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Rostock Hochsaison für das uralte Gold des Meeres
Mecklenburg Rostock Hochsaison für das uralte Gold des Meeres
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00:00 09.12.2017
Ein beachtlicher Brocken! Die neunjährige Schatzsucherin Anna freut sich über ein großes Stück Bernstein. Quelle: Fotos: Katja Bülow (2), Deutsches Bernsteinmuseum (2)
Boltenhagen/Poel/Rerik

Schatzsucher an der Ostsee hören zur Zeit täglich den Wetterbericht. Sie lauern auf starken Wind aus Nordost, jetzt im Herbst ist die Wahrscheinlichkeit groß. Naturführer Martin Hagemann, der in Zusammenarbeit mit dem Bernsteinmuseum in Ribnitz-Damgarten wöchentlich Wanderungen zum Thema anbietet, erklärt: „Der Baltische Bernstein, um den es hier geht, kommt größtenteils aus Richtung Osten. Einiges ist zwar noch immer am Ostseestrand zu finden, aber wir warten, dass frischer Nachschub angespült wird.“

Bernstein fasziniert Menschen seit Jahrhunderten / Sammler warten täglich auf Sturm aus Nordost

Auf Usedom und Rügen, in Rerik oder auf Poel – es gibt viele Orte im Land, die bei Sammlern als gute Fundstellen gelten. Die besten Strände zum Bernsteinsuchen in Nordwestmecklenburg gibt es rund um Boltenhagen. Vor allem die Steilküste zwischen Wohlenberg und Tarnewitz, ein etwa drei Kilometer langer Abschnitt, ist der beliebteste Strand für die Experten. Vor allem im Seegras finden sich immer Bernsteine. Ein weiterer Bereich ist in der Nähe von Steinbeck. Der Strand ist ein Geheimtipp.

Auf Poel sind die Strände von Timmendorf bis Gollwitz gleichermaßen beliebt. Wobei Einwohner Hubertus Gustav Doberschütz sich ein bisschen wehmütig an seine Kindheit, an die Zeit zwischen 1956 bis 1966, erinnert: „Da waren es im Jahr bis zu zehn Stück, die ich gefunden habe.“ Wenn er jetzt einen Bernstein entdecke, sei das eine kleine Sensation. Den letzten fand er im Februar 2016 am Kliff in der Nähe des sogenannten Blauen Steines. „Wir hatten tagelang Hochwasser, Windstärke 6 aus Nordost.“ Das Zurückschwappen des Wassers habe den Schatz dann freigegeben. In Rerik finden Experten am leichtesten Bernsteine zwischen der Seebrücke und der Halbinsel Wustrow. Dort geht der Strand flach ins Wasser über, so dass das „Gold des Nordens“ angespült wird, meint Thomas Köhler, Fossiliensammler und Leiter des Heimatmuseums Rerik.

Was genau den Reiz des zig Millionen Jahre alten Steins ausmacht, der tatsächlich gar kein Stein ist, sondern das Harz einer längst ausgestorbenen Kiefernart? Henning Schröder, Verwaltungsleiter im Bernsteinmuseum Ribnitz-Damgarten, schnuppert an einem gelblich schimmernden Exemplar. „Allein schon dieser Duft! Da riecht man heute noch die Nadelbäume aus der Urzeit.“

Schon in der Steinzeit verarbeiteten die Menschen den – übrigens brennbaren – Werkstoff zu Anhängern und Perlen – verständlich, findet Julia Kintrup, Goldschmiedin und Schmuckdesignerin in Rostock.

In ihre „Goldfrische“-Werkstatt kommen immer mal wieder Kunden mit selbst gesammelten Schätzen. „Da sind oft kleine Einschlüsse zu sehen, manche haben tolle Farben.“ Gelblich weiß, stark gemasert oder beinahe schwarz – kein Stein gleicht dem anderen.

Noch bis ins 19. Jahrhundert war das Sammeln des Steines in Ribnitz-Damgarten nur denjenigen erlaubt, die direkt am Strand wohnten – und die Beute war ordnungsgemäß abzugeben. Heute ist es jedermann freigestellt, sich auf die Jagd nach Bernstein zu begeben. Morgens nach einem Sturm als erster an der Ostsee zu sein, ist allerdings gar nicht so leicht. Denn diejenigen, die sich gut auskennen, rufen sich bei passendem Wetter sogar gegenseitig an und sind auf diese Weise oft schon früh um 3 Uhr am Strand. Mit Taschenlampen suchen sie den Spülsaum nach dem Sonnenstein ab.

Ein Tipp der Experten: Vor allem dort, wo Miesmuscheln und sogenanntes Rollholz, also mit Wasser vollgesogenes Treibholz, liegen, sind die Chancen auf Erfolg groß.

Naturführer Martin Hagemann erklärt: „Das Holz hat in etwa die gleiche Dichte wie Bernstein.“ Wer besonders effektiv auf Schatzsuche gehen will, der zieht aber am besten gleich die Wathosen an – denn wenn sich das Wasser nach einem Nordost-Sturm wieder zurückzieht, muss der Sammler nur noch den Kescher hinhalten und dessen Inhalt durchstöbern.

Der Test: Echt oder Irrtum?

Herbstzeit ist Bernstein-Zeit: Der klassische Test, um herauszufinden, ob die Beute auch wirklich kostbar ist: In einem Wasserglas mit einigen Esslöffeln Salz gehen normale Steine unter, Bernstein schwimmt. Wer einen Wollpullover anhat, der kann Bernstein daran reiben und so elektrostatisch aufladen – kleine Papierschnipsel werden anschließend von dem Harz angezogen.

Ein anderer Weg: Man klopft sich ganz vorsichtig mit dem Stein gegen die Zähne. Echter Bernstein, oder auch „Sonnenstein“, ist weich wie ein Fingernagel. Wenn es sich aber unangenehm hart anfühlt, ist der Sammler auf bunte Steine hereingefallen.

Michael Prochnow, Kerstin Schröder und Katja Bülow

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