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Rostock Dr. Gerda Storm verabschiedet sich
Mecklenburg Rostock Dr. Gerda Storm verabschiedet sich
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14:36 29.09.2018
Dr. Gerda Storm (65) hat 28 Jahre in Elmenhorst praktiziert, nun sagt die Hausärztin Tschüss und verabschiedet sich in den Ruhestand. Quelle: Doris Deutsch
Elmenhorst

In der allgemeinärztlichen Praxis in Elmenhorst gibt es am Freitag einen Schnaps. Verordnet von Dr. Gerda Storm. Gegen Wehmut und Abschiedsschmerz. Nach 28 Jahren geht die Hausärztin in den Ruhestand. Nicht ohne einen Nachfolger: Der neue Doktor heißt Hartmut Duppel.

Seit Tagen schon gleicht das Behandlungszimmer einem Blumenladen. Schokolade und Wein, kleine Geschenke und Grußkarten stapeln sich auf dem Tisch. Die Patienten sagen Danke - für eine langjährige, vertrauensvolle, gute medizinische Versorgung. Die Ärztin ist gerührt, hat sie doch all die Jahre nur ihren Job gemacht. „Hausarzt, das ist der schönste Beruf der Welt“, sagt Gerda Storm. „Er erfüllt einen so mit Zufriedenheit. Man bekommt viel menschliche Wärme zurück, wenn man sie auch geben kann.“ Und das kann sie, wie Schwester Jana Najarek, seit acht Jahren an ihrer Seite, beobachtet. „Sie ist liebenswert, nimmt sich Zeit für jeden, hört zu und kann auch mal mit der Faust auf den Tisch hauen –aber selten“, beschreibt sie ihre Chefin.

Medizinstudium abgelehnt

Gerda Storm wollte schon immer Ärztin werden. In einem Dorf in Nordwestmecklenburg aufgewachsen, habe der Landarzt sie schwer beeindruckt. „Nach dem Abi in Gadebusch wollte ich in Rostock Medizin studieren“, denkt sie zurück. Doch als Tochter eines Handwerkers erhielt sie trotz guter Noten keinen Studienplatz, sollte stattdessen Lehrerin werden. „Hätte ich als bescheidenes junges Mädchen auch gemacht“, erzählt die 65-Jährige. Doch ohne ihr Wissen habe sich der Vater beim Staatsrat beschwert und Gerda Storm wurde ein Jahr später zum Studium zugelassen. Als medizinische Hilfskraft schnupperte sie zunächst in Schwerin in den Klinikalltag, dann folgte das Studium in Rostock.

Im Südstadtklinikum wurde Gerda Storm zur Fachärztin für Allgemeinmedizin ausgebildet, machte ihren Doktor und wurde 1988 „abgeordnet“ zum Landambulatorium Kritzmow. Von einer großen modernen Klinik in eine einfache kleine Landpraxis. „Da lagen Welten dazwischen“, erinnert sie sich. Sie bekam einen Trabi, um ihre Patienten in Ziesendorf, Buchholz, Pölchow und Wahrstorf versorgen zu können. „Ohne Handy“, sagt sie schmunzelnd. Die Dienste waren anstrengend, doch gelernt habe sie in dieser Zeit, wie wichtig das „Kümmern“, wie gefragt der Rat des Arztes ist.

Mit Mut und Angst in Selbstständigkeit

Zur Wende war Gerda Storm 36 Jahre jung, verheiratet und Mutter zweier Kinder. Sie wagte den Sprung in die Selbstständigkeit. In Elmenhorst/Lichtenhagen-Dorf hatte sie schon häufig Vertretung gemacht. „Es gab hier keine stabile ärztliche Versorgung“, weiß sie noch. Mit „viel Mut und großer Angst“ habe sie einen großen Kredit aufgenommen und sich als Allgemeinmedizinerin niedergelassen. Das war Ende Dezember 1990 in den Räumen der Gemeindeschwesternstation. „Sehr spartanisch haben wir begonnen.“ Drei Monate später konnte sich die Hausärztin mit viel Eigeninitiative in den Räumen der Kinderkrippe einrichten.

Zeitungsausschnitt vom 2. April 1991, als Dr. Gerda Storm ihre neuen Praxisräume in der alten Kinderkrippe in Delmenhorst gestartet ist. Quelle: Doris Deutsch

Als sich die Familie zum Hausbau und Umzug von groß klein nach Delmenhorst entschied, wurde auch eine eigene Praxis eingeplant. Seit 1. November 1995 betreut Gerda Storm ihre Patienten im eigenen Haus. Täglich von 8 bis 11 Uhr, an vier Nachmittagen bis 18/19 Uhr. Zwischendurch noch zur Visite in Pflegeheim versagen. „Das hat viel Kraft gekostet.“ Und sich gesundheitlich ausgewirkt. Eine verschleppte Grippe führte 2009 zu Herzproblemen. Der Hausärztin wurde Ruhe verordnet, die Praxis geschlossen. Acht Monate lang. „Meine Nachbarkollegen haben mich super unterstützt“, berichtet Gerda Storm, die Patienten hätten sie mit Genesungswünschen überschüttet. Alle Karten und Brief habe sie beantwortet mit dem Versprechen: „Ich komme wieder.“ Das tat sie. Allerdings ohne Nachmittagssprechstunden und ohne Notdienste. Dafür mit Schwester Jana, die ihr seitdem eine große Stütze ist.

Etwa 8000 Patienten sind in 28 Jahren in ihrem Computer gelistet. „Tolle Patienten“, sagt Storm, mit denen sie sehr persönliche Gespräche geführt habe. „Diese persönlichen Kontakte werden mir fehlen“, erklärt die Hausärztin die ihr „Lebenswerk“ nun „mit einem guten Gefühl“ an einen Nachfolger übergibt.

Internist freut sich auf Hausarztpraxis.

Dr. Hartmut Dippel heißt der neue Doktor, der ab Montag in diesen Räumen praktiziert. Zwölf Jahre habe er als Facharzt für Innere Medizin in der Rostocker Unimedizin gearbeitet, war auch als Notarzt unterwegs. „Von der Akut- in die hausärztliche Basisversorgung, da müssen die Patienten zuerst etwas Geduld haben“, wirbt der 41-Jährige um Verständnis. Er habe schon häufiger in der Praxis von Dr. Storm hospitiert und freue sich auf die neue Aufgabe. In der Klinik sehe man den Patienten in der Regel nicht wieder. Als Landarzt will er die Patienten begleiten, Verläufe und Erfolge sehen. Ab Montag wird es in Elmenhorst auch wieder eine Nachmittagssprechstunde geben, montags, dienstags und donnerstags. „Und eine zweite Schwester“, sagt der Arzt. „Die heißt auch Jana, Jana Böttcher.“ Mit dem Jana-Doppel will es Dr. Duppel schaffen. Darauf einen Schnaps, der auch gegen Lampenfieber helfen soll.

Doris Deutsch

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