herbert Bannow bietet ab sofort Kutschfahrten auf die Halbinsel Wustrow an. Quelle: Anja Levien
Anzeige
Rerik

Nach über 80 Jahren wird die Halbinsel Wustrow bei Rerik (Landkreis Rostock) für die Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Ab sofort werden Kutschfahrten auf die Insel angeboten, geführte Wandertouren sollen hinzukommen.

Ab sofort werden geführte Touren auf die Halbinsel bei Rerik angeboten. Diese ist seit Jahren für die Öffentlichkeit gesperrt, war früher Militärgebiet. Eigentümer Anno August Jagdfeld möchte die Halbinsel touristisch entwickeln.

Kutschfahrten

Im Juni montags und mittwochs, ab Juli dienstags und donnerstags ab Kurverwaltung Rerik. Buchung über Telefon 0174/8001881.

Bäume und Sträucher versperren die Sicht auf die Häuser der Gartenstadt auf der Halbinsel Wustrow. Die Fenster sind zerstört, das Mauerwerk bröckelt. Herbert Bannow lenkt die Kutsche an den Bauten vorbei, fährt weiter rauf auf die Halbinsel. Ab sofort bietet der Reriker Kutschfahrten hierhin an, hat eine Vereinbarung mit der Entwicklungs-Compagnie Wustrow (ECW) geschlossen. Eigentümer Anno August Jagdfeld möchte die Insel für die Öffentlichkeit wieder zugänglich machen.

Verkehrskonzept erstellt

Mehr als 80 Jahre war die Halbinsel für die Öffentlichkeit gesperrt, war lange Zeit Militärgebiet. Seit 1998 ist sie in Besitz von Anno August Jagdfeld, der hier Hotel, Ferienhäuser und einen Golfplatz touristisch entwickeln wollte. Die Pläne scheiterten unter anderem am Verkehrsproblem. Jetzt soll ein neuer Anlauf genommen werden. „Wir haben auf Wunsch der Stadt Rerik ein Verkehrskonzept erstellen lassen“, sagt Hans-Joachim Meier, freier Berater der ECW und ehemaliger Chef des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg. Das liege der Stadt jetzt vor. Denn auch weiterhin plane die ECW, die Halbinsel auszubauen. „Ferienwohnungen und Dauerwohnungen sollen hier entstehen. Voraussetzungen dafür sind der Einhalt des Naturschutzes und die Bereitschaft der Kommune, das mitzutragen“, sagt Hans-Joachim Meier. Durch eine Bebauung würde der Verkehr in Rerik zunehmen. Wie dieser reguliert werden könne, werde in dem Verkehrskonzept erläutert.

90 Gebäude auf Halbinsel

Mit der Kutsche geht es an der alten Radarstation vorbei zur Steilküste. Erster Stopp, Blick auf Rerik mit Kirche und Seebrücke, hinter einem alten Militärbau, zum Teil zugewachsen. Die Natur hat sich die Halbinsel Wustrow längst zurückerobert. Etwa 90 Häuser stehen hier noch, sagt Hans-Joachim Meier. 700 der insgesamt 1000 Hektar großen Halbinsel sind Naturschutzgebiet. Versteckt im Boden befinden sich Munition, Unrat, Metall. Das ist auch der Grund, warum die Halbinsel für die Öffentlichkeit gesperrt ist: „Sie ist munitionsbelastet“, sagt Hans-Joachim Meier. „Hier wurde geschossen, Übungen durchgeführt, vielleicht Munition vernichtet. Da können wir keine Leute drauf lassen.“ Die Gartenstadt und das 200 Hektar große Landschaftsschutzgebiet seien zwar beräumt worden, „aber die Hand ins Feuer legen können wir dafür auch nicht“, so Hans-Joachim Meier. Weil Gäste nicht bei der Gruppe blieben, seien deshalb auch vor einigen Jahren die geführten Touren untersagt worden. Die neuen Touren mit Klaus Feiler sollen auf 15 Personen beschränkt werden.

Auf der sieben Kilometer langen Kutschfahrt sieht man vor allem eines: Natur. Am Wegesrand liegen ab und zu Geröllhaufen aus Betonteilen – Reste der Munitionsbergungsarbeiten, sagt Meier. 80 Tonnen seien damals von der Insel gebracht worden. Weiter geht es durch das Landschaftsschutzgebiet. „Das war hier alles mal bebaut, die Bäume sind nicht älter als 15 Jahre“, sagt Frank Vökler von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Rostock. „Ich kenne Bilder aus den 30er Jahren, wo kaum Bäume auf der Insel zu sehen sind.“

Genehmigung für Fahrt ins Naturschutzgebiet

Das Naturschutzgebiet ist weiterhin mit Munitions belastet. Eine Beräumung sei nicht geplant, zu teuer, so Meier. Mit der Kutsche geht es bis zum alten Bollwerk, das im Naturschutzgebiet liegt. Hier steht ein altes kleineres Gebäude. Die Kaimauer ist zum Teil eingebrochen. Die ECW habe sie schon gutachterlich untersuchen lassen, erläutert Meier. Vor Jahren habe es die Idee gegeben, die Baustoffe von hier aus zu transportieren, doch das Gewässer sei zu flach. Ein Abriss der Anlage würde Millionen kosten. Damit die Kutschfahrten bis hierhin gehen, muss die Untere Naturschutzbehörde zustimmen. „Naturschutzgebiete haben die höchste Schutzkategorie“, sagt Frank Vökler. Betreten von Naturschutzgebieten ist verboten.

Zweimal in der Woche bietet Herbert Bannow die Fahrten an. Sie dauern zwischen zwei und zweieinhalb Stunden – je nach Länge der Pausen. „Es war lange nicht möglich, auf die Insel zu kommen. Die Leute sind interessiert zu sehen, was hier drauf ist“, sagt der Kutscher.

Anja Levien

Mehr zum Thema

Auf vielen Flügen innerhalb Europas wird die Identität der Passagiere nicht mehr kontrolliert. Ein gültiger Ausweis gehört trotzdem immer griffbereit - sonst kann die Reise schon am Flughafen zu Ende sein. Oder die Heimreise wird zum Problem.

07.06.2018

Lange ist es her, dass am Rande der Lüneburger Heide regelmäßig Züge zwischen Lüneburg und Bleckede unterwegs waren, um Menschen täglich zur Arbeit oder nach Hause zu bringen. Doch noch immer fahren Bahnen auf den alten Strecken - im Sommer als Nostalgiezüge für Touristen.

07.06.2018

Namibia will sich von den Überbleibseln der deutschen Unterdrückerherrschaft befreien. Deutsche Straßennamen sollen weg - nur einer gilt als unantastbar.

07.06.2018

Festspiele MV: Zehn Veranstaltungen in Rostock / Höhepunkt ist das Konzert zum 800. Jubiläum am 7. September mit Charly Hübner

11.06.2018

Rostocker steigen kampflos auf, weil der FSV Garz nicht antrat / Johannes Reske wird wohl Trainer.

12.06.2018

Sozialarbeiter Martin Brochier begleitet die Anhänger der deutschen Nationalmannschaft in Russland. Das Ziel: Eine positive, bunte und friedliche Stimmung fördern.

11.06.2018
Anzeige