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Rostock Weihnachten und Papa fehlt
Mecklenburg Rostock Weihnachten und Papa fehlt
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08:00 08.12.2018
Die Kinder Trauergruppe zünden selbst gestaltete Kerzen an – auch Noah hilft dieses Ritual. Quelle: Ove Arscholl
Stadtmitte

Es ist das zweite Weihnachtsfest, das Noah (9) ohne seinen Vater verbringen muss. Erst das zweite von so vielen Malen, die noch kommen werden. Nie mehr mit Papa Geschenke auspacken. Nie mehr mit ihm lachen, singen, schmusen... Noahs Vater Steffen ist im vergangenen Jahr völlig überraschend gestorben. Doch dies ist keine Deprigeschichte. Es ist eine, die dazu ermutigen soll, sich seinen Gefühlen zu stellen und daran zu wachsen.

Der Tod trifft Familie Maerz im November 2017 wie ein Hammerschlag. Familienvater Steffen ist 34 Jahre alt, Montagearbeiter und steht mitten im Leben, als er von jetzt auf gleich aus eben diesem gerissen wird. Was der Arzt zunächst als Symptom eines Bandscheibenproblems deutet, stellt sich im Nachhinein als Gerinnsel heraus, das eine Sepsis und mehrere Hirnschläge ausgelöst hat. Ramona Maerz findet ihren Mann bewusstlos. Die Not-OP kommt zu spät. Drei Tage später ist Steffen tot, Noah und seine Schwester Lotta verlieren ihren Papa. „Meine Kinder waren bei mir, als ich den Anruf von den Ärzten bekam, dass Steffen im Sterben liegt“, sagt Ramona Maerz. „Ich bin zusammengebrochen. Das mit anzusehen, war für Noah fast noch schwerer zu verarbeiten als der Tod seines Vaters.“ Weil es Mama den Boden unter den Füßen wegreißt, will Noah ihr zuliebe buchstäblich seinen Mann stehen. Er schlüpft in die Kleidung seines Vater. „Ich bin Papa 2.0.“

Der Satz lässt bei Ramona Maerz die Alarmglocken schrillen. Für sie ist er Ausdruck dafür, dass Noah Hilfe beim Trauern braucht, die sie allein ihm nicht bieten kann. „Kinder wollen für ihre Eltern stark sein.“ Sie habe ein Ventil gesucht, einen Ort, wo Noah seine Gefühle angstfrei zulassen kann, ohne sich Sorgen um seine Mama zu machen. Diesen geschützten Raum findet sie beim Ökumenisch Ambulanten Kinderhospiz- und Begleitdienst „Oskar“. Seit April geht Noah jeden zweiten Montag in die Trauergruppe „Begegnungszeit.“ Hier kann er sich mit anderen Kindern austauschen, die, wie er einen geliebten Menschen verloren haben. „Es ist sehr wichtig für ihn, dass er seine Trauer unabhängig von mir durchleben kann und sieht, dass es anderen ähnlich geht wie ihm“, sagt Ramona Maerz.

Zuhause setzt die 42-Jährige auf absolute Ehrlichkeit, egal wie schmerzhaft die sein mag. Schließlich könnten unterdrückte Gefühle sich noch nach Jahren Bahn brechen. „Ich will nicht, dass mein Sohn irgendwann aggressiv oder gefühlskalt wird. Er soll empathisch bleiben und später Lust haben, eine eigene Familie zu gründen.“ Schließlich habe sie ihrem Mann versprochen: „Mein Schöner, ich pass gut auf unsere Kinder auf.“ Dazu gehöre eben auch, sie nicht in Watte zu packen. „Ich will aus Steffens Tod kein Geheimnis machen oder die Dinge netter formulieren als sie sind. Meine Kinder sollen mir nicht irgendwann vorwerfen, ich hätte sie belogen.“ Deshalb habe sie ihrem Sohn auch genau erklärt, wie Papa eingeäschert worden ist. Zusammen haben sie Steffens Urne bemalt, die Musik für die Beisetzung ausgesucht.

Das Spendenkonto

Helfen bringt Freude: Bitte spenden Sie auf das Konto des Kinderhospizdienstes „Oskar“ (IBAN: DE45 1305 0000 0202 2222 33) bei der Ostseesparkasse unter dem Verwendungszweck „Spende: OZ-Weihnachtsaktion“. Alle Spender erhalten bei Bedarf eine Spendenquittung und werden in der OZ veröffentlicht. Sollten Sie eine Veröffentlichung nicht wünschen, vermerken Sie dies bitte auf der Überweisung.

Bei der jüngsten „Helfen bringt Freude“-Aktion hatten OZ-Leser mehr als 60000 Euro gespendet. Das Geld ging an die Rostocker Tafel, die damit einen neuen Kühltransporter und den Aufbau einer neuen Ausgabestelle in der Südstadt finanzieren konnte.

Schlimme Momente stehen die drei gemeinsam durch. „Wir haben auch schon aus Wut gemeinsam Bücher an die Wand geworfen.“ Ramona Maerz ermutigt ihre Kinder, Emotionen rauszulassen. „Unsere Gesellschaft hat das Trauern leider komplett verlernt. Gefühle werden unterdrückt und Kinder außen vor gelassen.“ In anderen Kulturen gehöre der Tod ganz selbstverständlich zum Leben. „Halloween hat mein Sohn gesagt: ,Wäre Papa in Mexiko gestorben, hätten wir eine Party für ihn gegeben.’“ Deshalb war es für Noah selbstverständlich, am Geburtstag seines Vaters in seiner Schulklasse ein Geburtstagslied zu singen.

Wie Noah mit seinen Gefühlen umgehen kann, zeigen ihm die Leiterinnen der Kindertrauergruppe, Madlen Grolle-Döhring und Rebecca Hoch. Bei ihnen lernt er, Kraft und Lebensmut zu schöpfen. Dabei helfen Trauerübungen, zum Beispiel Steckbriefe über den Verstorbenen. Seine schönste Erinnerung an Papa? „Das erste Mal zusammen Baseball“, hat Noah notiert und lächelt beim Gedanken an jenen Moment. Ramona Maerz ist dankbar für solche Augenblicke, zeigen sie ihr doch, dass die Trauerarbeit ihrem Sohn guttut. „Er weiß jetzt, er ist nicht Papa 2.0. Er ist Noah 1.0 – das Beste von Papa.“

Um Kinder wie Noah zu unterstützen, sammelt die OSTSEE-ZEITUNG mit ihrer Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ Geld für den Kinderhospizdienst „Oskar“ und die Trauergruppe.

Tod, Tabus und Tröstendes

Der Ökumenische Ambulante Kinderhospiz- und Familienbegleitdienst „Oskar“ ist ein Angebot der Diakonie Stadtmission und der Caritas Rostock. Sein Anliegen ist es, Familien mit schwer erkrankten Kindern sowie Abschied nehmenden Kindern in ihrem schwierigen Alltag zur Seite zu stehen. Die Begleitung übernehmen speziell dafür ausgebildete Ehrenamtler. In der Trauergruppe „Begegnungszeit“ helfen sie Kindern dabei, den Tod eines geliebten Menschen zu verarbeiten. Das Projekt „Hospiz und Schule“ richtet sich an Schüler von der 1. bis zur 12. Klasse sowie deren Lehrer und Schulsozialarbeiter. Es soll Tabuthemen wie Krankheit und Tod ihren Schrecken nehmen. Dafür werden bei Gesprächsrunden und Exkursionen Verlusterfahrungen und Gedanken zu Trauer und Trost ausgetauscht.

Kontakt: 0381/ 40310202; kinderhospiz@rostocker-stadtmission.de

Antje Bernstein

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