Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Heimatgeschichte: Anfänge des Bäderwesens an Mecklenburgs Stränden
Mecklenburg Rostock Heimatgeschichte: Anfänge des Bäderwesens an Mecklenburgs Stränden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 28.07.2018
Warnemünde

Mit dem Anwachsen des Badebetriebs an der Ostsee entstanden zahlreiche reglementierende Verordnungen und Empfehlungen für die Seebäder. Sie waren von der deutschen Reichsregierung, dem Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, von seinen Domanialämtern und den örtlichen Behörden erlassen worden, um das Verhalten der Gäste am Strand, in den Badeanstalten und auf den Seebrücken zu ordnen. Auch die Befugnisse von Strandkorbvermietern und Badewärtern wurden in Dienstanweisungen festgelegt. Das traf selbstverständlich auch für die aufblühenden Bäder Brunshaupten und Arendsee (seit 1938 Kühlungsborn) zu.

Mit dem Anwachsen des Badebetriebs an der Ostsee entstanden zahlreiche reglementierende Verordnungen und Empfehlungen für die Seebäder.

Der Autor

Dr. Jürgen Jahncke, geboren 1938 in Bad Doberan, lebt in Kühlungsborn. Bis 1990 war er Lehrer und unterrichtete Deutsch und Sport. Im Ruhestand wandte er sich verstärkt lokalhistorischen Forschungen zu und wurde ein produktiver Autor. Zwölf Bücher und viele einzelne Beiträge hat er bisher veröffentlicht.

Um Badegäste vor neugierigen Spaziergängern und Einheimischen zu schützen, erteilte das Großherzogliche Amt zu Doberan 1882 erste Richtlinien und Verbote für das Betreten des Strandes während der Badezeit und ließ Schilder mit der folgenden Aufschrift aufstellen: „Vom 15. Juni bis 15. September ist von Morgens früh bis Mittags 12 Uhr Unbefugten das Hin- und Hergehen am Strande von Brunshaupten-Fulgen bei Strafe bis zu 30 Mark, aushülfeweise Haft, verboten. Doberan, den 7. Juli 1882 Großherzogliches Amt.“

In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten noch sehr primitiven Badeanstalten in Brunshaupten und Arendsee sowie Alt Gaarz (seit 1938 Rerik), in denen, nach Geschlechtern getrennt, gebadet werden durfte. Alt Gaarz besaß 1890 bereits ein Herren- und auch ein Damenbad. In einer Zeitungsnotiz im „Ostsee-Boten“ vom 2. August 1890 ist Folgendes nachzulesen: „Unser Seebad

erfreut sich in diesem Sommer eines besonders guten Besuchs, man zählt über 100 Gäste; alle Wohnungen sind besetzt. Freilich lassen die Einrichtungen Manches zu wünschen übrig. Namentlich müßte das Frauenbad gegen Westen hin eine Deckung durch Leinwand oder Bretter haben, auch reichen beim Herrenbade zwei Zellen nicht aus, man muß oft lange warten, ehe man ankommt, was bei gutem Wetter wohl geht, bei schlechtem Wetter aber recht lästig werden kann, zumal gar kein Schutz vorhanden ist. Da der Preis für das Bad auf 15 Pfennige erhöht ist, könnten diese Einrichtungen wohl getroffen werden.

Das Bad selbst ist ungemein kräftigend und erfrischend.“

So wie hier geschildert, ähnelten die ersten Badeanstalten wohl mehr hölzernen Buden zum Umkleiden, von denen Stege ins Wasser führten, die mit Leinwandschirmen oder Brettern versehen waren und nach Beendigung der Badesaison abgebaut werden konnten.

Im Jahre 1888 wurde auch in Arendsee der Wunsch nach einer Badeanstalt geäußert. Im „Ostsee-Boten“ heißt dazu: „Die Beschaffenheit unseres Strandes fordert den Sachkundigen dringend genug zur Anlage eines billigen Seebades auf, ist doch der denkbar günstigste Badegrund vorhanden, die Küste im Osten und Westen von Tannenwaldungen umsäumt; dazwischen das nördliche Ende unserer Ortschaft, nicht etwa öde und kahl, sondern anmuthend durch reichlichen Baumbewuchs und belebt durch die ländlichen Wohnstätten rühriger Strandbewohner, die dem Meere den größten Theil ihres Einkommens abgewinnen.“

Bis zum 15. Februar 1896 dauerte es jedoch, ehe sich ein Badeverein in Arendsee gründete und den Neubau einer Badeanstalt beschloss. Auf der Generalversammlung des Brunshauptener Badevereins am 20.

März 1901 vereinbarten die Mitglieder, ein festes Damenbad von hiesigen Baumeistern errichten zu lassen, das bis zum Beginn der Badesaison am 1. Juni fertiggestellt werden sollte. Der Arendseer Badeverein entschied sich gleichfalls im April 1901 sowohl ein neues Damen- als auch Herrenbad auf Pfahlrosten mit bedeutend mehr Umkleidekabinen zu bauen.

Im Jahre 1907 beauftragte dann die Gemeinde Arendsee die Zimmermeister Gröhn aus Kröpelin und Westphal aus Brunshaupten sowie den einheimischen Baugewerkmeister Probsthein aus Arendsee mit dem Bau einer neuen komfortablen Damenbadeanstalt mit einem Kostenanschlag von 31967,40 Mark.

Im Mai 1913 konnte auch Brunshaupten auf ein Familienbad verweisen. Im Jahre 1907 hatte es an der Ostsee lediglich in Warnemünde und Wustrow Badeanstalten für die ganze Familie gegeben. Deren Inbetriebnahme erforderte besondere, bis dahin noch nicht erprobte Bestimmungen. Im Folgenden sollen einige dieser Verordnungen aufgeführt werden, die lange Zeit das Badeleben regelten. Das Großherzogliche Amt Doberan legte fest, dass alle diejenigen Herren das Familienbad benutzen durften, die gemeinsam mit ihrer Frau baden wollten. Das gleiche galt für Eltern mit Kindern. Für männliche Personen über 14 Jahre war der Aufenthalt im Familienbad nicht erwünscht, und nur Knaben bis zu sieben Jahren war es erlaubt, die für Damen bestimmten Umkleidezellen mit einer weiblichen Person zu betreten. Im Punkt 3 dieser Bestimmung heißt es wörtlich: „Im Interesse des Anstandes und der guten Sitten kann die Benutzung des Familienbades bestimmten Personen ohne Angabe von Gründen seitens der Aufsicht führenden Persönlichkeit untersagt werden.“ Auch das Mitbringen von Fotoapparaten in das Familienbad war untersagt.

Badende wurden gut behütet

Laut Anordnung gehörten zur Ausrüstung einer Badeanstalt zwei Rettungsringe mit der Tragfähigkeit für je einen Erwachsenen an einer mehr als 20 Meter langen Leine, zwei etwa fünf Meter lange Stangen, zwei durch Korkstücke schwimmbar gemachte Notleinen und ein festes Tau von 20 Metern Länge. Auch ein Rettungsboot hatte in Bereitschaft zu liegen. Die aufsichtführenden Badewärter durften während ihres Dienstes zu keinen anderen Tätigkeiten herangezogen werden und hatten die unterschiedliche Wassertiefe in der Badeanstalt genau anzuzeigen. Das Hinausschwimmen über die Grenzpunkte der Badeanstalt geschah auf eigene Gefahr der Schwimmer. Die Badezeit war im Zeitraum vom 1. Juni bis zum 15. September von morgens 6 bis 1 Uhr mittags und von 3 bis 6 Uhr nachmittags festgelegt. Das Mitbringen von Hunden war nicht gestattet. Badende durften eine Bedienung mit in die Umkleidezellen nehmen, die Kabine jedoch nicht länger als 45 Minuten belegen. Für alle Besucher der Badeanstalten – mit Ausnahme der Kinder unter zehn Jahren – galt die Bestimmung, nur mit Badeanzügen bekleidet zu sein, die undurchsichtig den ganzen Körper „vom Halse bis zu den Knien“ bedeckten.

Die Dienstanweisung für den Oberwärter einer Seebadeanstalt sah vor, dass er von morgens 5.30 bis 1 Uhr mittags und 3 bis 6.30 Uhr nachmittags anwesend zu sein hatte. Zu den Aufgaben des Oberwärters gehörte auch die Rettung von Verunglückten. Er hatte Erste Hilfe zu leisten und durch Fernsprecher oder Boten einen Arzt zu rufen. Durch ein Signal zeigte er mittags und abends das Ende des Badebetriebs an.

Mittelstand macht Urlaub

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war Urlaub – oder Sommerfrische, wie man damals sagte – eine Sache des Adels, hoher Staatsbeamter oder sehr reicher Bürgerlicher. Meist in Nobel-Bädern wie Heiligendamm. Das änderte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Durch den Boom in der Wirtschaft und die Industrialisierung entstand eine breite Mittelschicht – mittlere Unternehmer, Freiberufler, Beamte –, die sich Urlaub leisten konnte. Und der inzwischen nahezu flächendeckende Ausbau des Eisenbahnnetzes in Deutschland machte das Reisen einfacher.

Warnemünde liegt vorn

Verglichen mit den heutigen Zahlen hielt sich der sommerliche Auflauf in den mecklenburgischen Ostseebädern kurz nach 1900 noch in bescheidenen Grenzen. Aber immerhin, ein Anfang war gemacht und der Trend ging in den kommenden Jahren steil nach oben. Für das Jahr 1908 liegen diese Gästezahlen vor: Warnemünde hatte mit 17335 Urlaubern die Nase vorn, dicht gefolgt von Brunshaupten/Arendsee (Kühlungsborn) mit 15499 Gästen. Müritz und Graal – damals noch zwei selbstständige Orte – brachten es auf 3735 beziehungsweise 3075 Badegäste.

Heiligendamm hatte im Sommer 1908 2010 Besucher. Viel Luft nach oben war damals noch in Wustrow (Fischland/Darß, 1340) und Alt Gaarz (Rerik) mit 641 Badegästen. Für Boltenhagen liegen keine Zahlen vor.

Zum Vergleich: Im Durchschnitt der vergangenen Jahre hatten das Ostseebad Rerik rund 65000 Übernachtungsgäste und Kühlungsborn gut 400000. Parallel dazu gab es einen zweiten Trend: Neben der Sommersaison gab es bald auch – erst zaghaft, dann immer stärker besucht – die Nebensaison für Erholungsuchende, denen das Getümmel am sommerlichen Strand zu viel war.

Jürgen Jahncke

Mehr Jobs, mehr Reisende: Studie sagt steigendes Potenzial voraus / SPD fordert neue Linie

28.07.2018

Einen gehörigen Schreck jagte ein zwölfjähriges Mädchen am Donnerstagabend seinen Eltern ein. Das Kind lief nach einem Streit davon.

28.07.2018

Viele Besucher kommen aus Deutschland / Hohe Nachfrage bei Strandkörben

28.07.2018