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Rostock Honeckers Gastarbeiter: Gebraucht, aber nicht gewollt
Mecklenburg Rostock Honeckers Gastarbeiter: Gebraucht, aber nicht gewollt
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10:13 23.02.2016
Mai Phuong Kollath aus Rostock (Archivfoto) Quelle: Archiv
Rostock

Anfang der 80er Jahre kam Mai-Phuong nach Rostock. Für die Vietnamesin Anfang 20 begann ein hartes Leben in einer unbekannten Welt. Sie arbeitete als Hilfsköchin im Schichtdienst in der Großküche des Rostocker Hafens. Sie wohnte, wie viele ihrer Landsleute, im „Sonnenblumenhaus“ in Rostock-Lichtenhagen. Jenem Wohnheim, das im August 1992 von einem rassistischen Mob angezündet wurde. Als das Wohnheim brannte, wohnte sie schon nicht mehr dort.

Die junge Frau mit den warmen braunen Augen hatte einen jungen Mann kennen- und lieben gelernt. Ihre Schwangerschaft verbarg sie lange, arbeitete weiter. Wenige waren eingeweiht. Liebe, Familie, Kinder waren im Staatsvertrag zwischen Ost-Berlin und Hanoi nicht vorgesehen.

Die Vertragsarbeiter sollten arbeiten, dem dramatischen Arbeitskräftemangel in der DDR-Volkswirtschaft abhelfen. Sie wurden gebraucht, aber eigentlich nicht gewollt. Wurden Frauen schwanger, zwang man sie auf eigene Kosten zu Abtreibung und Heimreise. „Das alles macht mich heute noch wütend“, sagte Mai-Phuong Kollath jetzt in Berlin. Auch über ihr Schicksal berichtet der Film „Honeckers Gastarbeiter – Fremde Freunde in der DDR“, der für die ARD produziert wurde. Bei der Film-Vorführung in Berlins Bartholomäuskirche trafen sich kürzlich Hunderte frühere Vertragsarbeiter mit ihren Familien und Freunden.

Auch zu DDR-Zeiten gab es bereits Übergriffe auf „Fidschis“ oder „Braunkohlen“, wie Vietnamesen oder dunkelhäutige Menschen abschätzig genannt wurden. Zum Ende der DDR arbeiteten rund 150 000 Vertragsarbeiter aus zehn Ländern in ostdeutschen Betrieben



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