Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Hund Tilda ist die letzte Hoffnung für Luca (8)
Mecklenburg Rostock Hund Tilda ist die letzte Hoffnung für Luca (8)
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:05 03.06.2017
Luca mit seiner Mutter Jennifer Brinkmann: Sie zeigt ein Foto, das bei einem Besuch im Rostocker Hof entstand. Luca ging allein mit Tilda durch das Einkaufszentrum. Ohne Begleithund wäre so etwas undenkbar. Seitdem hängt ein Bild von Tilda über Lucas Bett. Quelle: Foto: Katja Bernardy
Tessin/Trier

Ein Hund aus dem Landkreis Rostock soll dem achtjährigen Luca zu einem besseren Leben verhelfen. Im Kindergartenalter diagnostizierten Ärzte bei dem Jungen aus Trier (Rheinland-Pfalz) atypischen Autismus. Der Besuch der Grundschule scheiterte an der Krankheit, selbst ein Hauslehrer gab auf. Die letzte Hoffnung für Luca und seine Mutter Jennifer Brinkmann (28) ist eine Hündin aus dem fast 800 Kilometer entfernten Tessin: Das Labrador-Weibchen Tilda wird zurzeit im Landkreis Rostock zur Autismus-Begleithündin ausgebildet. Tilda könnte Luca helfen, den Weg zurück in ein normales Leben zu finden, sind die Therapeuten und seine Mutter überzeugt. Mithilfe von Spenden und Sponsoren will die Pädagogik-Studentin die nötigen 28000 Euro aufbringen. Krankenkassen zahlen zwar für Blinden-, nicht aber für Rehahunde.

„Luca war wie ausgewechselt“, schildert Jennifer Brinkmann am Telefon einen Besuch vor einigen Wochen in Rostock und Umgebung. Ein Foto, aufgenommen im Rostocker Hof, zeigt, wie Luca stolz in die Kamera lächelt, einen Arm um Tilda gelegt. „Mit dem Hund ist er alleine durch das Einkaufszentrum gelaufen“, berichtet die alleinerziehende Mutter. Er habe „größer“ gewirkt als sonst und sei freundlich gewesen.

Was für viele normal klingt, ist für sie ein kleines Wunder. Supermarktbesuche enden sonst schon mal damit, dass sie Luca verzweifelt suchen muss, der weggelaufen ist und sich mucksmäuschenstill unter einem Regal versteckt. Die Schulbehörde erklärte das Kind für nicht schulfähig. Obwohl ihm eigene Schulbegleiter zur Seite standen, hielt es Luca im Unterricht nicht aus, reagierte aggressiv auf seine Mitschüler oder rannte aus dem Klassenraum.

Auslöser für dieses Verhalten ist, dass Autisten ihre Umwelt anders wahrnehmen – und von ihr überfordert werden. Nachdem auch ein Förderlehrer aufgeben musste, der den Jungen zu Hause unterrichtete, soll Luca demnächst vorübergehend stationär behandelt werden – mit dem Ziel, ihn fit für die Schule zu machen.

„Mit dem Hund bekommen Autisten einen anderen Zugang zu ihrer Umwelt“, sagt die Tessinerin Astrid Ledwina, Vorsitzende des Vereins Rehahunde Deutschland. Seit Ende der 1990er-Jahre hat sie rund 60 Rehahunde ausgebildet, die Menschen mit Krankheiten und Traumata helfen sollen. Zehn ihrer vierbeinigen Schützlinge, die als Welpen ausgesucht werden und während der zweijährigen Trainingszeit in Pflegefamilien leben, begleiten Autisten in ihrem Alltag.

„Mit einem trainierten Hund kommuniziert man auf einer anderen Ebene“, sagt Astrid Ledwina. Denn dem sei es egal, ob ein Mensch ständig nach rechts unten guckt oder sich auf den Boden wirft, so die Ausbilderin.

Voraussichtlich im Herbst soll Tilda von Tessin nach Trier umziehen. Luca hat ein Bild der Hündin über sein Bett gehängt, seine Mutter besorgte schon mal ein Leine und baute das Hochbett im Kinderzimmer zu einem ebenerdigen um – alles für Tilda. Ob der Hund mit in die Schule darf, ist noch unklar. Gespräche laufen. Jennifer Brinkmann will dafür kämpfen, das Jugendamt befürworte ihr Anliegen. In sozialen Netzwerken sucht sie nach Sponsoren und Unterstützern. Mehr als 4300 Euro kamen bislang zusammen, 3000 Euro kann Jennifer Brinkmann selbst beisteuern.

Autismus ist nicht heilbar

2 bis 3 Prozent aller Menschen gelten als autistisch. Betroffene haben Probleme im sozialen Umgang mit anderen Menschen, manchen fällt es schwer, zu kommunizieren, andere neigen zu auffälligen, oft stereotypen Verhaltsweisen („Tics“). Die Krankheit ist nicht heilbar. Manche Autisten haben Inselbegabungen, sie können etwa gut zeichnen oder rechnen. Begleithunde können Autisten helfen, in der Umwelt zurecht zu kommen. Lucas Hund wird in Tessin ausgebildet. Krankenkassen bezahlen die Ausbildung nicht, Lucas Mutter sucht noch Spender.

Infos unter: www.rehahunde.de

Gerald Kleine Wördemann

Rostock OZ-Schulnavigator Teil 13: Die Integrierte Gesamtschule Baltic-Schule - Schule setzt Segel Richtung Zukunft

Baltic Schule auf innovativem Kurs / Berufseinstieg durch praktische Angebote

07.02.2018
Rostock OZ-Schulnavigator Teil 12: Der Schulcampus Evershagen - Zwei Schulen unter einem Dach

Gesamtschule in Evershagen bietet Vielfalt und passenden Schulabschluss für jedes Kind

06.02.2018
Rostock OZ-Schulnavigator Teil 11: Das Schulzentrum Paul-Friedrich Scheel - Beste Bedingungen für jedes Kind

Schulzentrum Paul-Friedrich Scheel legt Schwerpunkt auf körperliche und motorische Entwicklung

02.02.2018
Anzeige