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Rostock Steuerzahler muss für Pannenviertel blechen
Mecklenburg Rostock Steuerzahler muss für Pannenviertel blechen
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07:43 11.10.2018
Straßen, Wege und Leitungen auf der Holzhalbinsel müssen saniert werden – auf Kosten der Steuerzahler. Quelle: Andreas Meyer
Rostock

Im Petriviertel ist (noch) nichts zu sehen. Jedenfalls nicht überirdisch. Dass auch dort das Erdreich absackt, es zu Senkungen gekommen ist – das haben die Experten von Nordwasser bei Kamerafahrten durch ihre Leitungen festgestellt.

Nicht mal 200 Meter Luftlinie weiter – auf der Holzhalbinsel – ist das Problem hingegen bereits allgegenwärtig: Risse in den Straßen, abgesackte Gehwege, Verwerfungen selbst im Parkhaus.

Während im Petriviertel noch geprüft wird, herrscht auf der Holzhalbinsel bereits akuter Handlungsbedarf. Und für den wird der Steuerzahler mit Millionen aufkommen müssen. Denn für das Desaster, sagt die Stadtverwaltung, können weder der Bauherr – die Wiro – noch die Planer mehr verantwortlich gemacht werden. „So etwas wird sich im Petriviertel nicht wiederholen“, verspricht Bausenator Holger Matthäus (Grüne).

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Schwieriger Untergrund war bekannt

Für beide Problem-Neubauviertel gilt: Schon vor Baustart war bekannt, dass der Untergrund schwierig ist. Sowohl im Petriviertel als auch auf der Holzhalbinsel ist das Erdreich weich, stellenweise morastig.

2005 begann die stadteigene Wohnungsgesellschaft Wiro – im Auftrag ihrer „Mutter“, der Hansestadt – mit den Erschließungsarbeiten rund um den heutigen Gaffelschonerweg. 2007 übernahm die Stadt – so die Darstellung des zuständigen Senatsbereiches für Bau, Verkehr und Umwelt – schließlich Straßen, Wege, Verkehrszeichen auf der Holzhalbinsel in ihren Besitz.

Nur zwei Jahre später – noch während der Gewährleistungsfrist – stellte das Amt für Verkehrsanlagen erste Setzungen im Bereich der Uferpromenade fest und meldete diese auch der Wiro. Der größte Vermieter des Landes hingegen sagt, die Stadtverwaltung habe nur kleinere Schäden gemeldet. Nicht aber die großflächigen Setzungen.

Und so sehen es offenbar auch die Juristen: „Bis 2012 gab es nur kleinere Mängel. Die großen Setzungen traten 2013 und 2014 auf – nach Ablauf der Gewährleistungsfrist“, sagt Senator Matthäus. „Wir werden über die Gewährleistung keinen anderen mehr zu fassen kriegen.“

150 000 Euro für Sanierungsplan

Auf der Holzhalbinsel drängt die Zeit. Alle sechs Monate werden umfangreiche Messungen in dem Bereich durchgeführt. „Die Senkungen sind weniger geworden, in diesem Jahr ist kaum mehr etwas passiert“, so Matthäus. „Wir hoffen, dass es das jetzt endlich war.“ Doch die Lage sei schon jetzt grenzwertig.

Vor Monaten hieß es bereits im Bauausschuss, dass es an ein Wunder grenze, dass noch keine Leitungen im Erdreich gebrochen seien. Und wenn das passiert, wenn Hunderte Wohnungen und auch Unternehmen, wie zum Beispiel die Zentrale der Flusskreuzfahrt-Reederei Arosa, tagelang ohne Wasser oder Strom sind, mag sich im Rathaus niemand ausmalen.

Noch in diesem Jahr soll deshalb ein Sanierungsgutachten erarbeitet werden. 150 000 Euro zahlt die Stadt dafür. „Die Fachleute berichten an eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Amtes für Verkehrsanlagen. In der wird entschieden, wo der größte Handlungsbedarf ist – und was zu tun ist. Wir wissen noch nicht, ob wir ,nur‘ aufschütten müssen oder ob wir den gesamten Untergrund neu aufbauen müssen“, sagt Matthäus. Kostenschätzungen seien derzeit unseriös.

Aber intern geht die Stadt von 15 Millionen Euro aus, die da auf den Steuerzahler zukommen. Die Wiro soll sich nicht beteiligen müssen. Nach OZ-Informationen habe die Rathaus-Spitze schon vor Monaten entschieden, die stadteigene Gesellschaft nicht in Regress zu nehmen. Matthäus äußert sich dazu nicht.

Auch im Petriviertel wurden erste Absackungen festgestellt – vor allem an den Rohrleitungen. Quelle: Andreas Meyer

Petriviertel: „Das wird sich nicht wiederholen“

Und nun droht im Petriviertel gleich der nächste, der gleiche Ärger: „Nein, das wird für die Stadt kein finanzielles Desaster. Wir haben aus unseren Fehlern auf der Holzhalbinsel gelernt“, sagt Matthäus. Erst Ende November laufe die Frist ab, bis zu der die Stadt Mängel anmelden muss. „Wir haben noch Zeit. Da ist noch nichts schiefgegangen.“ Und außerdem: „Das Petriviertel wurde viel aufwendiger erschlossen.“

Das bestätigt auch Sigrid Hecht, Chefin der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS). Die RGS habe unter den Straßen an der Warnowstraße bis zu vier Meter Kies aufschütten und verdichten lassen. „Wir haben ein ganzes anderes Verfahren gewählt für unser Vorhaben.“

Die Wiro hingegen wählte für die Holzhalbinsel eine vergleichsweise billige Variante: Unter Wegen und Straßen wurden Geotextilien ausgebracht, die das Ganze halten und stabilisieren sollten. Nur offenbar ohne Erfolg.

Andreas Meyer

Andreas Meyer, Leiter der Rostocker OZ-Lokalredaktion, meint: Die Stadt macht es sich beim Thema Holzhalbinsel zu einfach – auf Kosten der Rostocker Steuerzahler.

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