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Harte Geschäfte auf dem Land: Wirt vermisst die Nachbarn

TESSIN Harte Geschäfte auf dem Land: Wirt vermisst die Nachbarn

Seit 20 Jahren bedient Wilfried Ernst seine Kunden im Restaurant „Zum Schützen“ in Tessin. Das hat viel Mut und viel Ausdauer erfordert. Ein paar Jahre will er noch arbeiten.

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Wilfried Ernst (65) hinter seiner Theke im Sch�tzen. Der Betrieb lebt �berwiegend von Familienfeiern. Fotos (2): Michael Schi�ler

Quelle: Michael Schissler

Tessin. Er hat noch einmal investiert, neue Möbel gekauft, das Foyer renoviert und Geld in neue Küchengeräte gesteckt, „und auch die Speisekarte habe ich umgestellt, auf rustikale Mecklenburger Küche“, sagt Wilfried Ernst (65), Wirt des Gasthauses „Zum Schützen“ in Tessin. Fünf Jahre will Ernst noch die Gaststätte, die der Stadt gehört und die er gepachtet hat, weiter bewirtschaften, „damit ich hier noch mein 25-jähriges Geschäftsjubiläum feiern und die Stadt dann auch zum Gratulieren kommen kann“, sagt der Tessiner etwas spitz, „denn zum 20-jährigen Bestehen ist keiner aus dem Rathaus gekommen“.

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Wilfried Ernst (65) hinter seiner Theke im Sch�tzen. Der Betrieb lebt �berwiegend von Familienfeiern. Fotos (2): Michael Schi�ler

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Dabei ist Ernst einer der wenigen Wirte, der in Tessin zwei Jahrzehnte durchgehalten hat. „Das geht nur, wenn man zuerst allen seinen Verpflichtungen nachkommt und dann an seinen Verdienst denkt“, sagt der Wirt, der zuvor Elektriker gelernt hat, schließlich aber doch das Messgerät aus der Hand legte, um zum Tablettt zu greifen.

Dann begann der Tessiner in seinem neuen Beruf Erfahrungen zu sammeln. Eine davon fasst er so zusammen: „Die Geschäfte in der Gastronomie sind das Thermometer der Wirtschaft.“ Danach ist es in Tessin sehr kühl. „Die Vereine kommen nicht in den Schützen“, bedauert Ernst, „dabei habe ich die Schützenzunft ebenso mitgegründet wie den Karnevalclub, die Verkehrswacht und die Interessengemeinschaft Oldtimer.“ Fast alle hätten sie ihre eigenen Treffpunkte, und das enttäuscht den Gastronomen schon etwas. „Beim Mittagsgeschäft ist es so, dass zehn Prozent davon Tessiner sind, der Rest kommt aus anderen Orten“, sagt Ernst. Und die Laufkundschaft ist weniger geworden, „seit 2003, seit die Autobahn fertig ist. Der Durchgangsverkehr fehlt mir“.

Mehr erhofft hatte sich Ernst auch von seiner Lage genau neben den Freizeiteinrichtungen der Stadt Tessin. „Doch das hat getrogen“, sagt er. „Die Leute sparen, die kommen von überall her nach Tessin, weil sie die preisgünstigen Freizeitangebote nutzen wollen, für einen Besuch in der Gaststätte geben sie aber nichts aus.“ Ob der neue Badesee in unmittelbarer Nähe der Gaststätte mehr Zulauf bringt, weiß Ernst nicht. „Das will ich erst einmal abwarten.“ Deswegen: „Wir leben weiter überwiegend von Familienfeiern“, sagt Ernst, „und die Nachfrage für Ostern ist diesmal schon recht gut“. Das ist ein ruhiges Geschäft. Früher, von 1992 bis 1996, gab es auch Discoabende im Schützen. „Aber mit dem Geschäft kamen die Drogen und mit den Drogen der Ärger, und ich habe es dann aufgegeben.“ Noch fünf Jahre will er den Betrieb weiterführen. „Dem Bürgermeister habe ich das schon gesagt“, so Ernst. Auch künftig will er gegen „die immer wieder zweimal im Jahr aufkommenden Gerüchte kämpfen, dass ich hier schließe“. Diesmal mit einem Gag: „Am 31. März schließe ich wirklich und eröffne wieder am 2. April“, sagt der Gastwirt spitzbübisch. Da muss ein bestimmtes Datum dazwischenliegen.

Saalbetrieb inklusive
Die Gaststätte „Zum Schützen“ gehört der Stadt Tessin, sie hat das Gebäude an Wilfried Ernst verpachtet. In der Gaststätte arbeiten neben dem Wirt zwei Köche und eine Reinigungskraft. Im Restaurant finden 35 Gäste Platz, für Veranstaltungen steht ein Saal mit 80 Plätzen zur Verfügung. Außerdem können im Sommer 15 Plätze auf der Terrasse genutzt werden.

Michael Schißler

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