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Hanni Schäfer bringt Kultur in den Körper

Warnemünde Hanni Schäfer bringt Kultur in den Körper

Die 86-Jährige aus Warnemünde unterrichtet seit 1992 Tänzer des Folkloreensembles Richard Wossidlo Ribnitz-Damgarten / Die Palucca-Schülerin gehört zu den Gründungsmitgliedern

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Hanni Schäfer (86) aus Warnemünde ist Gründungsmitglied des Folkloreensembles Richard Wossidlo und noch heute als Tanz-Trainerin aktiv. Fast 30 Jahre leitete sie das Konservatorium in Rostock.

Quelle: Foto: Robert Niemeyer

Warnemünde. Niemand ist länger mit dem Folkloreensemble in Ribnitz-Damgarten verbunden als Hanni Schäfer. Die 86-Jährige, die früher Hanni Schumann hieß, ist das einzige noch aktive Gründungsmitglied der Tanzgruppe. Noch heute trainiert sie die Erwachsenen und Jugendlichen und sorgt dafür, dass sie „Kultur in ihren Körper bringen“ – und das seit 1962.

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Die 86-Jährige aus Warnemünde unterrichtet seit 1992 Tänzer des Folkloreensembles Richard Wossidlo Ribnitz-Damgarten / Die Palucca-Schülerin gehört zu den Gründungsmitgliedern

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Gret Palucca (1902-1993) gehört zu den bekanntesten Ausdruckstänzerinnen Deutschlands. Sie gab pro Saison bis zu 100 Gastspiele in Deutschland und Europa, gründete 1925 ihre eigene Schule in Dresden, die noch heute für exzellente Ausbildung steht. Ihre Sommerurlaube verbrachte sie meist auf Sylt oder Hiddensee

In diesem Jahr, wenn das Richard-Wossidlo-Ensemble am Pfingstsonnabend 55-jähriges Jubiläum in Ribnitz feiert, feiert auch Hanni Schäfer mit. Sie leitete schon die Tanzgruppe mit den Lehrlingen des Faserplattenwerkes, aus der sich 1962 das heutige Tanzensemble entwickelte. Aus Mangel an Mitgliedern wurden die Gruppe von Hanni Schäfer und die Tänzer von Jürgen Kölzow damals zusammengelegt. Seit der Gründung ist das Folkloreensemble stetig gewachsen.

Wer bei Hanni Schäfer Unterricht hatte, wird das nicht so schnell wieder vergessen. Sie achtet genau auf die Feinheiten, legt großen Wert auf eine gute Technik. Sie sagt selbst von sich, dass sie „akribisch und pedantisch“ ist.

Mit neun Jahren begann die heutige Warnemünderin, Ballett zu tanzen. Ihre Ausbildung zur Tanzpädagogin absolvierte sie an der Staatsoper in Dresden. Hanni Schäfer wurde von der berühmten Tänzerin Gret Palucca (1902-1993) ausgebildet. „Sie wusste, was sie wollte“, sagt sie über den Unterricht mit Palucca. Und das weiß Hanni Schäfer auch: „Ich lehre die Frauen und Mädchen vor allem, dass sie Anmut und Eleganz in die Tänze einbringen.“ Fast 30 Jahre lang leitete sie das Konservatorium in Rostock. „Mit ihren Mädchen war sie unter den Top drei der DDR“, sagt der heutige Leiter des Folkloreensembles Holger Hurtig. Selbst tanzt Hanni Schäfer schon seit 1951 nicht mehr. „Weil ich lieber unterrichte und die Entwicklung beobachte“, erklärt sie. Eine Anstellung als Tänzerin am Theater im Erzgebirge habe ihr hingegen keine Freude bereitet.

Wer Hanni Schäfer in ihrem dunkelblauen Anzug beim Training beobachtet, kann kaum glauben, dass sie 86 Jahre alt ist und eine schwere Krankheit hinter ihr liegt. Täglich hält sie sich mit Gymnastikübungen fit und läuft fünf bis sechs Kilometer. Auch der Tanzunterricht hält sie in Schwung. „Ich bin erst 86“, pflegt sie zu sagen. „Wenn ich schon mit meinen Tänzern zufrieden bin, kommt Hanni und legt den Finger in die Wunde – so lange, bis es perfekt ist, bis die Bewegungen fließen“, beschreibt Holger Hurtig die Zusammenarbeit. 1991, als Hanni Schäfer nicht mehr am Konservatorium arbeitete, fragte er sie, ob sie nicht Lust hätte, wieder als Übungsleiterin im Ribnitzer Folkloreensemble zu arbeiten. Hanni Schäfer hatte große Lust und unterrichtet seitdem wieder regelmäßig in dem Tanzhaus.

Sie ist zwar die einzige, die von Gret Palucca persönlich unterrichtet wurde, doch im Ensemble gab es einige Tänzer, die die Palucca Tanzschule in Dresden besuchten und ihre ersten Tanzschritte in Ribnitz machten. Frank Schubbe beispielsweise ließ sich in Dresden zum professionellen Tänzer ausbilden. Er hatte unter anderem Engagements am Schweriner und Stralsunder Theater und am Metropoltheater in Berlin. Auch Andreas Lattner machte aus dem einstigen Hobby seinen Beruf.

Am Pfingstsonnabend, 3. Juni, wenn der 55. Geburtstag des Ensembles ab 14 Uhr mit einem Non-Stop-Tanzprogramm in der Boddenstadt gefeiert wird, werden die Zuschauer auch den ersten Tanz des Ensembles zu sehen bekommen. „Den ,Castelliano’ hat Hanni Schäfer mit den ersten Tänzern einstudiert. Seitdem haben wir ihn nicht mehr aus dem Programm genommen“, sagt Holger Hurtig. Wer die Geburtstagsparty nicht verpassen möchte, muss sich beeilen. Es gibt in der Stadtinformation und im Folkloreensemble in der Jugendherberge nur noch wenige Eintrittskarten für das Fest. Gratulanten sind übrigens schon ab 13 Uhr herzlich willkommen.

Carolin Riemer

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