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Rostock Hightech-Schmiede schreibt Programme für Weltkonzerne
Mecklenburg Rostock Hightech-Schmiede schreibt Programme für Weltkonzerne
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07:28 16.05.2017
Robin Kaiser ist Entwickler bei Fortech. Das Unternehmen schreibt innovative Software und industrielle Messtechnik. Für die Autobaubranche hat die Firma diesen 3D-Formsensor programmiert. Das Gerät erkennt selbst kleinste Bauteile und prüft, ob deren Form fehlerfrei ist. FOTOS (3): OVE ARSCHOLL

Der Computer schlägt Alarm. Am Spritzgussteil fehlt ein Stück. Die Lücke ist winzig klein. Doch dem 3D-Formsensor entgeht nichts. Im Bruchteil einer Sekunde hat er mit zwei Kameras das Plastikstückchen abgescannt, seine Silhouette mit dem Referenzmodell verglichen und erkannt: Für Autotüren taugt der Prüfling nicht. Normalerweise müssten Fabrikarbeiter am Fließband solche Teile einzeln in die Hand nehmen und auf Fehler überprüfen, erklärt Robin Kaiser. Durch Hightech klappt das vollautomatisch und blitzschnell. Damit die Industrie Komponenten in Bestform verbaut, schreiben Kaiser und seine Kollegen im Rostock-Park hochkomplexe Programme und mit ihnen Erfolgsgeschichte. Der Softwaredienstleister Fortech entwickelt hochmoderne Messtechnik und Bildverarbeitungsprogramme für Großkunden rund um den Globus.

Das Rostocker Unternehmen Fortech schreibt mit innovativen Computerprogrammen Erfolgsgeschichte. Bereits seit 27 Jahren programmiert der Dienstleister das, was heute in der Industrie kaum mehr wegzudenken ist: intelligente Sensoren und Microchips. Damit beliefert Fortech Kunden auf der ganzen Welt.

Spezialität des Unternehmens sind eingebettete Systeme, im Fachjargon Embedded Systems genannt. Diese unsichtbaren Helfer stecken heute in unzähligen Geräten. Vom App-gesteuerten Wasserkocher bis zur smarten Waschmaschine, vom mit dem Internet vernetzten Kühlschrank bis zum Sportarmband – das Internet der Dinge erleichtert den Alltag. Unverzichtbar sind intelligente Prozessoren und Microchips auch für Fabriken. Dort helfen sie beispielsweise als Qualitätskontrolleure dabei, die Fertigung zu verbessern, sie steuern Abläufe, lassen Maschinen miteinander kommunizieren. „Was heute Hype ist, machen wir seit 27 Jahren“, sagt Egmont Woitzel stolz. Er ist einer von vier Wissenschaftlern, die Fortech 1990 gegründet haben. Als einer der ersten wirtschaftlichen Ableger (Spin-Off) der Universität Rostock.

Inzwischen zählt die Firma 14 Mitarbeiter und namhafte Unternehmen zu ihren Stammkunden. „Ein Drittel unseres Jahresumsatzes machen wir mit dem Industriesektor der Siemens AG in den USA“, sagt Egmont Woitzel. Den Konzern belieferte Fortech zum Beispiel mit Software für dessen autonom laufende Gaschromatografen. Als Element von Pipelines messen diese im Zwei-Minuten-Takt den Brennwert von Erdgas und steuern gegen, wenn der nicht so ist, wie gewollt. Damit das klappt, teilten sich die Vertragspartner die Arbeit: Siemens stellte die Hardware, Fortech spielte die Software auf. „Unseren Beitrag sieht man nicht, aber ohne ihn wären die Chromatografen nur Metall und Kabel“, verdeutlicht Woitzel.

Ob versteckt oder unübersehbar: Bei den Systemlösungen, die Fortech für seine Kunden entwickelt, dürfen sich die Programmierer keinen Patzer erlauben. „Unsere Anwendungen müssen hohen Qualitätsstandards genügen“, erklärt Woitzel.

Kundenspezifische Software entwickelt Fortech auch für die Automobil-, die Chemie- und die Medizinbranche. Bei vielen Projekten und in der Forschung arbeitet die Fachfirma mit der Uni und dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD zusammen. Bislang ließen die Fortech-Programmierer in der Bergstraße die Tastaturen glühen. Jetzt zogen sie in eines der Speicherhäuser im Rostock-Park um. Nicht ganz freiwillig, wie Woitzel einräumt. „Unser Mietvertrag lief aus.“ Die alten Räume wurden dem wachsenden Unternehmen aber ohnehin zu eng. Der neue Firmensitz im Tannenweg 22 m bietet Platz, hat aber einen Haken. „Die Nahverkehrsanbindung ist leider noch nicht so gut“, bedauert Woitzel. Doch bei einem so innovativen Unternehmen, wird sich sicher auch dafür die passende Lösung finden. Egmont Woitzel will dem Wirtschaftsstandort Rostock in jedem Fall treu bleiben. „Ich bin ein Kind der Küste. Mich kriegt hier so schnell keiner weg“, sagt der Firmenchef und lacht.

Ableger und Partner der Uni

14 Mitarbeiter sind beim Softwaredienstleister Fortech derzeit beschäftig. Das Unternehmen ist seit 27 Jahren am Markt. Gegründet wurde es von vier Mitarbeitern der Universität Rostock und ist damit eines der ersten Spin-Offs der Uni. Mit der arbeitet Fortech nach wie vor eng zusammen, zum Beispiel bei Forschungsprojekten.

Kooperationen unterhält das Unternehmen auch mit dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD.

Antje Bernstein

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