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Heißer Sommer macht Kartoffeln teurer

GROß LÜSEWITZ Heißer Sommer macht Kartoffeln teurer

Im Süden zu nass, im Norden zu trocken: Die Landwirte erwarten einen unterdurchschnittlichen Ertrag.

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Auf dem einreihigen Roder „Wühlmaus“ werden die Knollen gleich begutachtet und für die weitere Züchtung aussortiert. Fotos (2): Claudia Haiplick

Groß Lüsewitz. Die Kartoffelernte hat begonnen, knapp vier Wochen später als normal. Schuld war das späte Frühjahr. Die Stimmung unter den Landwirten ist deshalb angespannt, denn niemand weiß so recht, was in der Erde steckt und wie die Qualität sein wird. Erwartete geringere Erträge lassen schon jetzt die Preise in den Supermärkten steigen.

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Katja Muders und Bernd Truberg auf dem Norika-Kartoffelfeld.

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„Im Süden der Republik war es zu nass, im Norden bei uns zu trocken“, so Katja Muders von der Groß Lüsewitzer Norika, Nordring-, Kartoffel- und Vermehrungs-GmbH. Der lange heiße Sommer ohne Regen habe der Knollenpflanze nicht gutgetan. Deutschlandweit werde ein unterdurchschnittlicher Ertrag erwartet, erzählt die Fachfrau. Bessere Erträge werde es allein dort geben, wo Äcker beregnet wurden.

Aber das sei eine Kostenfrage.

Folge der geringen Erträge ist jedenfalls, dass der Kartoffelpreis steigt. „Ein Jahr ist es der Weizen mit dem Brot und dieses Mal eben die Kartoffel. Was den Tourismus freut, schadet mitunter der Landwirtschaft“, sagt Bernd Truberg, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Norika. Wegen der späten Bestellung der Felder wird erst Anfang Oktober alles vom Acker sein. Während die Kartoffelernte im Land maschinell großflächig läuft, ist bei den Kartoffelzüchtern von Norika alles Handarbeit. Jede Knolle wird begutachtet. Gleich auf dem Roder wird geschaut, ob sie sich zur weiteren Zucht eignet.

„Unser Geschäft ist die Entwicklung und Züchtung neuer Kartoffelsorten. Daher bauen wir jedes Jahr auch nur kleine Mengen unterschiedlicher Genotypen an“, sagt Katja Muders. Nach jeder Ernte werden die Genotypen neu beurteilt. Die Norika-Züchter suchen die heraus, die aus ihrer Sicht die besten Merkmale für eine neue Sorte mitbringen. „Wir versuchen mit den Augen möglicher Kunden zu sehen und zu sortieren. Welche Kartoffel könnte auf dem Markt bestehen?“, so Bernd Truberg. Was bedeute, dass Norika mit einer neuen Sorte zumindest in einem Pflanzenmerkmal besser sein müsse, als alles, was bisher auf dem Markt sei.

Und so werden jedes Jahr die Merkmale, wie Kartoffelkraut, Festigkeit, Aussehen, Reifetyp, Resistenzen gegen Krankheiten und Beschaffenheit neu beurteilt. Sind es frühe oder späte Kartoffel, mehlige oder festkochende? Und ganz wichtig, wie schmecken sie? Die Groß Lüsewitzer Züchter achten auf über 50 Merkmale. Die verbleibenden Genotypen kommen jedes Jahr neu in die Erde.

Bis eine neue Kartoffelsorte auf den Markt kommt, dauert es im Schnitt ab der Kreuzung zwölf Jahre. Mitunter bleibt von anfänglichen 120 000 gekreuzten Sämlingen nur eine Hand voll übrig, von denen die Züchter glauben, dass sie die Kriterien und Vorstellungen einer neuen Sorte erfüllen. Ob es am Ende tatsächlich für eine neue reicht, entscheidet das Bundessortenamt. Zwei Jahre dauert die offizielle Prüfung unter standardisierten Zuchtbedingungen.

In Deutschland gibt es rund 200 zugelassene Kartoffelsorten. Ein Viertel davon stammt aus den Züchtungen bei Norika. „Die vielen Sorten teilen sich auf in Speise-, Pommes frites-, Chips- und Stärkekartoffel sowie zur sonstigen Verarbeitung. Der Trend geht hin zu Verarbeitungsprodukten“, verdeutlich Bernd Truberg und erklärt: „Fertige Pommes und Bratkartoffeln lassen sich abends eben schnell zubereiten. Die Leute nehmen sich immer weniger Zeit zum Kochen.“ So ist der Pro-Kopf-Verbrauch von 70 Kilogramm im Jahr bereits auf 60 zurückgegangen. Hinzu kommt, dass die verarbeitende Industrie zunehmend kreativ ist. „Und so ist es unsere Aufgabe als Züchter, dafür die entsprechenden Sorten zu liefern“, so Katja Muders.

Kunst, Sport und Knollen
Zum mittlerweile 15. Mal veranstalten die Groß Lüsewitzer am Wochenende ihr See- und Parkfest. Los geht es bereits am Freitag, 6. September, um 19.30 Uhr mit dem Konzert „Fröhliche Klassik“ des Duos Patricia Schneider (Querflöte) und Josefa Zalud (Klarinette) im Dorfgemeinschaftshaus. Im Anschluss wird eine Ausstellung mit Werken der Malerin Annelies Stürzekarn eröffnet. Ebenfalls um 19.30 Uhr wird am See ein Lagerfeuer entzündet.

Der Sonnabend steht im Zeichen des Sports. Ab 9.30 Uhr finden Drachenbootrennen, ab 13 Uhr ein Volleyballturnier und um 14 Uhr Wurftaubenschießen statt. Der Groß Lüsewitzer Kartoffelzuchtbetrieb Norika lädt von 9.30 bis 12 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein. Führungen über das Betriebsgelände werden um 10 Uhr und um 11 Uhr unternommen. Die Züchter informieren über Kartoffelsorten und deren Anbau. Abends gibt es um 20.36 Uhr „Danz up de Deel“ mit DJ Frank in der Sporthalle.

Der Sonntag hält Aktionen und Angebote für jedermann bereit. Unter dem Motto: „Wir für uns“ warten Vereine und die Kindertagesstätte samt Hüpfburg, Soccerkäfig, Kinderschminken und vielem mehr mit einem bunten Programm für Groß und Klein auf. Ab 10 Uhr wird zur 5. Oldtimerausstellung und um 10.30 Uhr zum 2. Isen- Kierl-Loop eingeladen.

 

 

Claudia Haiplick ch

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