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Rostock Hanse Sail: Schön oder nervig?
Mecklenburg Rostock Hanse Sail: Schön oder nervig?
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12:22 10.08.2018
Impressionen von der 28. Hanse Sail in Rostock Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Uneingeschränkte Freude

Karin Schwarzer ist bestens gelaunt. Sie fährt bereits im dritten Jahr mit dem Raddampfer „Freya“. Die 76-Jährige wird von ihrer Bekannte Edith Gleschinsky begleitet. Diese ist 81 Jahre alt und Fan des maritimen Festes. „Natürlich freue ich mich auf die Hanse Sail“, sagt sie lachend. Dass bei vielen Besuchern die Bahnen manchmal überfüllt sind, macht ihr nichts aus: „Wenn der Zug voll ist, nehme ich einfach den nächsten. Das ist mit der Rentnerfahrkarte alles kein Problem.“Am Sonntag plant Karin Schwarzer noch einen Ausflug nach Gehlsdorf. „Meine Bekannte segelt dort mit“, erzählt sie. Vom Ufer aus kann sie dort die Schiffe in Ruhe beobachten. „Ich setz’ mich mit meinem Stuhl auf den Steg und beobachte alles.“

Genuss-Ritual geschaffen

Gudrun Rochow hat jedes Jahr einen genauen Plan: Immer am Donnerstagvormittag geht es mit dem Schiff Richtung Warnemünde. Dort isst sie entspannt Mittag. Nebenbei kann sie gemütlich auf die Schiffe schauen. Höchstens der hitzige Sommer könnte das Ritual stören. „Hoffentlich sitze ich im Schatten“, sagt sie. Den Menschenstrom umgeht sie geschickt. „Wenn ab halb drei die vielen Gäste kommen, breche ich auf.“ Die nächsten Tage geht das Programm der 59-Jährigen weiter: „Am Wochenende bin ich mit meiner Nachbarin auf dem Traditionsschiff unterwegs.“ Gudrun Rochow hat ihr eigenes Wohlfühlprogramm kreiert: „Ich genieße es, freue mich einfach darauf.“

Arbeiten mit Ausblick

Seit 2000 arbeitet Matthias Kath während der Hanse Sail an einem mobilen Poststand direkt am Warnowufer. Bei ihm können die Besucher auf 1000 Exemplare limitierte Postkarten von Rostock und der Hanse Sail kaufen und absenden. Er hält zudem Sonderbriefmarken und einen Sonderstempel bereit. Dem 42-Jährigen gefällt die abwechslungsreiche Arbeit in ungewohnter Umgebung, abseits einer Postfiliale. „Die Urlauber haben Spaß und sind eher entspannt“, berichtet er. Der Platz am Stadthafen schafft gleichzeitig eine angenehme Atmosphäre. „An meinem Arbeitsplatz habe ich eine tolle Aussicht. Ich bin ganz nah an den Schiffen. Das ist doch herrlich.“

Verkehrschaos nervt

Erich Bockhahn wohnt am Warnowufer in Sichtweite des Stadthafens. Auf die Sail angesprochen, fällt ihm zuerst das Verkehrschaos ein: „Man kommt nicht aus der Haustür, die Autos stehen bis oben hin.“ Er zeigt Richtung Aalstecherstraße aufwärts, wo ein Auto die Rampe für Rollstuhlfahrer versperrt und ein anderes auf dem Gehweg steht. Der 67-Jährige gibt zu, dass ihn das nervt. Er ärgert sich: „Die Falschparker regen sich auch noch auf, wenn man sie darauf anspricht.“ Trotzdem lässt er sich von den Parkplatzproblemen nicht die gesamte Hanse Sail vermiesen. „Es ist ja auch schön, wenn man die Hanse Sail und die Schiffe direkt vor der Haustür hat.“

Großer Massenauflauf

Als Mitarbeiter eines Reisebüros ist Gerd Lepel am Stadthafen unterwegs, bringt Fahrgäste zu einem Ausflugsschiff. Privat meidet er die Innenstadt während des Sail-Wochenendes jedoch: „Massenaufläufe sind nicht so unser Ding. Meinem Lebensgefährten und mir ist das einfach zu viel.“ Auf einer Skala von 1 bis 10, sagt der 34-Jährige, ordnet er seine Abneigung gegen die Großveranstaltung trotzdem nur bei 3 ein: „Für Rostock ist das bestimmt eine gute Sache. Wir sehen das relaxed und bleiben einfach zu Hause.“ Lepel wohnt in Lütten Klein. Er hat festgestellt: „Die Außenbezirke sind während der Hanse Sail leer. Es ist zu merken, dass die Menschen an den Hafen fahren.“

Feuerwerk ängstigt Tiere

Gerade beim Thema „Feuerwerk“ zur Sail ist Heike Cantow zwiegespalten: „Ich habe mir das früher selbst gern angesehen, allerdings kann ich mir vorstellen, wieviel Geld die Stadt dafür ausgibt“. Die Frau aus Sanitz schlägt vor, dieses Geld künftig lieber in soziale Projekte zu investieren. Noch mehr besorgt die 53-Jährige das Wohl der Tiere: „Ich habe selber zwei Hunde. Haustiere erschrecken sich bei Lärm und flüchten teilweise kopflos.“ Und sie ergänzt, dass auch die Wildtiere leiden könnten: „Für Tiere und Umwelt ist so ein Feuerwerk nicht gut.“ Dennoch findet Heike Cantow versöhnliche Worte, sagt nicht ohne Stolz: „Bei uns in Rostock wird den Touristen etwas geboten.“

Juliane Radike Lina Knaack

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