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Heilsalbe auf Klopapier: Neue Schülerfirma in den Startlöchern

Pfiffiger Nachwuchs: Existenzgründer verbessern ihre Noten Heilsalbe auf Klopapier: Neue Schülerfirma in den Startlöchern

Zwei Gymnasiasten wollen für ihre Heilsalben auf besondere Weise Kunden gewinnen.

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Oleksiy Rozhanskyy (16, v.l.: ), Lehrer Matthias Breitkopf und Nils Brinckmann arbeiten am ISG emsig an der Gr�ndung einer Sch�lerfirma. Thema: hom�opathische Mittel auf dem Klopapier.

Quelle: Claudia Tupeit

Papendorf. Die Köpfe rauchen, Nils Brinckmann (15) streicht sich über seinen blonden Schopf. Er und sein Freund Oleksiy Rozhanskyy (16) brüten über einer Geschäftsidee.

Die beiden Zehntklässler am Innerstädtischen Gymnasium (ISG) erklären Wirtschaftslehrer Matthias Breitkopf die Fortschritte für ihre geplante Schülerfirma. Der 33-Jährige lauscht und dreht dabei eine Klopapierrolle hin und her.

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Oleksiy Rozhanskyy (16, v.l.: ), Lehrer Matthias Breitkopf und Nils Brinckmann arbeiten am ISG emsig an der Gr�ndung einer Sch�lerfirma. Thema: hom�opathische Mittel auf dem Klopapier.

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Die ist Kern der Idee. „Darauf könnte eine Art Mittel sein, das entzündungshemmend wirkt“, sagt Oleksiy. Homöopathisch soll es sein, jeden Tag verwendbar. „Prophylaktisch“, so der aus der Ukraine stammende Junge. „Wenn man Salben verschrieben bekommt, muss man dran denken, sie aufzutragen. Aber wenn das Mittel auf dem Klopapier ist, nimmt man‘s automatisch“, argumentiert er.

Ganz überzeugt ist der Lehrer noch nicht. „Was für ein Stoff soll das sein?“ Das wollen Oleksiy und Nils weiter erforschen. Schließlich wollen sie mit ihrer Idee auch einen Bann brechen: Nach vielen Jahren ohne wollen die Jungs am ISG eine Schülerfirma gründen. Das freut auch Schulleiter Thomas Döring. „Über Jahre haben wir daran gedreht. Nun, mit dem engagierten Kollegen, hat es geklappt“, sagt er.

Nils und Oleksiy haben sich bereits über wichtige Gesetze informiert und stehen mit einem Pharmazeutiker in Kontakt. Der Geschäftsplan ist geschrieben, nun sind noch viele Fragen offen. Etwa, gegen was das Ganze konkret helfen und wie es ins Papier gelangen soll. Aber keiner von beiden denkt ans Aufgeben. „Bewundernswert, wie ihr an eurem Projekt festhaltet“, lobt Sandro Bischof, der über das Institut für Bildung und Forschung (Bilse) in Güstrow Schülerfirmen unterstützt. „Es ist interessanter als Brötchen streichen“, begründet Oleksiy den Elan. Und: „Aufgeben — das können wir den Leuten nicht antun, die an uns glauben.“ Bald, so versprechen die beiden Rostocker, gehen sie in die Vollen. Bei Apothekern wollen sie Rezepturen erfragen, in Läden den Markt an Feuchttüchern prüfen.

Susann Bischoff von der Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktentwicklung (GSA) in Schwerin weiß um die Hürden bei der Firmengründung. Aber jeglicher Aufwand lohne sich, meint die Projektmitarbeiterin. „Sich früh in einer eigenen Firma zu engagieren, ist sinnvoll fürs spätere Berufsleben. Außerdem verbessern sich bei den meisten Schülern die Noten.“ Von Buchhaltung über ernste Gespräche mit Mitarbeitern bis zum Umsetzen von Ideen sei alles gefragt.

Die meisten Schülerfirmen imLand befassen sich übrigens mit der Ernährung. Darunter die Mitstreiter der „Vitabox“ an der Christophorusschule (CJD). Seit der Gründung im vergangenen Jahr versorgen Schüler wie Stefanie Köpke (17) die Kinder der sechsten Sportlerklasse. Zweimal pro Woche schmieren, schälen, und belegen die Macher, was Gurke, Möhrchen und Hähnchen hergeben. „Es gibt Suppen, Dressings zu Gemüsesticks und Sandwiches“, zählt sie auf. Alles werde selbst eingekauft. Arbeitsauftrag: Die Sportler bekommen nach dem Training Energie für den Schultag — laut Stefanie Köpke klappt‘s.

Ministerien geben Geld
36 gegründete Schülerfirmen gibt es in Rostock und Landkreis. Weitere fünf befinden sich laut Susann Bischoff, bei der Schweriner Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktentwicklung (GSA) für Schülerfirmen zuständig, in Gründung. Zwei beraten sich noch. 2005 fing der „Boom“, wie es Bischoff nennt, im Land an. Grund: viele Infoveranstaltungen an Schulen durch die GSA. Wer sich in Schülerfirmen engagiert, erhält ein Zertifikat. Zwei Ministerien unterstützen die Gründung und Arbeit von Schülerfirmen: das Ministerium für Wirtschaft und das für Bildung, Wissenschaft sowie Kultur.
Papendorfs „Honigbienen“ sind erfolgreiche Aktionäre
Seit 2001 brauchen Eltern und Lehrer der Warnow-Schule in Papendorf nicht mehr überlegen, wo sie Honig und Marmeladen kaufen. Schließlich stecken Schüler ab der fünften Klasse in ihrer Schülerfirma „Hobi-SAG“, also Honigbiene Schüleraktiengesellschaft, ihre Köpfe zusammen und arbeiten fleißig wie die Bienen. Jedes Jahr sorgen ihre „Summer“ für etwa 240 gefüllte Gläser mit süßem Aufstrich. „Dafür sind zu Hochzeiten, also im Juni, etwa 180 000 Bienen da“, erklärt Johannes Mindemann (13). Noch sei es zu kalt. Aber bei etwa zehn Grad Celsius wagen sich die Bienen aus ihrer Winterpause, fliegen Blütenpollen an und beschaffen den Nektar.

Vier Abteilungen hat Initiator und Lehrer Thomas Gehrke (49), selbst Hobby-Imker, mit Schülern gegründet: Verwaltung, Marketing, Produktion Honig, Produktion Kräuter. Nun gibt es 20 Mitarbeiter und 13 Lehrlinge. Ihre Arbeit nehmen alle ernst. Schließlich seien sie „den Aktionären Dividenden schuldig“, sagt Anna-Sophia Jahn (16). Sie erzählt, dass es Lohn für die Arbeitszeit gibt. Überstunden werden extra bezahlt, dafür werde aber auch vermerkt, wer wann nicht gearbeitet habe. Ihre Einnahmen, ein Glas Honig kostet 3,50 Euro, investieren sie zudem in neue Gläser, Marketing und Raummiete.

„Zum Beispiel für unser Büro oder die Küche“, so Jahn. Denn dort werden im Sommer die vollen Waben ins Schleudergerät gesteckt, damit letztlich Honig im Eimer landet.

„Unsere ehemaligen Schüler aus der Firma haben sich durch ihre Mitarbeit fürs Berufsleben qualifiziert“, erzählt Lehrer Gehrke. In Schülerfirmen könnten eben Fähigkeiten zu echten Fertigkeiten entwickelt werden. Claudia Tupeit

Claudia Tupeit

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