Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Hotels: Vier von zehn Azubis brechen ab
Mecklenburg Rostock Hotels: Vier von zehn Azubis brechen ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:01 12.12.2017
Tina Becker (30) absolviert im Hotel Radisson Blu in Rostock im dritten Lehrjahr eine Ausbildung zur Hotelkauffrau. Quelle: Foto: Ove Arscholl
Stadtmitte

Die Abbrecherquote bei den Auszubildenen ist hoch. „Im Jahr 2016 haben bei uns im Land fast 40 Prozent der Auszubildenden ihre Lehre abgebrochen“, sagt Bernd Sturzrehm, vom Rostocker Aus- und Fortbildungswerk in Rostock (AFZ). Besonders im Hotel- und Gaststättengewerbe werfen Jugendliche schnell das Handtuch. Hier geben fast die Hälfte der jungen Menschen – oftmals schon während der Probezeit – auf. Das kann Anne Baxalary vom Best Western Hanse Hotel in Warnemünde bestätigen. „Viele Auszubildene haben falsche Vorstellungen, was hinter dem Beruf steht“, sagt die 33-Jährige, verantwortlich für Sales und Marketing. Einige der Bewerber würden an ihrem ersten Tag gar nicht erst erscheinen oder gehen bereits in der Probezeit. Das Hanse Hotel wurde von der Industrie- und Handelskammer zu Rostock auch in diesem Jahr wieder als „Top Ausbildungsbetrieb 2016“ ausgezeichnet. „Uns ist es wichtig, dass die Ausbildung wirklich im Vordergrund steht. Unser Ziel ist es, wenn möglich, dass die Auszubildenden bei uns bleiben“, sagt Baxalary.

Falsche Vorstellungen bei den Schulabgängern – diese Erfahrung hat Bernd Sturzrehm ebenfalls gemacht. Allerdings betrifft das auch die eigenen Fähigkeiten: „Pünktlichkeit, Teamfähigkeit, Kommunikation sind bei vielen einfach nicht vorhanden. Viele wollen auch nicht mehr körperlich arbeiten.“ Und so werde auch schon mal mit der Begründung, um 6 Uhr morgens anzufangen sei unzumutbar, die Ausbildung hingeschmissen.

„Wir haben aktuell 402 neue Ausbildungsverhältnisse im Hotel- und Gaststätten-Bereich“, sagt Berit Heintz, Leiterin des IHK-Geschäftsbereiches Aus- und Weiterbildung. Bereits kurz nach Beginn, noch im Monat August, seien 77 Verträge wieder aufgelöst worden, 18 davon schon vor Beginn der Ausbildung.

Tina Becker (30) ist im Hotel Radisson Blu Auszubildende zur Hotelkauffrau im dritten Lehrjahr. Sie kann von Mitschülern aus der Berufsschule die Erfahrung teilen: „Wir arbeiten rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche. Wir müssen immer lächeln und freundlich sein – das unterschätzen viele.“ Falsche Vorstellungen vom Beruf und fehlende eigene Fähigkeiten sind zwei der Gründe. Ein anderer könnte auch die geringe Vergütung sein. Auszubildende in Hotels und Gaststätten bekommen durchschnittlich zwischen 400 und 500 Euro im Monat und müssen auch an Wochenenden und Feiertagen arbeiten.

„Leistung muss auch honoriert werden“, sagt Sturzrehm. Tina Becker weiß aus ihrer Berufsschulklasse: „Sehr viele Gastronomen gehen nicht gut mit ihren Azubis um.“Das weiß auch Hoteldirektor Daniel Bojahr (38) aus dem Rostocker Radisson Blu Hotel und hat gehandelt: „Es hat ein Umdenken stattgefunden. Uns ist wichtig, dass die Mitarbeiter besser für sich planen können. Positiv eingestellte Fachkräfte sind Vorbilder für unsere Auszubildenden.“ Die Abbrecherquote ist nach eigenen Angaben sehr gering. „Wir machen von vornherein auf die Nachteile in diesem Beruf aufmerksam“, sagt Bojahr und betont jedoch „wer sich Mühe gibt, kann schnell etwas erreichen und nach Beendigung der Ausbildung eine Führungsposition übernehmen.“ Vielleicht ein Grund, warum die Abbrecherquote in Metallberufen, in der Verwaltung oder bei Banken fast verschwindend gering ist.

„Wir stellen jedes Jahr etwa 25 Auszubildende ein, davon bricht im Durchschnitt einer ab“, sagt Karin Schönmeier, Pressesprecherin der OstseeSparkasse Rostock (OSPA). Um die Abbrecherquote zu minimieren, wirbt Sturzrehm für eine frühzeitige berufliche Orientierung. Die kann auch auf Eigeninitiative in den Ferien über ein Praktikum in dem Wunschbetrieb erfolgen. „Hier liegt die Verantwortung auch bei den Eltern“, betont er. Seine Erfahrung zeigt: „Jugendliche ohne Ausbildung werden die Verlierer der Gesellschaft sein. Aber ihnen stehen heute durch den demografischen Wandel alle Türen offen. Sie müssen nur wollen.“

IHK bietet Hilfe

Es können auch jetzt – nach Beginn des Ausbildungsjahres – noch Verträge geschlossen werden, von Seiten der Ausbildungsbetriebe sogar jeder Zeit. Eine Einschränkung ist lediglich das Berufsschuljahr. Wenn das Ausbildungsjahr zu weit vorangeschritten ist, wird es schwierig, den bereits versäumten Berufsschulstoff nachzuholen. Falls Betriebe oder Jugendliche noch Interesse haben, einen Ausbildungsvertrag für das laufende Ausbildungsjahr zu schließen, kann die IHK Unterstützung leisten.

Stefanie Adomeit

Mehr zum Thema

Werner Buchholz, Professor für Pommersche Geschichte an der Universität Greifswald, spricht im Interview über die Streichungen aus Arndt-Texten im Sozialismus. Entscheidet der Senat noch im Dezember über die Ablegung des Namens Ernst Moritz Arndt?

07.12.2017

Nach der Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch die USA fluchen die Palästinenser - die Israelis zeigen Genugtuung. Die Heilige Stadt war immer schon der sensibelste Punkt im Streit zwischen beiden Völkern.

07.12.2017

Stundenlange hitzige Debatten, eine nervöse Parteiführung, die SPD vor der Zerreißprobe. Am Ende unterliegen die „GroKo“-Gegner - vorerst. Schulz bekommt grünes Licht für Gespräche mit der Union. Er selbst schrumpft von 100 auf knapp 82 Prozent.

07.12.2017

Überall in Rostock wird früh am 6. Dezember in blank geputzte Stiefel geschaut. Denn in der Nacht legt der Nikolaus braven Kindern etwas Süßes in die Schuhe. In Rostock gibt es jedoch auch andere Geschichten und Traditionen rund um den Nikolaustag.

09.02.2018

Zwei Jugendgruppen haben sich in Rostock kurz nach der Schließung des Weihnachtsmarktes am Freitagabend attackiert. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.

10.02.2018

Drei mutmaßliche Betreiber der Internetplattform Thiazi-Forum müssen sich vor dem Landgericht Rostock verantworten.

12.04.2018
Anzeige